Various Artists: „The Art Of McCartney“ (2014)

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Various Artists: The Art Of McCartney

Veröffentlicht: 14. November 2014
Arctic Poppy / Kobalt Label Services (Vertrieb: Rough Trade)
Diverse Formate

CD 1
Titel:

Billy Joel: Maybe I’m Amazed / Bob Dylan: Things We Said Today / Heart: Band On The Run / Steve Miller: Junior’s Farm / Yusuf (formerly known as Cat Stevens): The Long And Winding Road / Harry Connick Jr: My Love / Brian Wilson: Wanderlust / Corinne Bailey Rae: Bluebird / Willie Nelson: Yesterday / Jeff Lynne: Junk / Barry Gibb: When I’m Sixty-Four / Jamie Cullum: Every Night / Kiss: Venus And Mars – Rock Show / Paul Rodgers: Let Me Roll It / Roger Daltrey: Helter Skelter / Def Leppard: Helen Wheels / The Cure feat. James McCartney: Hello Goodbye

CD 2
Titel:
Billy Joel: Live And Let Die / Chrissie Hynde: Let It Be / Cheap Trick: Jet / Joe Elliot: Hi Hi Hi / Heart: Letting Go / Steve Miller: Hey Jude / Owl City: Listen To What The Man Said / Perry Farrell: Got To Get You Into My Life / Dion: Drive My Car / Allen Toussaint: Lady Madonna / Dr. John: Let ‚Em In / Smokey Robinson: So Bad / The Airborne Toxic Event: No More Lonely Nights / Alice Cooper: Eleanor Rigby / Toots Hibbert with Sly & Robbie: Come And Get It / B. B. King: On The Way / Sammy Hagar: Birthday

Bonus Tracks im Exclusive Deluxe Box Set:
Robert Smith: C Moon / Booker T. Jones: Can’t Buy Me Love / Ronnie Spector: P.S. I Love You / Darlene Love: All My Loving / Ian McCulloch: For No One / Peter Bjorn & John: Put It There / Wanda Jackson: Run Devil Run / Alice Cooper: Smile Away

Es war im August 2010, als erstmals eine Meldung die Runde machte, dass sich ein ganz besonderes Paul McCartney-Tribute im Entstehungsprozess befände. Es war nicht nur die Botschaft, dass das Werk des Ex-Beatles nun endlich einmal angemessen und im großen Stil gewürdigt wird. Auch die ersten bekanntgegebenen Namen der teilnehmenden Künstler ließ die Fans frohlocken: Billy Joel, Kiss, B.B. King, Paul Rodgers und Garth Brooks wurden genannt (Letzterer fand hingegen nicht den Weg auf das jetzt veröffentlichte Album).

Nach langer Wartezeit ist nun seit dem 14.11.2014 das „The Art Of McCartney“ genannte Tribute-Album auf dem Markt. Beim Blick auf die Liste der Interpreten bleibt einem zunächst mal die Spucke weg. Selbst in der langen Reihe der Lennon-Tributes sucht man vergeblich nach einem vergleichbaren Staraufgebot – auch wenn ganz sicher nicht alle Künstler in die Kategorie „World’s Greatest Artists“ gehören.

“The Art of McCartney” geht auf eine Idee des Produzenten und McCartney-Fans Ralph Sall zurück, der im Jahr 2003 mit dem Ex-Beatle zusammentraf als es darum ging, einen Song aus den “Ram”-Sessions (1971) für einen Film-Soundtrack zu verwenden. Paul McCartney brauchte nicht lange, um dem Projekt seinen Segen zu geben.

