„Angel In Disguise“: Unveröffentlichter McCartney/Starkey-Song wird versteigert

(AB) Während der Aufnahmen zu Paul McCartneys 1997er Album „Flaming Pie“ entstanden mit „Really Love You“ und „Looking For You“ zwei Songs, die den Autorenvermerk McCartney/Starkey tragen. Wie aus dem Nichts macht nun die Nachricht einer weiteren Gemeinschaftskomposition die Runde, die allerdings bereits 1992 in einem Rolling Stone-Interview und in der Starr-Biografie von Adam Clayson kurz Erwähnung fand. Ob es sich bei dem völlig unbekannten Song „Angel In Disguise“ um eine Antwort auf „Devil In Disguise“ von Elvis Presley handelt ist unwahrscheinlich. Sicher ist, dass das Stück für Ringo Starrs Comeback-Album „Time Takes Time“ (1992) aufgenommen wurde. Am Ende schaffte es „Angel In Disguise“ aber weder auf Ringos Album noch auf das 1993 erschienene McCartney-Werk „Off The Ground“.

Die Kassette stammt aus dem Besitz des britischen Radio Luxembourg-Moderators Tony Prince, der seinerzeit darum gebeten wurde, einen anderen Künstler zu finden, der den Song aufnehmen würde. Das Band enthält eine von Paul McCartney gesungene Demofasung und eine aufwendiger aufgenommene und abgemischte Version mit Ringo Starr am Leadgesang und einen von Ringo zusätzlich hinzugefügten Vers. Diese Historie stellt die Fans vor gewisse Rätsel. Aber die Informationen legen auch nahe, dass es sich nicht unbedingt um ein Meisterwerk handelt. Zunächst sind jedenfalls solvente Bieter gefragt, denn die Kassette soll am 19. Mai 2020 in Großbritannien versteigert werden. Dabei wird ein Erlös von umgerechnet über 23.000 Euro erwartet.

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Singen mit den Beatles: Yellow Submarine Official Sing-A-Long Watch Party

(AB) Am Dienstag sorgte ein geheimnisvoller Tweet von Ringo Starr für Diskussionen in der Fangemeinde. Der Ex-Beatle gab seinen Followern den Rat, am Samstag, den 25. April 2020 auf ein besonderes Ereignis gefasst zu sein und den offiziellen YouTube-Kanal der Beatles im Auge zu behalten.

Die Fans mutmaßten beispielsweise, dass es konkrete Neuigkeiten zur sehnsüchtig erwarteten Neubearbeitung des „Let It Be“-Projekts der Beatles geben könnte. Die Auflösung erfolgte am Tag darauf – erneut durch eine Ankündigung Ringo Starrs. Leider wird es noch keine entscheidenden Nachrichten zu „Let It Be“. Stattdessen können diejenigen, die in der Coronakrise das gemeinsame Singen vermissen, dies am Samstag um 18:00 Uhr MEZ zu Songs aus dem Beatles-Film „Yellow Submarine“ tun. Weitere Details sind noch nicht bekannt.

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Ringo Starr als Gastmusiker auf dem neuen Album von Ray Wylie Hubbard

(AB) Am 10. Juli 2020 wird der US-amerikanische Countrymusiker Ray Wylie Hubbard sein mittlerweile 18. Album veröffentlichen. Es trägt den Titel „Co-Starring“, und passenderweise konnte Ringo Starr als Schlagzeuger auf einem der Songs verpflichtet werden. Das Album macht seinen Titel zum Prinzip, denn es zeichnet sich durch namhafte Begleitmusiker aus, die sozusagen in weiteren Hauptrollen auftreten. Neben Ringo Starr sind besonders Joe Walsh (Eagles), Chris Robinson (Black Crowes, Chris Robinson Brotherhood) und Don Was (Was [Not Was]) zu nennen. In dieser Besetzung nahmen die letztgenannten Musiker in Ringo Starrs Roccabella West Studio den Song „Bad Trick“ auf. Stilistisch bewegt sich der Song im Fahrwasser der letzten Alben von Ringo Starr.

