{"id":495,"date":"2014-01-30T21:33:04","date_gmt":"2014-01-30T21:33:04","guid":{"rendered":"http:\/\/lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=495"},"modified":"2017-06-24T13:21:28","modified_gmt":"2017-06-24T13:21:28","slug":"1970-all-things-must-pass","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=495","title":{"rendered":"1970 &#8211; &#8222;All Things Must Pass&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 300px; height: 300px;\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/atmp.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>All Things Must Pass<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 27. November 1970<br \/>\nLP: 1C 192 &#8211; 04707\/8\/9 (Deutschland)<br \/>\nCD: EMI CDS 7 46688 8<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Titel:<br \/>\n<\/strong><\/em><strong>CD 1:<br \/>\n<\/strong><em><strong>I&#8217;d Have You Anytime \/ My Sweet Lord \/ Wah-Wah \/ Isn&#8217;t It A Pity (Version One) \/ What Is Life \/ If Not For You \/ Behind That Locked Door \/ Let It Down \/ Run Of The Mill \/ Beware Of Darkness \/ Apple Scruffs \/ Ballad Of Sir Frankie Crisp (Let It Roll) \/ Awaiting On You All \/ All Things Must Pass<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>CD 2:<br \/>\n<\/strong><em><strong>I Dig Love \/ Art Of Dying \/ Isn&#8217;t It A Pity (Version Two) \/ Hear Me Lord \/ Out Of The Blue \/ It&#8217;s Johnny&#8217;s Birthday \/ Plug Me In \/ I Remember Jeep \/ Thanks For The Pepperoni<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Aufnahmen zu &#8222;Let It Be&#8220; sprach George Harrison offen mit John Lennon \u00fcber eine Solokarriere, allerdings in friedlicher Koexistenz mit weiterer Beatlesmusik: &#8222;Ich habe so viele Songs. Das w\u00fcrde f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn Jahre oder die n\u00e4chsten zehn Alben reichen. Ich m\u00f6chte vielleicht einfach nur ein Album machen. Das w\u00e4re gut. Haupts\u00e4chlich, um sie alle einmal loszuwerden. In zweiter Hinsicht um mal zu sehen, wie ich sie aufnehmen w\u00fcrde. Es w\u00e4re nett, wenn jeder von uns separat so etwas machen k\u00f6nnte. All meine Songs k\u00f6nnte ich Anderen geben, die sie auch gut aufnehmen w\u00fcrden. Aber ich erkenne pl\u00f6tzlich, \u201afuck all that!\u2019, ich sollte sie aufnehmen. Ich k\u00f6nnte alles innerhalb einer Woche schaffen, aufnehmen, abmischen, alles. Es ist alles ganz einfach. Sie brauchen nicht viel Aufwand.&#8220; In den sp\u00e4ten Beatlesjahren schrieb George Songs in \u00e4hnlicher Taktfrequenz wie John und Paul &#8211; zeitweise vielleicht sogar mehr. Der Umstand, dass John und Paul ihm lediglich zwei Songs (die Ausnahme bildet &#8222;Revolver&#8220; mit drei St\u00fccken) pro Album gew\u00e4hrten, wurde f\u00fcr George zu einer Quelle tiefer Frustration. Aber nicht nur das \u00e4rgerte George. Wenn er mal einen neuen Song vorstellen wollte, ging dies nicht selten im kreativen Konkurrenzkampf Lennon \/ McCartney unter: \u201eDas lag alles daran, dass sie am Anfang derma\u00dfen viele Songs hatten, dass sie automatisch dachten, ihre h\u00e4tten Vorrang. Ich selbst musste zehn Songs lang warten, bis sie sich \u00fcberhaupt einen von mir anh\u00f6rten.