Anders als bei ähnlich gelagerten Alben entstanden die Aufnahmen für “The Art of McCartney” auf eine ungewöhnliche Weise. Statt Musiker darum zu bitten, in ihren Archiven zu kramen oder in ihrem Studio einen Song aufzunehmen, war die Methode für dieses Album eine andere: Die Gitarristen Rusty Anderson und Brian Ray, der Keyboarder Paul ‘Wix’ Wickens und der Schlagzeuger Abe Laboriel Jr. bilden seit 12 Jahren nicht nur McCartneys Tourband – Wickens ist sogar seit 25 Jahren mit ihm auf den Bühnen der Welt – sondern unterstützen den Ex-Beatle auch bei Studioaufnahmen. Sie kennen seine kreative Welt und sein Oevre wie kaum jemand anders. So bildeten Anderson, Ray, Wickens und Laboriel Jr. gewissermaßen die Hausband, mit der dann die jeweiligen Hauptakteure im Studio eine große Auswahl von Beatles-, Wings- und Solo-Songs aufnahmen. Doch was taugt dieses Konzept?

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„The Art Of McCartney“ grüßt von Hamburger Wänden  (Foto © Kai Gerullis)

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Und noch einmal Hamburg (Bergedorf) (Foto © Instagram-Account „adelaitea“)

Um es vorweg zu nehmen: nicht viel. Einige Tage vor Veröffentlichung gab es im Internet über tape.tv bereits die Möglichkeit, die regulären 34 Titel der Doppel-CD in kompletter Länge zu hören. Der Tenor der Fans und der Onlinemedien ist einstimmig: Hier wurde eine große Chance vertan. Die überwiegende Zahl der Interpretationen bewegt sich sehr dicht am Original, so dass man sich fragt, welchen Sinn „The Art Of McCartney“ überhaupt macht. Ralph Sall erklärt, dass der zentrale Idee gewesen sei, eine Sammlung der größten Namen im Musikgeschäft zu gewinnen. Doch mit welchem Ziel? Offenbar das der größtmöglichen Werktreue. Doch genau dies ist der Pferdefuß dieser Veröffentlichung. Gerade für diese Armada von Helden der Rock- und Popmusik wäre eine freie Herangehensweise eine großartige Herausforderung gewesen – und eine wahre Würdigung des Komponisten, dessen Melodien so reich, zeitlos und von großer Anziehungskraft sind. Das Ergebnis kreativer Bearbeitungen hätte nicht nur den McCartney-Fans ein spannendes Hörerlebnis geboten. In den mehr als zehn Jahren, die seit der ersten Idee zu diesem Album vergangen sind, hätte es ausreichend Möglichkeiten gegeben, die gute Songauswahl dieses Tributes mit mehr Mut anzugehen.

„The Art Of McCartney“ beginnt mit einer der größten Enttäuschungen. Billy Joel brüllt sich durch Paul McCartneys wohl größten Solo-Song „Maybe I’m Amazed“. Der „Piano Man“ beginnt sehr gefällig im mittleren Stimmspektrum, doch schon im im dritten Satz des Songtextes klingt sein Geröhre zu gequält und gepresst. Dazu das praktisch unveränderte Arrangement der McCartney-Band. Das Wechselspiel zwischen zarten und leidenschaftlich rockenden Passagen beherrscht selbst Paul McCartney mit seiner in die Jahre gekommenen Stimme besser, wenn er heute diesen Song live spielt. Das folgende „Things We Said Today“ ist dagegen eine Wohltat: Bob Dylan singt McCartneys Beatles-Klassiker von 1965 wie ein verkaterter Tom Waits, der zuvor mit einer guten Portion Reißnägeln gegurgelt hat. In einem etwas freieren Arrangement steht die bizarre Stimme des kauzigen wie genialen Songpoeten im Vordergrund und verleiht der Sache eine gewisse Spannung.