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COVID-19-Benefiz: Paul McCartney allein am Fender Rhodes

(AB) Es war ein virtueller Konzert-Marathon, der einen dreistelligen Millionenbetrag für Projekte im Kampf gegen die Corona-Pandemie generierte und gleichzeitig alle Beschäftigten im Bereich der Medizin und auch Ehrenamtliche würdigte. Das u.a. via YouTube übertragene Spektakel hatte einen sechsstündigen Vorlauf mit vorwiegend weniger bekannten Künstlern, bevor sich ab 2:00 Uhr MEZ die ganz großen Stars mit zuvor eingespielten Videoclips aus ihren jeweiligen privaten vier Wänden präsentierten.

Lady Gaga eröffnete den Reigen mit einer beeindruckenden Piano-Soloversion von Nat King Coles bekanntem Song „Smile“ (komponiert von Charlie Chaplin). Ebenfalls am Klavier spielte dann Stevie Wonder ein Medley aus „Lean On Me“ (ein Song seines kürzlich verstorbenen Freundes Bill Withers) und der Eigenkomposition „Love’s In Need Of Love Today“. Überraschend weit vorn im Programm folgte dann bereits Paul McCartney, der sich aus seinem Hogg Hill Mill Studio im heimischen Sussex meldete. McCartney begann mit von Herzen kommenden Dankesworten, die er an Ärzte, Krankenschwestern und andere Helfer weltweit richtete, wobei er auch an seine Mutter Mary erinnerte, die ebenfalls den Beruf der Krankenschwester (und Hebamme) ausübte. Bevor er zum musikalischen Teil überging, appellierte der Ex-Beatle darüber hinaus an die Zuschauer, Druck auf die Regierungen auszuüben, damit diese das Gesundheitssytem mehr fördern als es bisher der Fall war.

Durch die Kontaktsperre derzeit getrennt von seiner Frau Nancy: Paul McCartney daheim in Sussex.

Es folgte eine rhythmisch und instrumental veränderte, weitgehend improvisierte Fassung von „Lady Madonna“, die Paul McCartney am Fender Rhodes E-Piano spielte. Viele Fans fieberten live dem Ereignis entgegen und mussten schließlich nicht zum ersten Mal mit beinahe schmerzhaftem Mitgefühl die stark geschwächte Stimme des früher meisterlichen Gesangsvirtuosen zur Kenntnis nehmen. In großen Konzerten hat es in den letzten Jahren nicht zuletzt dank der gesanglichen Unterstützung durch McCartneys Schlagzeuger Abe Laboriel jr. zwar recht gut funktioniert. Und auch Elton Johns Stimme hat gelitten. Das konnte dem Publikum bei seiner Version von „I’m Still Standing“ nicht entgehen. Paul McCartney ist hingegen noch stärker betroffen muss sich ernsthafter denn je fragen, wie lange er die Strapazen eines Live-Performers noch auf sich nehmen will.

Auch wenn Mick Jagger sich seit jeher in einem deutlich überschaubareren Stimmspektrum bewegt, gelang den Rolling Stones der bessere Auftritt. Jagger, Richards, Watts und Wood waren über instrumentale Aufzeichnungen zusammengeschnitten sangen eine Version ihres 1969er Klassikers „You Can’t Always Get What You Want“.

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„One World: Together At Home“ – Benefizkonzert gegen Coronavirus mit Paul McCartney am 18.04.2020

(AB) Zusammen mit den US-Talkmastern Jimmy Fallon, Jimmy Kimmel und Stephen Colbert kuratiert Lady Gaga ein Benefizkonzert, an dem auch Paul McCartney teilnehmen wird. Die Vorbereitungen für das am 18. Aprill stattfindende Konzert gehen inzwischen in die heiße Phase. Neben dem Ex-Beatle haben sich Stars wie Elton John, Stevie Wonder, Eddie Vedder, Billie Eilish, Lang Lang, Keith Urban, Andrea Bocelli, Coldplay und andere angekündigt.

„One World: Together At Home“ soll nicht nur Solidarität mit den stark belasteten Beschäftigten im Gesundheitswesen demonstrieren: Die Erlöse des mehrstündigen Benefizkonzertes sollen verschiedenen Corona-Projekten der UN zugutekommen. Das Konzert, welches vor allen Dingen durch Unternehmen und Philanthropen durch Spenden unterstützt werden soll, wird live im Fernsehen und Internet übertragen.