&#8220; Stand dann eine Harrison-Aufnahme an, trat nicht immer der Ethusiasmus zu Tage, den John und Paul bei ihren eigenen Aufnahmen zeigten. Zuweilen hatte John sogar gar keine Lust, sich \u00fcberhaupt an den Aufnahmen zu Georges Kompositionen zu beteiligen. In einem Radiointerview vom April 1970 gestand George, dass er bis hin zu de Aufnahmen von &#8222;Abbey Road&#8220; wenig Interesse hatte, wie John und Paul die Ellenbogen einzusetzen, damit auch seine Lieder Beachtung fanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz nachdem Pauls Album die Spitze der amerikanischen Charts erreichte, begann George am 26. Mai mit den Aufnahmen zu seinem ersten \u201eechten\u201c Album \u201eAll Things Must Pass\u201c, die sich bis in den fr\u00fchen November 1970 erstreckten. Als Produzent verpflichtete er Phil Spector, der kurz zuvor die umstrittene Postproduktion der &#8222;Get Back&#8220;-Aufnahmen abgeschlossen hatte. Ende 1969 bestritt George zusammen mit seinem Freund Eric Clapton in England und D\u00e4nemark f\u00fcnf Konzerte als Mitglieder der Delaney &amp; Bonnie Band. Nach dem Ende dieser Tour verbrachten die Musiker der Band viel Zeit mit Eric, der seinerseits mit George von 1968 bis zu dessen Tod 2001 in engem Kontakt stand. George, dem die Gesellschaft anderer Musiker zu dieser Zeit mehr bedeutete als die von seinen langj\u00e4hrigen Weggef\u00e4hrten, brauchte nicht lange zu \u00fcberlegen, wer ihn auf seinem Magnus Opus begleiten sollte. Nahezu die komplette Delaney &amp; Bonnie-Gang, namentlich der Gitarrist Dave Mason, Schlagzeuger Jim Gordon, Bassist Carl Radle, Keyboarder Bobby Whitlock, Trompeter Jim Price und Saxophonist Bobby Keys (aus denen dann Eric Claptons Projekt Derek &amp; The Dominos wurden) geh\u00f6rten nun zum Nukleus der &#8222;All Things Must Pass&#8220;-Sessions. Selbstverst\u00e4ndlich war auch Eric Clapton mit von der Partie und sorgte f\u00fcr etliche instrumentale Glanzlichter. Wie bei den kurz zuvor stattgefundenen &#8222;New Morning&#8220;-Aufnahmen mit Dylan waren es jedoch erneut vertragliche Hindernisse, die George veranlassten, Eric sp\u00e4ter in den Credits des Albums nicht zu erw\u00e4hnen. Ungenannt blieben ebenfalls der Gitarrist Peter Frampton und der noch unbekannte Phil Collins, der bei &#8222;Art Of Dying&#8220; die Congas bediente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00fcsste man die vier besten Soloalben der Ex-Beatles nennen &#8211; &#8222;All Things Must Pass&#8220;, in vielerlei Hinsicht ein ungew\u00f6hnliches Album, w\u00e4re sicher darunter. In den Zeitraum der Aufnahmen f\u00e4llt auch der Tod von Georges Mutter Louise Harrison, die im Juli 1970 ihrem Krebsleiden erlag. Aber wie auch Lennons Album &#8222;John Lennon \/ Plastic Ono Band&#8220; und McCartneys &#8222;Band On The Run&#8220; eindringlich demonstrieren, k\u00f6nnen Stress, Schmerz oder widrige Umst\u00e4nde mitunter zu erstaunlichen Ergebnissen f\u00fchren. Einige der auf &#8222;All Things Must Pass&#8220; vertretenen Lieder sind bereits bei den letzten Beatles-Sessions gespielt worden, so beispielsweise das Titelst\u00fcck sowie &#8222;Hear Me Lord&#8220;, &#8222;Isn\u2019t It A Pity&#8220; und &#8222;Let It Down&#8220;, blieben jedoch unfertig und leidenschaftslos. So ist es als unwahrscheinlich zu betrachten, dass die anderen von Harrison bereits zu Beatleszeiten geschriebenen St\u00fccke der Gruppe zur Aufnahme angeboten wurden. Damit war George Harrison gut beraten, denn nur in Eigenregie konnte er den Songs die Aufrichtigkeit und Hingabe verleihen, die sie ben\u00f6tigten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem tats\u00e4chlichen Beginn der Aufnahmen spielte George in einer Vorproduktions-Session seinen Mitmusikern und Phil Spector 15 Songs vor, auf denen er sich selbst vorwiegend an der akustischen, aber auch an der elektrischen Gitarre begleitete. Von diesen St\u00fccken fanden jedoch lediglich sieben ihren Weg auf das Album. Bis auf zwei Ausnahmen (&#8222;Beautiful Girl&#8220; und