Es ist müßig, in den originalgetreu nachgespielten Songs die kleinen Besonderheiten herauszuarbeiten. Manchmal sucht man sie sogar vergebens – wie beispielsweise (!) bei Steve Millers Version von „Junior’s Farm“, Joe Elliotts „Hi Hi Hi“ oder Jeff Lynnes Fassung von „Junk“. Diese Songs in der Version ihres Urhebers zu hören, macht mehr Sinn. Wenn es Grund um Aufhorchen gibt wie bei den kurzen Soli der Jazzvirtuosen Jamie Cullum („Every Night“) und Harry Connick Jr („My Love“) und dem des Country-Haudegens Willie Nelson („Yesterday“), dann fragt man sich, warum diesen Künstlern nicht die Möglichkeit gegeben wurde, sich konsequent und frei in ihrem angestammten Genre zu bewegen. Ferner wäre ein authentischer New Orleans-Sound der Legenden Dr. John („Let ‚Em In“) und Allen Toussaint („Lady Madonna“) wünschenswert gewesen. Auch bei Kiss, bekennende Beatles- und McCartney-Fans, hört man ohne Zweifel Freude in der Interpretation von „Venus And Mars/Rock Show“ heraus. Doch letztlich wünscht man sich einfach nur, dass es eine reine Kiss-Version dieser großartigen Wings-Nummer gegeben hätte. Eigenartig auch „Eleanor Rigby“ von Alice Cooper, der hervorragend Balladen interpretieren kann, im 1:1-Arrangement des Meisterwerks von 1966 hingegen weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Mehr Biss und Flair hat da seine Version von „Smile Away“, die man allerdings nur unter den Bonustracks des sündhaft teuren Exclusive Deluxe Box Sets von „The Art Of McCartney“ findet.

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Unter Wert verkauft: Alice Cooper (Foto © 2010 Ansgar Bellersen)

Doch es gibt auch Lichtblicke. So liefert Beach Boys-Mastermind Brian Wilson, den viel mit Paul McCartney verbindet, eine zauberhaft emotionale und insbesondere gesanglich durchdachte Version von „Wanderlust“. Erfrischend ist auch die ungewöhnliche Interpretation von „No More Lonely Nights“ durch die junge US-amerikanische Indie-Rockband The Airborne Toxic Event (überhaupt wäre es gut gewesen, mehr junge Interpreten – mit großem Namen – zu verpflichten). Das ist der richtige Weg – gottlob kein Einzelfall auf „The Art Of McCartney“.  So verändern Toots Hilbert mit Unterstützung von Sly & Robbie „Come And Get It“ in eine Reggae-Version. Paul McCartney, ein großer Fan dieses Genres, wird dies mit Sicherheit gefallen. Eine Steilvorlage für den Blueskönig B.B. King ist Paul McCartneys „On The Way“, das er sehr authentisch und eigen zelebriert. Schön auch Ronnie Spectors „P.S. I Love You“, das Erinnerungen an die Wall Of Sound ihrer Ex-Mannes weckt, der Produzentenlegende Phil Spector. Schließlich ist noch Wanda Jackson hervorzuheben, die Rockabilly- und Countysängerin, die ihren größten Hit mit „Let’s Have A Party“ feierte und nun mit 77 Jahren eine respektabel rockende Version von McCartneys „Run Devil Run“ (1999) hinlegt.

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„The Art Of McCartney“ als Vinyl-Dreifachalbum

Ob man sich „The Art Of McCartney“ zulegen sollte, muss jeder selbst entscheiden. Es überwiegt jedoch die Enttäuschung. Vom Originalarrangement losgelöste Versionen hätten gerade Musikfans verblüffen können, die Paul McCartney bislang wenig Aufmerksamkeit schenkten und Anreiz geboten, den unfassbar interessanten Songkatalog des ehemaligen Beatles, Wings-Frontmannes und Solokünstlers zu entdecken. Auf der Haben-Seite stehen etwa ein halbes Dutzend hörenswerter Bearbeitungen und das schier unglaubliche Aufgebot an Rock- und Pop-Eminenzen.