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It was 50 years ago today – Paul McCartney verkündet das Ende der Beatles

Q: „Why did you decide to make a solo album?“

Paul: „Because I got a Studer four-track recording machine at home – practiced on it (playing all instruments) – liked the results, and decided to make it into an album.“

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(AB) So fing das folgenschwere Selbstinterview Paul McCartneys an, das am Tag zuvor als Pressemitteilung herausgegeben wurde und genau heute von 50 Jahren die Schlagzeilen der Tageszeitungen beherrschte. Die Beatles waren – ohne dass es direkt so beabsichtigt war – für alle Zeiten Geschichte.

Auch wenn sie nie wieder vollständig als Band musizierten: Es war auch der Startschuss für wunderbare Songs und Alben, die sie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aufnehmen sollten. Natürlich war nicht alles meisterhaft. Heute können wir sagen, dass sie die echte Magie nur als Quartett erzeugten. Aber es ging weiter, und die Vier verloren sich auch nicht aus den Augen. Immer mal wieder traten sie als Gastmusiker auf den Alben der jeweils anderen Drei in Erscheinung.

So darf man dankbar sein für den großen musikalischen Schatz, den die Beatles hinterlassen haben. Man kann sich darüber hinaus freuen, wie groß auch für nachfolgende Generationen die Bedeutung der Beatles, wie gegenwärtig die Inspiration durch John, Paul, George und Ringo immer noch ist. Stellvertretende für viele junge Künstler hier ein weniger bekannter Song vom 1970er Debüt „McCartney“, dessen eigenständige Umsetzung überzeugt. Ein bisschen Country, eine leichte Prise Rockabilly, und sehr harmonisch vom texanischen Duo The Watters vorgetragen.

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Buchbesprechung: „Paul McCartney Hautnah“

Seit drei Wochen ist ein neues deutschsprachiges Buch über Paul McCartney auf dem Markt. ex-beatles.de hat sich ein Bild davon gemacht, was der Moderator, Musik- und Medienjournalist Christian Simon über seine Jahre mit Sir Paul zu berichten hat.

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Buchtipp: „Jimi Hendrix: Alle Songs“


Jimi Hendrix: Alle Songs

Die Geschichten hinter den Tracks

Philippe Margotin / Jean-Michel Guesdon

Erstveröffentlichung: 10. Oktober 2019
592 Seiten in deutscher Sprache
Delius Klasing Verlag „Edition Delius“, Bielefeld
ISBN: 978-3-667-11686-4
Preis: 59,90 € (D) / 61,60 € (A)

Das bewährte französische Autorenteam Margotin und Guesdon hat im vergangenen Herbst mit „Jimi Hendrix: Alle Songs“ ein neues Nachschlagewerk vorgelegt. Auch in seiner Monumentalität setzt es die erfolgreiche Reihe der entsprechenden Veröffentlichungen über die Beatles, Pink Floyd, Bob Dylan und den Rolling Stones fort. Wieder einmal kommen die beiden Musikjournalisten auf knapp 600 Seiten. Was erstaulich ist, war doch Jimi Hendrix nur etwa dreieinhalb Jahre als Solokünstler aktiv, bevor sein Leben im September 1970 so jäh endete.

Aktive und postume Jahre sind farblich voneinander abgegrenzt und schnell auffindbar

Dennoch gilt Seattles berühmtester Sohn auch ein halbes Jahrhundert später immer noch als einer der einflussreichsten Gitarristen. Es ist sicher auch nicht vollkommen vermessen, Hendrix als größten Innovator an den sechs Stahlsaiten zu bezeichnen, wenn man sich den Urknall vergegenwärtigt, den sein erstes Auftreten in Europa darstellt. Selbst die größten Helden der Musikszene (unter ihnen auch die Beatles) hielten ehrfürchtig den Atem an, als Jimi Hendrix das Swinging London in seinen Grundfesten erschütterte. Legendär ist beispielsweise die Anekdote von Jimi Hendrix‘ Auftritt am 4. Juni 1967 im Londoner Saville Theatre. Das bahnbrechende Beatles-Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ war gerade vor ein paar Tagen erschienen, als Hendrix als Hommage an die im Publikum anwesenden Beatles seine Show mit den Titelsong des neuen Beatles-Albums eröffnete.

