Beatles total: Die Geschichten hinter den Songs

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Beatles total

Die Geschichten hinter den Songs

Jean-Michel Guesdon / Philippe Margotin

Erstveröffentlichung: Oktober 2014
671 Seiten in deutscher Sprache
Delius Klasing Verlag „Edition Delius“, Bielefeld
ISBN: 978-3-7688-3881-8
Preis: 49,90 € (D) / 51,30 € (A) / 66,90 sFr

Hinter dem etwas hölzern klingenden Titel „Beatles total“ verbirgt sich ein Buch, das sich zur Aufgabe gemacht hat, den Beatles-Katalog zu so weit zu untersuchen, dass der Leser nach der Lektüre nicht nur (der Untertitel deutet es an) über die Hintergründe der Songs informiert ist, sondern auch die wichtigsten Details zur jeweiligen Aufnahme selbst erfährt.
Die beiden Franzosen Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin stützten sich in ihrer Recherche auf einige der wichtigsten Veröffentlichungen mit wissenschaftlichem Anspruch. Die Studioarbeit der Beatles war lange Zeit ein unerforschtes Gebiet, bis der britische Autor Mark Lewisohn zum offiziellen Beatles-Archivar avancierte. Er erhielt die Gelegenheit, alle existierenden Tonbänder durchzuhören. Das Ergebnis brachte Lewisohn 1988 unter dem Titel „The Complete Beatles Recording Sessions“ auf den Markt und veröffentlicht bis heute Bücher, die die Beatles-„Studenten“ weltweit begeistern. Die US-Amerikaner Brian Kehew und Kevin Ryan vertieften die bisherigen Forschungsergebnisse mit ihrem Buch „Recording The Beatles“, das die Aufnahmetechniken der Beatles in den Mittelpunkt stellt.
Beide genannten Bücher können sicherlich zu den zentralen Quellen gezählt werden, die Guesdon und Margotin verarbeiteten. Was „Beatles total“ zu einem Segen für den deutschsprachigen Markt macht ist die Tatsache, dass Lewisohns „The Complete Beatles Recording Sessions“ und Kehews/Ryans „Recording The Beatles“ bis heute nicht in deutscher Übersetzung erhältlich sind. Nicht wenige interessierte Fans in Deutschland, Österreich oder der Schweiz scheuen sich vor englischer Beatles-Literatur. Nun liegt „Beatles total“ vor, das erstmals die wichtigsten Erkenntnisse der oben genannten und vieler anderer Quellen in deutscher Sprache zusammenfasst.

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Im Buchschnitt sind die Jahre 1962 bis 1970 farblich gekennzeichnet

„Beatles total“ ist chronologisch gegliedert, beginnt mit kurzen Ausführungen zu den Hamburger Lehrjahren der Liverpooler Band, zum wichtigen ersten Vorspielen im EMI Studio an der Abbey Road am 06. Juni 1962 und schließlich zum Beatles Sound und den damaligen Instrumenten. Danach folgt die eigentliche Chronologie. Jedem Song wird eine Titelseite vorangestellt, die auch Veröffentlichungsdaten und Chartnotierungen beinhaltet. Anschließend wird der betreffende Song nach hauptsächlich vier Gesichtspunkten analysiert: Aufnahmefakten (Musiker, Aufnahmedatum, Anzahl der Takes, Abmischung, Technisches Team), die Vorgeschichte des jeweiligen Songs, die Beschreibung der Aufnahmessions (hier „Aufzeichnung“ genannt; ein Wort, an das man sich – so übersetzt – erst einmal gewöhnen muss) und eine „Für Beatlemaniacs“ genannte kleine Rubrik, die stets ein besonderes Detail zur Aufnahme verrät. Manche Songs enthalten zusätzlich noch einen Abschnitt zu technischen Einzelheiten.

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Auf den zu „Blackbird“ gehörenden Seiten finden sich auch Querverweise zur Zeit McCartneys bei den Wings

Die Informationen in „Beatles total“ sind für den Leser übersichtlich und verständlich aufgearbeitet. Aufgelockert wird diese Publikation durch eine reiche Bebilderung. Die Farb- und Schwarzweißfotos sind hervorragend ausgewählt und selbst jahrzehntelangen Fans längst nicht alle bekannt. Das Buchdesign ist durchdacht; eine gesunde Mischung aus Sachlichkeit und bunt-poppiger Gestaltung. Das Format entspricht in etwa DIN A4, und die annähernd 700 Seiten bringen in der Summe respektable 2,5 Kilogramm auf die Waage. Die drei beigelegten Poster sind nett, aber nicht nötig. Dem geneigten Fan dürfte der Informationsgehalt von „Beatles total“ ungleich wichtiger sein. Das interessante Vorwort stammt von der US-amerikanischen Künstlerin Patti Smith („Because The Night“), die die Bedeutung der Beatles exemplarisch an ihrer erst 1967 gewachsenen Begeisterung für die Beatles herausarbeitet.

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Die drei dem Buch beigefügten Poster im Format 51×39 cm

Positiv müssen noch die vielen Abbildungen von Personen hervorgehoben werden, die eine besondere Bedeutung für die Beatles hatten – von bekannten Charakteren wie Billy Preston, Buddy Holly oder Ravi Shankar bis zu nicht ganz so offensichtlichen Personen wie Larry Williams, Robert Moog oder James Jamerson. Dies macht die Lektüre unterhaltsam und die Informationsaufnahme anschaulicher.

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Hinter dem Schutzumschlag ist der Bucheinband mit einem seltenen Bild der gemeinsam musizierenden Beatles aus dem Jahr 1967 versehen

Fazit: Auch wenn die Autoren explizit erwähnen, „nur die originalen englischen Singles und die Alben, wie sie die Beatles geplant und veröffentlicht haben“ zu behandeln, so wäre es dennoch schön gewesen, wichtige Originalkompositionen zu berücksichtigen, die erst später veröffentlicht wurden (z.B. „I’ll Be On My Way“, „That Means A Lot“ oder „Not Guilty“).  Nach dem derzeitigem Stand der noch nicht vollständig abgeschlossenen Lektüre kann trotzdem an kaum einem Punkt Kritik angesetzt werden. Die Autoren haben gut recherchiert und ihre Quellen in den bedeutenden Punkten ansprechend zusammengefasst. Viele Seiten sind mit Fußnoten versehen, und wenn bestimmte Aspekte fraglich sind, so wird das auch von Guesdon und Margotin hervorgehoben (dies betrifft z.B. die mitunter zweifelhaften Erinnerungen von Beatles-Toningenieur Geoff Emerick). Neue Erkenntnisse gibt es nicht wirklich. Dieses Buch ist eine schöne Inventur des Forschungsstandes und zudem für alle erfreulich, die bisher um die englischsprachigen Veröffentlichungen einen Bogen machten. Man könnte selbstverständlich noch weiter in die Tiefe gehen, doch dies ist nicht die Bestimmung von „Beatles total“. Das bleibt Lewisohn und Kollegen vorbehalten.

2 Kommentare zu Beatles total: Die Geschichten hinter den Songs

  1. Alex sagt:

    Man klasse Ansgar! Ich bin sehr gespannt auf dieses Buch! Werd ich mir mal vom Christkind wünschen, um die Weihnachtszeit bzw. zwischen den Jahren les ich am liebsten solche Lektüre. Ich freu mich schon riesig!!!

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