„The Art Of McCartney“ ist in nicht weniger als sieben Formaten erhältlich: Strictly Limited Deluxe Boxset, Strictly Limited Vinyl Boxset, Triple Gatefold Vinyl, CD Casebook, CD Remus, Standard Digital Album, iTunes Album. Am spektakulärsten und teuersten ist das auf 1.000 Exemplare limitierte Deluxe Boxset -inklusive eines USB-Sticks in Form des legendären Höfner Violinbasses:

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Strictly Limited Deluxe Boxset (seen above)
A limited run of 1,000 Deluxe Boxsets will include Alan Aldridge signed artwork exclusively available on The Art of McCartney online store.

  • 2 pieces of specially commissioned artwork by Alan Aldridge
  • Bespoke Höfner guitar USB with FLAC files of 34 tracks
  • The Making of The Art Of McCartney – Collectors Edition DVD film containing behind the scenes footage from the recording studios and interviews with the artists
  • The Making of The Art Of McCartney – Audio documentary about the making of the album narrated by Bill Nighy
  • Illustrated guide to The Art of McCartney within a 64-page 12” hardback book
  • 4 black and white artcards
  • 42 track triple CD
  • 42 track quadruple 12”, 180 gram coloured vinyl
  • Certificate of authenticity hand numbered

This deluxe box is a must for any fan of McCartney’s music

Strictly Limited Vinyl Boxset

  • 42 track quadruple 12”, 180 gram coloured vinyl
  • Illustrated guide to The Art of McCartney within a 12” bound book

Triple Gatefold Vinyl

  • 34 track triple 12”, 180 gram vinyl

CD Casebook

  • 34 track double CD
  • 16-page hardback book
  • The Making of The Art Of McCartney DVD film containing behind the scenes footage from the recording studios and interviews with the artists

CD Remus

  • 34 track double CD
  • 8-page booklet

Standard Digital Album

  • 34 tracks

iTunes Album (MFiT)

  • 36 tracks and digital booklet
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5 Kommentare zu Various Artists: „The Art Of McCartney“ (2014)

  1. Dirk sagt:

    Weit gehend schöne Cover Songs aber die Stimme von Bob Dylan ist einfach nur grauenhaft.

    Da klingt meine Stimme erkältet ja besser.

    Was meinst Du Ansgar?

  2. Peter sagt:

    Ich kann Dir im Grunde zustimmen Ansgar. Beim ersten hören war ich über die „Orginalität“ der Songs doch sehr überrascht. Selbst bin ich allerdings kein grosser Fan von gewagten Interpretationen von gern gehörten Songs was sich für mich meisst grausig anhört aber hier fehlt das überraschende und gelungene Element wie z.b bei der George Martin CD mit Beatles-Coverversionen. BTW zu diesem Deluxe Wahn fehlen mir echt die Worte was Preis/Leistung angeht. Habs bei der 2 CD/DVD Fassung belassen und werd die anderen Songs schon irgendwie mal hören

    • admin admin sagt:

      Hi Peter,
      das Attribut „gewagt“ in Bezug auf Coverversionen ist natürlich weit gefasst. Den Text sollte man jedenfalls schon erkennen können. 😉
      Nee, im Ernst: Wenn es bis auf die Stimme kaum Unterschiede gibt, dann macht für mich eine Coverversion keinen Sinn. Der Interpret sollte schon dem jeweiligen Titel seinen ganz eigenen Stempel aufdrücken. Auch wenn er nicht mehr ein Springinsfeld ist: Joe Cocker kann das sehr gut. Er mag ja auch die (Ex-)Beatles und hat sie oft gecovert. Von „With A Little Help From My Friends“ mal abgesehen, war ich zum Beispiel von seiner Interpretation von „You’ve Got To Hide Your Love Away“ („Night Calls“, 1991) stark beeindruckt.
      Vom Kauf der Deluxe Box bin ich sehr weit entfernt. Ich habe derzeit noch nicht mal deine 2-CD/DVD-Version. Die Promotion-Agentur hat mir lediglich den Download des kompletten Materials (d.h. alle 42 Songs) zur Verfügung gestellt.
      Viele Grüße,
      Ansgar

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