der Dylan-Song &#8222;I Don\u2019t Want To Do It&#8220;), auf die Harrison bei sp\u00e4teren Produktionen wieder zur\u00fcckgriff, blieb der Rest bislang unver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;All Things Must Pass&#8220; wird mit einem eher ruhigen Song er\u00f6ffnet: &#8222;I\u2019d Have You Anytime&#8220;, den Song, den Harrison und Dylan bereits bei ihrem Zusammentreffen Ende 1968 begannen zu schreiben. In seiner Autobiographie &#8222;I Me Mine&#8220; erinnert sich George Harrison, dass er direkt nach den Aufnahmen der Beatles zum Wei\u00dfen Album und nach Abschluss der Arbeiten am Album von Jackie Lomax einer Einladung von Bob Dylans Begleitgruppe The Band folgte. Zu Thanksgiving traf er mit Bob Dylan zusammen, der gerade einen schweren Motorradunfall auskuriert hatte und nach l\u00e4ngerer Zeit wieder aus der Versenkung auftauchte. George verbrachte viel Zeit mit Bob und seiner Familie. Beide Musiker f\u00fchlten sich jedoch zun\u00e4chst unbehaglich. Besonders Dylan war nerv\u00f6s, sch\u00fcchtern, hatte wenig Zuversicht und sprach kaum ein Wort. Erst am dritten Tag nahmen beide ihre Gitarren und brachen damit das Eis. Es zeigte sich, dass jeder sich \u00fcber die St\u00e4rke des anderen im Klaren war. George bat Bob, ihm f\u00fcr den Anfang ein paar Textzeilen zu schreiben. Dylan hingegen schien fasziniert vom Gitarristen Harrison und fragte ihn, ob er ihm ein paar Akkorde zeigen k\u00f6nne. George spielte die gro\u00dfe Septime des G-Akkords, und brachte damit &#8222;I\u2019d Have You Anytime&#8220; auf den Weg. So l\u00e4sst sich heute mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Musik von George verfasst wurde, w\u00e4hrend gro\u00dfe Teile des Textes von Bob Dylan stammten. George Harrison war von Dylans Gabe begeistert, einfache, pr\u00e4gnante Texte zu schreiben. Es erschien ihm, als br\u00e4uchte er sie nur so aus dem \u00c4rmel zu sch\u00fctteln. Der von Dylan geschriebene \u00dcbergangsteil (&#8222;All I Have Is Yours \/ All You See Is Mine \/ And I\u2019m Glad To Hold You In My Arms \/ I\u2019d Have You Anytime&#8220;) enth\u00e4lt in der Endfassung auf dem Album einige einfache, aber wundersch\u00f6ne von Eric Clapton gespielte Figuren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn es einen Song gibt, der in George Harrisons Post-Beatles-Karriere sowohl Glanzpunkt als auch empfindlichen Nackenschlag darstellt, dann ist es &#8222;My Sweet Lord&#8220;. Nachdem &#8222;I\u2019d Have You Anytime&#8220;verklungen ist, er\u00f6ffnet ein von mehreren Akustikgitarren gespielter, m\u00e4chtiger Fis-Moll-Akkord den wohl spirituellsten Song des Albums. Harrison schreibt in &#8222;I Me Mine&#8220;, dass er sich lange \u00fcberlegt hatte, ob er mit einem solchen Text, einem solchen Glaubensbekenntnis an die \u00d6ffentlichkeit gehen solle, da vielen Menschen das Wort &#8222;Gott&#8220; unangenehm sei, sie mehr noch \u00e4rgerlich mache. George f\u00fchlte sich, als h\u00e4tte er seinen Kopf schon in die Guillotine gelegt und w\u00fcnschte, jemand anders k\u00f6nnte f\u00fcr ihn einspringen. Er sch\u00e4tzte seit seiner Kindheit zwar den einfachen, geradlinigen Rock\u2019n\u2019Roll, gelangte nun aber zu folgender \u00dcberzeugung: &#8222;Ich war naiv und glaubte, wir k\u00f6nnten einander unsere Gef\u00fchlen zum Ausdruck bringen und sie nicht zur\u00fcckhalten oder unterdr\u00fccken.