Jimi Hendrix zollt dem Schöpfer der „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ Tribut

Diese Geschichte und viele andere mehr sind eingebettet in die interessante Dokumentation der Aufnahmesessions. Die einzige Ausnahme bildet der erste Teil des Buches, in dem Hendrix‘ nicht gerade ungetrübte Kindheit und Jugend sowie der Weg beschrieben wird, den der Gitarrist als junger Mann mit verschiedenen Formationen und ihn prägenden Musikerpersönlichkeiten zurücklegte. Vom Gesamtumfang des Buchs nimmt dieser Teil etwa 10 Prozent ein. Mit der im Dezember 1966 erschienenen Single „Hey Joe“/“Stone Free“ dringen die Autoren dann zum eigentlichen  Kern vor:  Song für Song, Album für Album werden Jimi Hendrix‘ Werk und Wirken sowie die Hintergründe seiner Musik detailliert ausgeleuchtet.

Das Inhaltsverzeichnis mit psychedelischem Layout

Erfahrene Leser der Reihe wissen, wie der Hauptteil dieser Bücher strukturiert ist. Jedem Album ist ein ausführliches Essay vorangestellt, das auf die jeweiligen Aufnahmen vorbereitet und einstimmt. Es folgen Rahmendaten der einzelnen Songs (ausführende Musiker, Tontechniker, Produzent sowie Angaben zum Aufnahmestudio), die Vorgeschichte und schließlich die Dokumentation der Aufnahme selbst. Obendrauf gibt es noch – vom eigentlichen Text grafisch abgesetzt – Fun Facts und Spezialwissen („Für absolute Hendrix-Fans“) in Kurzform.

Jimi Hendrix in London. Er fand Unterschlupf in Ringo Starrs Wohnung (34 Montagu Square).

Der letzte große Abschnitt von „Jimi Hendrix: Alle Songs“ befasst sich mit seinem stattlichen posthumen Werk. Es beginnt mit dem 1971er Album „The Cry Of Love“ und endet mit dem 2018 veröffentlichten Album „Both Sides Of The Sky“ – Letzteres vergleichsweise kurz besprochen. Das Material auf den posthumen Alben jüngeren Datums wie „People, Hell And Angels“ und eben auch „Both Sides …“ ist von erstaunlich hoher künstlerischen Qualität. Aus diesem Grund wäre eine ausführlichere Untersuchung lohneswert gewesen.

Man kann es allerdings leicht verschmerzen. Unterm Strich ist „Jimi Hendrix: Alle Songs“ wie auch die zuvor bei Delius Clasen erschienenen Bücher dieser Reihe uneingeschränkt empfehlenswert.

Auch Linda McCartney, die beeindruckende Fotos von Hendrix machte, findet Erwähnung.

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Neues Album von Ringo Starr erscheint am 25. Oktober 2019

(AB)  Am 25.10.2019 erscheint Ringo Starrs 20. Studioalbum. Die zehn neuen Songs des „What’s My Name“ betitelten Albums nahm der Ex-Beatle erneut im heimischen Roccabella Studio in Los Angeles auf. Auch bei seinen Mitstreitern verlässt er sich auf Musiker, die ihn auch auf den vorherigen Veröffentlichungen begleitet haben. Dazu gehören Joe Walsh, Benmont Tench, Edgar Winter, Steve Lukather oder auch Dave Stewart. Mit besonderer Spannung wird das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Paul McCartney erwartet. Zusammen haben die beiden überlebenden Beatles John Lennons „Gow Old With Me“ aufgenommen. Lennon selbst konnte das Stück zu Lebzeiten nicht mehr im Studio aufnehmen. 1984 erschien posthum auf dem Album „Milk And Honey“ eine Demoversion, die Beatles-Produzent George Martin 1998 für die „John Lennon Anthology“ orchestrierte und neu abmischte. Die zweite Beatles-Reminiszenz auf „What’s My Name“ wird eine neue Version des erfolgreichen Beatles-Covers „Money (That’s What I Want)“ sein.
Die ersten Fan-Reaktionen sind wie in den Jahren zuvor auch zwiespältig. Während sich die eine Gruppe über jedes neue musikalische Lebenszeichen von Ringo Starr freut, bedauern andere die schwache Qualität der Songs, die sich in ihrer Machart kaum von Starrs Werk nach der Trennung vom Produzenten Mark Hudson unterscheiden (letztes gemeinsames Album: „Choose Love“, 2005).