&#8220; Harrison wollte seine Integrit\u00e4t wahren und f\u00fchlte schlie\u00dflich auch das Bed\u00fcrfnis und den Enthusiasmus, das, wovon er innerlich fest \u00fcberzeugt war, nach au\u00dfen zu lassen. Der schlichte, aber eindringliche Text wird getragen vom innigen Wunsch, Gott nah zu sein, Ihn zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr George war es von zentraler Bedeutung, eine besonderen Sound, eine spezielle Atmosph\u00e4re zu schaffen. Dies gelang durch die Dominanz der Akustikgitarren, einer pr\u00e4gnanten Slidegitarre, den \u00fcberaus kraftvollen Gesang Harrisons und den Wohlklang der Harmoniestimmen. Harrison ging es darum zu zeigen, dass &#8222;Halleluja&#8220; und &#8222;Hare Krishna&#8220; eigentlich das Gleiche bedeuten und bediente sich dabei eines geschickten Schachzugs: &#8222;Zun\u00e4chst singe ich \u201aHalleluja\u2019 und wechsle sp\u00e4ter zu \u201aHare Krishna\u2019, so dass jeder das Maha Mantra chantet, bevor er \u00fcberhaupt wei\u00df, was los ist. Ich hatte schon seit langer Zeit &#8218;Hare Krishna&#8216; gechantet und dieser Song entsprang der simplen Idee, ein popmusikalisches, westliches \u00c4quivalent zum Mantra zu schaffen, welches heilige Namen schier endlos wiederholt.&#8220; Im Christentum steht &#8222;Halleluja&#8220; f\u00fcr eine freudige Lobpreisung Gottes. Das mystische Mantra &#8222;Hare Krishna&#8220; hingegen steht dar\u00fcber hinaus f\u00fcr den innigen Wunsch, Gottes Diener zu werden. Harrison, wie auch alle anderen Hare Krishna-Devotees, f\u00fchlte sich durch die freiwerdende spirituelle Energie des Chantens Gott n\u00e4her, als es je in christlichen Gebeten und Ges\u00e4ngen m\u00f6glich ist. Schon drei, vier Jahre sp\u00e4ter machte man Harrison den Vorwurf, er treibe seinen missionarischen Eifer zu weit und langweile mit seinen Predigten. Davon war 1970 nur wenig zu sp\u00fcren. R\u00fcckblickend erkl\u00e4rte George Harrison in &#8222;I Me Mine&#8220;, dass er sich keine Vorw\u00fcrfe zu machen brauchte. Im Gegenteil, der Song habe sogar Heroinabh\u00e4ngigen das Leben gerettet. Ihm war wichtig, sich&#8220;My Sweet Lord&#8220; von der Seele zu schreiben und er war sich der enorm positiven Wirkung des Liedes jenseits des sp\u00e4ter gef\u00fchrten Copyright-Prozesses bewusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn das unsch\u00f6ne Begleitger\u00e4usch von &#8222;My Sweet Lord&#8220; war sp\u00e4ter der Vorwurf, George Harrison habe den Hit des Damenquartetts The Chiffons &#8222;He\u2019s So Fine&#8220; aus dem Jahre 1963 zu gro\u00dfen Teilen abgeschrieben, sowohl Melodie als auch Songstruktur betreffend. Aber auch daran war zum Zeitpunkt der Entstehung von &#8222;All Things Must Pass&#8220; nicht zu denken. Andererseits verwundert es schon ein wenig, dass Phil Spector, dem Produzenten des Albums und Experten in Sachen &#8222;Girl Groups&#8220;, nicht schon in diesem Moment eventuelle \u00c4hnlichkeiten auffielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eric Clapton berichtete in einem Interview, dass im Laufe der Aufnahmen zu &#8222;My Sweet Lord&#8220; aus dem Nichts ein Hare Krishna-Devotee im Studio herumsprang und sang. Der Ex-Cream-Gitarrist war kurz vor einer Panikattacke, w\u00e4hrend George nicht mit der Wimper zuckte. George Harrison war den Umgang mit den Hare Krishnas gewohnt. 1969\/1970 war George nicht nur stark von der Hare Krishna-Bewegung beeinflusst, einige Devotees wohnten sogar auf seinem Anwesen in Henley.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das n\u00e4chste St\u00fcck, das st\u00fcrmische &#8222;Wah-Wah&#8220;, entstand unmittelbar nachdem George am 10. Januar 1969 die &#8222;Get Back&#8220;-Sessions der Beatles verlie\u00df. In sp\u00e4teren Interviews erkl\u00e4rte Harrison immer wieder, er sei damals aus der Gruppe ausgestiegen. In der Tat war er die ewigen Streitereien leid und nach der in vorigen Kapitel beschriebenen dramatischen Entwicklung in der ersten Januarh\u00e4lfte war die Auszeit f\u00fcr George auch notwendig. In dieser Phase der fortschreitenden Entfremdung schrieb George &#8222;Wah-Wah&#8220;. Ein &#8222;Wah Wah&#8220;-Pedal ist im eigentlichen Sinne ein Effektger\u00e4t f\u00fcr Gitarristen, welches z.B. besonders prominent in Jimi Hendrix\u2019 &#8222;Voodoo Chile (Slight Return)&#8220; eingesetzt wurde. &#8222;Wah-Wah&#8220; verweist aber hier in erster Linie auf die Kopfschmerzen, die die Beatles-Differenzen Harrison bereiteten. So schreibt er in &#8222;I Me Mine&#8220;: &#8222;Ich beschloss \u201aDas war\u2019s! Es macht keinen Spa\u00df mehr &#8211; es macht mich ungl\u00fccklich in dieser Band zu sein \u2013 das alles ist ein gro\u00dfer Haufen Mist \u2013 sch\u00f6nen Dank, ich hau\u2019 ab. \u201aWah-Wah\u2019 steht f\u00fcr Kopfschmerz ebenso wie f\u00fcr das Fu\u00dfpedal. Es wurde in der Phase geschrieben als John und Yoko nur noch wie bl\u00f6d herumkreischten. Ich verlie\u00df die Band, ging nach Hause und schrieb das Lied.&#8220; Der Text des Songs enth\u00e4lt Aussagen der Entt\u00e4uschung, aber auch der Entschlusskraft und Zuversicht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201cYou Don\u2019t See Me Crying<br \/>\nYou Don\u2019t Hear Me Sighing.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Du wirst mich nicht weinen sehen \/ Du wirst mich nicht seufzen h\u00f6ren)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eI don\u2019t need no Wah-Wah<br \/>\nAnd I know how sweet life can be.<br \/>\nIf I keep myself free of Wah-Wah.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Ich brauche kein Wah-Wah \/ Und ich wei\u00df genau, wie s\u00fc\u00df das Leben sein kann \/ Wenn ich mich von diesem Wah-Wah befreie).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit &#8222;Isn\u2019t It A Pity&#8220; gelang George Harrison, nicht nur auf Grund seiner epischen L\u00e4nge, ein wahrhaft majest\u00e4tischer Song. Die hymnische Steigerung gipfelt interessanterweise in einem deutlich an die Schlusssequenz von &#8222;Hey Jude&#8220; angelehnten Hintergrundgesang. Der Song ist aber mehr als eine blo\u00dfe Parodie auf McCartneys Meisterst\u00fcck. Bl\u00e4ser und Streicher sind sorgf\u00e4ltig arrangiert und George Harrisons Sildegitarrenspiel wird immer mehr zu einem Markenzeichen. Harrison spricht hier allgemein \u00fcber an einem Tiefpunkt angekommene Beziehungen und \u00fcber die Neigung der Menschen, die Herzen anderer zu brechen, zu nehmen ohne zu geben. &#8222;Isn\u2019t It A Pity&#8220; kann aber auch leicht als Reflexion der zuletzt unerfreulichen Erfahrungen im Zusammensein mit Georges ehemaligen Bandkollegen interpretiert werden. Egozentrisches Verhalten wird angeprangert und Bedauern dar\u00fcber ausgesprochen, dass es \u00fcberhaupt soweit kommen muss. \u00dcberhaupt ist es nicht das erste Mal, dass Harrison hier dieses Motiv verwendete. Schon in &#8222;Within You Without You&#8220; (1967) hei\u00dft es, dass die Zeit der Erkenntnis kommen wird, dass das &#8222;Um-sich-selbst-kreisen&#8220; falsch ist und dass alle Menschen gleich sind:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eAnd the people who hide themselves behind a wall of illusion<br \/>\nNever glimpse the truth (&#8230;)\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Und alle, die sich hinter einer Wand der Illusion verbergen \/ Werden nie auch nur einen Schimmer der Wahrheit erfahren)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und weiter am Ende des Songs:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eAnd the time will come when you see we\u2019re all one<br \/>\nAnd life flows on within you and without you.