Bereits seit dem 12. September ist der Titelsong des kommenden Albums via YouTube verfügbar.

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Neue Buchveröffentlichung: „Pink Floyd: Alle Songs“

Pink Floyd: Alle Songs

Die Geschichten hinter den Tracks

Philippe Margotin / Jean-Michel Guesdon

Erstveröffentlichung: 01. Oktober 2018
592 Seiten in deutscher Sprache
Delius Klasing Verlag „Edition Delius“, Bielefeld
ISBN: 978-3-667-11410-5
Preis: 59,90 € (D) / 61,60 € (A)

Die Beatles hatten sich längst zur führenden kreativen Kraft der Popmusik aufgeschwungen, als sie zwischen November 1966 und April 1967 mit „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ einen weiteren Meilenstein aufnahmen. Und dies taten sie wie fast immer im Studio 2 in den Abbey Road Studios (damals ausschließlich als EMI Studios bekannt). Zeitgleich fanden sich Syd Barrett, Roger Waters, Richard Wright und Nick Mason im benachbarten Studio 3 ein, um ihr Debütalbum „The Piper At The Gates Of Dawn“ aufzunehmen. Dass Pink Floyds damaliger Frontmann und Songschreiber Syd Barrett durchaus auch von den Beatles beeinflusst war, hört man in Teilen früher Songs wie z.B. „Mathilda Mother“. Über 50 Jahre später gelten Pink Floyd als ähnlich einflussreiche Kreativköpfe und Innovatoren (und sind im Übrigen die ewige Nummer zwei in der Gunst des Verfassers dieser Zeilen), die bereits mit ihrem Erstlingswerk die Grenzen der Popmusik neu ausloteten und bald die Speerspitze des Progressive Rock bildeten.

Farbige Markierungen im Buchschnitt teilen das Pink Floyd-Werk in Jahre ein.

Delius Klasing legen nun mit „Pink Floyd – Alle Songs“ das mittlerweile vierte Buch des französischen Autorenduos Margotin/Guesdon in deutscher Übersetzung vor. Wie bei den Büchern über die Beatles, Bob Dylan und die Rolling Stones ist auch „Pink Floyd – Alle Songs“ ein schwerer Schinken, der mit knapp 600 Seiten aber etwas weniger umfangreich ausfällt als die Vorgänger. Das Vorwort ordnet zunächst die Entwicklung und Bedeutung der Band ein und gibt Hinweise zum Gebrauch des Buches. Im Anschluss erklärt das Kapitel „Das Cambridge Syndrom“, wie in den Sechziger Jahren die Fäden der vier Mitglieder zusammenliefen und auch David Gilmour bereits zum Freundeskreis von Syd Barrett gehörte. Bevor es zur Analyse des ersten Albums kommt, werden die zuvor aufgenommenen ersten Singles vorgestellt und durch ein Porträt des Beatles-Tonigenieurs Norman Smith abgerundet, der die ersten vier Alben von Pink Floyd produzierte (den Soundtrack „More“ ausgeklammert).

Hinter dem Schutzumschlag verbirgt sich ein schönes Doppelbild der Band mit und ohne Syd Barrett.

Der formale Aufbau folgt den bewährten Vorgaben: Das Buch orientiert sich an der offiziellen britischen Diskografie, wobei auch Abweichungen von den amerikanischen Pressungen vermerkt werden. Das Nachschlagewerk beginnt mit der Single „Arnold Layne / Candy And A Currant Bun“ (März 1967) und endet mit dem „Division Bell“-Ableger „The Endless River“ (November 2014). Der ausführlichen Beschreibung werden Kapitel über die Enstehungsgeschichte des entsprechenden Albums vorangestellt. Wie bei den anderen Büchern widmet sich „Pink Floyd – Alle Songs“ ebenfalls in einem gesonderten Abschnitt der Covergestaltung. Doch auch hier taucht nicht ein einziges Cover der Diskografie von Pink Floyd auf. Dies ist gerade vor dem Hintergrund des gehobenen Stellenwertes des Artworks bei Pink Floyd und der Masse an abgedruckten Fotos (viele davon sehr selten) in diesem Buch überhaupt nicht nachvollziebar.