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Und die Zeit wird kommen, in der du erkennen wirst, dass wir alle eins sind \/ Und dass das Leben in dir und ohne dich weiterflie\u00dfen wird).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vergleich dazu &#8222;Isn\u2019t It A Pity&#8220;:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWhen not too many people can see we\u2019re all the same<br \/>\nAnd because of all their tears, their eyes can\u2019t hope to see<br \/>\nThe beauty that surrounds them<br \/>\nIsn\u2019t it a pity.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Es sind viel zu wenige, die erkennen, dass wir alle gleich sind \/ Und vor lauter Tr\u00e4nen sehen ihre Augen nicht die Sch\u00f6nheit, die sie umgibt \/ Ist das nicht schade?).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungleich fr\u00f6hlicher geht es mit &#8222;What Is Life&#8220; weiter, eine der ersten Aufnahmen f\u00fcr das Album. George schrieb den Song 1969 innerhalb k\u00fcrzester Zeit auf dem Weg zu einer Session mit Billy Preston in den Londoner Olympic Studios. Es stand die Produktion des Preston-Albums &#8222;That\u2019s The Way God Planned It&#8220; an und George hatte eigentlich vor, diesen Titel Billy Preston zu \u00fcberlassen, war aber bald der Ansicht, dass er nicht optimal zum \u00fcbrigen Songmaterial passen w\u00fcrde. So nahm George dieses eing\u00e4ngige, packende St\u00fcck schlie\u00dflich selbst auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sich anschlie\u00dfenden beiden Songs &#8222;If Not For You&#8220; und &#8222;Behind That Locked Door&#8220; sind eng mit Bob Dylan verkn\u00fcpft, wie \u00fcberhaupt festgestellt werden kann, dass Dylans Einfluss auf \u201eAll Things Must Pass\u201c un\u00fcberh\u00f6rbar ist. Mit &#8222;If Not For You&#8220; wurde zun\u00e4chst ein Resultat der Sessions mit Dylan vor einigen Monaten wieder aufgegriffen und vollendet. &#8222;Behind That Locked Door&#8220; entstand kurz nachdem Dylan die Aufnahmen zu &#8222;Nashville Skyline&#8220; beendet und seinen Auftritt beim Isle Of White-Festival im August 1969 absolviert hatte. Nach seinem schlimmen Motorradunfall zog sich f\u00fcr lange Zeit aus der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcck und erweckte bei manchem Musikfreund den Eindruck, er k\u00f6nne in seiner Einsiedelei versauern. &#8222;Nashville Skyline&#8220; und der Auftritt beim Festival waren erste Schritte, so ist Harrisons &#8222;Behind That Locked Door&#8220; als direkter Appell an Dylan gemeint gewesen, diese ungl\u00fcckliche Zeit endg\u00fcltig hinter sich zu lassen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWhy are you still crying?<br \/>\nYour pain is now through<br \/>\nPlease forget those teardrops<br \/>\nLet me take them from you.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Warum weinst du immer noch? Dein Schmerz ist vor\u00fcber \/ Bitte vergiss diese Tr\u00e4nen \/ Lass mich sie fortwischen)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungewohnt f\u00fcr George Harrison war das instrumentale, durch Pete Drakes Pedal Steel Guitar stark country-eingef\u00e4rbte Gewand des Songs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben &#8222;Wah-Wah&#8220; sind die h\u00e4rtesten Gitarren auf &#8222;Let It Down&#8220; vertreten. Der H\u00f6rer wird von Phil Spectors ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigter &#8222;Wall Of