Seitenaufbau am Beispiel von „Shine On You Crazy Diamond (Parts 1-5)“.

Wie dem erfahrenen Margotin/Guesdon-Leser schon bekannt ist, erhält jeder einzelne Song zunächst ausführliche Angaben zum Aufnahmedatum, zu den Komponisten, der Laufzeit, den beteiligten Musikern, zum Aufnahmestudio und zum technischen Team. Die genauere Beschreibung ist zweigeteilt: Ein „Vorgeschichte“ genannter Abschnitt klärt über die Hintergründe des Songs auf, ein zweiter Teil gibt Aufschluss über die Aufnahme selbst. Analog zu den anderen Büchern der Autoren gibt es auch in diesem Werk einen Passus, der spezielle, teils kuriose Details zum jeweiligen Song präsentiert: „Für Pink Floyd Addicts“. Zusätzlich findet man hier und da einen „Genau hingehört“-Textblock. Hier wird auf besondere Aufnahmedetails hingewiesen. Auch ein Kleinod wie das Zitat des Wings-Leadgitarristen Henry McCullough („I don’t know, I was really drunk at the time“), das am Ende von „Money“ zu hören ist, wird nicht vergessen. Das Buch deckt wirklich alles offiziell erhälliche Material ab, sogar Deluxe-Ausgaben werden berücksichtigt. Es wäre natürlich schön gewesen, wenn die Boxset-Reihe „The Early Years 1965-1972“ auch dazugezählt werden könnte. Da die englische Ausgabe aber bereits im Oktober 2017 veröffentlicht wurde, ist davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt des Erscheinens der „Early Years“-Reihe (November 2016) der Redaktionsschluss bereits überschritten war.

Eine gewagte These, dass der Floyd-Song „On The Run“ möglicherweise den Titel des Megasellers „Band On The Run“ (bzw. auch den Song selbst) inspiriert haben könnte.

Das Arbeitspensum der beiden Autoren ist erstaunlich. In so kurzer Zeit gleich vier komplexe Gebiete anspruchsvoll und gut recherchiert aufzuarbeiten, ringt dem Leser großen Respekt ab. Falsche Recherche ist nach dem ersten Lesen hier nicht gravierend aufgefallen, denn gerade Übersetzungen bergen da eine gewisse Gefahr. Wenn Fehler passieren, dann sind sie schlechter Übersetzung oder mangelhaftem Lektorat geschuldet. Anders ist z.B. eine Textstelle wie diese über „Pink Floyd live at Pompeji“ nicht zu erklären: „(…) kommt im September 1972 ins Kino – mit großem Erfolg. Eine zweite Version erscheint zwei Jahre später auf DVD.“ Irgendwie schon komisch, aber vermeidbar. Eine weitere Ausnahme bildet der Klappentext, der höchstwahrscheinlich vom Verlag verfasst wurde. Es wirft nämlich kein gutes Licht auf dieses ansonsten sehr gute Buch, wenn da behauptet wird, dass Pink Floyd angeblich 1989 vor dem Berliner Reichstag und 1990 auf dem Potsdamer Platz aufgetreten seien. Selbst Fans ohne Nerdwissen können Auskunft darüber geben, dass Pink Floyd (ohne Roger Waters) 1988 vor dem Reichstag ein Konzert gaben und Roger Waters als Solist mit Gaststars „The Wall“ auf dem Potsdamer Platz aufführte. Ein solcher Lapsus kann einen potenziell interessierten Käufer bereits abstoßen.

Möglich, dass dieser Fehler bei einer zweiten Auflage behoben wird. Ungeachtet dieses Makels gilt auch für „Pink Floyd – Alle Songs“ eine uneingeschränkte Kaufempfehlung, wenn man Wert auf eine deutschsprachige Ausgabe legt und nicht zu kleinlich ist. Das Buch ist ein kompetenter Leitfaden, der große Lust macht, den kompletten Pink Floyd-Katalog noch einmal mit großer Aufmerksamkeit durchzuhören.

 

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