Sound&#8220; f\u00f6rmlich erschlagen. Wie es aber im Anfangsstadium geklungen hat, zeigt eindrucksvoll die Bootleg-Edition &#8222;The Making Of All Things Must Pass&#8220;, die auf drei CDs Alternativaufnahmen von &#8222;All Things Must Pass&#8220;-Songs pr\u00e4sentiert. Hier sind mehrere rhythmisch verlangsamte, ungeschliffene Fassungen von &#8222;Let It Down&#8220; zu h\u00f6ren, die durchaus ihren eigenen Reiz haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach diesem nerv\u00f6s-hektischen Titel wird bei dem sich anschlie\u00dfenden &#8222;Run Of The Mill&#8220; die Schlagzahl deutlich herabgesetzt. Harrison mochte den poetischen Text der Ballade, die erneut einen bitteren Blick zur\u00fcck auf die Querelen in den letzten zwei Beatlesjahren wirft:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eTomorrow when you rise<br \/>\nAnother day for you to realize me<br \/>\nOr send me down again.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>As the days stand up on end<br \/>\nYou\u2019ve got me wondering how I lost your friendship<br \/>\nBut I see it in your eyes.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Morgen, wenn du erwachst \/ Ist ein weiterer Tag, mich zu erkennen \/ Oder mich wieder fallen zu lassen \/ Am Ende eines Tages \/ Frage ich mich, wie ich deine Freundschaft verlieren konnte \/ Aber ich erkenne es in deinen Augen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ruhig geht es weiter. Die wundersch\u00f6ne Melodie von &#8222;Beware Of Darkness&#8220; ist von Marianne Faithfull, \u00fcber Leon Russell, Concrete Blonde bis hin zur hochinteressanten Version der Prog-Rockband Spock\u2019s Beard h\u00e4ufig gecovert worden. Der Song stammt aus dem vorangegangenn Jahr, als Mitglieder des Radha Krishna Temple bei George Harrison wohnten. Erneut eingebettet in Textdichtung auf hohem Niveau wird das einfache, doch beeindruckende Solo von der Zeile &#8222;Beware Of Maya&#8220; (Nimm dich vor Maya in acht) eingeleitet. Nach der Lehre des Hinduismus spielt die Maya genannte kosmische Illusion eine bedeutende Rolle. Die Theorie geht davon aus, dass das All aus dem Traum des Sch\u00f6pfergottes und Magiers Brahma kommt. Vishnu als Bewahrer dieses Traums webt gleichsam ein Netz, welches dem Menschen als Wirklichkeit erscheint. Die Welt selbst ist keine Illusion, jedoch aber die Art und Weise, wie sie wahrgenommen wird. Nur scheinbar besteht die Welt aus voneinander unabh\u00e4ngigen Strukturen, Dingen und Ereignissen, ist aber tats\u00e4chlich eine Einheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon seit den Aufnahmen der Beatles zum Wei\u00dfen Album hielt sich eine Gruppe von weiblichen Fans regelm\u00e4\u00dfig und dauerhaft vor den Abbey Road Studios auf. Ihre Erlebnisse aus dieser Zeit schrieb Carol Bedford 1984 in ihrem Buch &#8222;Waiting For The Beatles&#8220; nieder. Das unerlaubte Eindringen der M\u00e4dchen in McCartneys Haus in der nahe der Abbey Road gelegenen Cavendish Avenue fand bereits in dessen Beatles-Song &#8222;She Came In Through The Bathroom Window&#8220; Ber\u00fccksichtung. Ein solches Delikt ist nicht nett, aber die Beatles, speziell George Harrison, wussten irgendwann die Ergebenheit und Treue dieser weiblichen Fans zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aufnahmen zu &#8222;All Things Must Pass&#8220; fanden nachts statt. Carol Bedford berichtet, dass die Apple Scruffs bis zum Morgengrauen ausharrten, um schlie\u00dflich George Harrison zu verabschieden. Eines Morgens verschlief Carol, hetzte zur Abbey Road und lief beinahe vor ein Auto, dessen ver\u00e4rgerter Fahrer sich zu ihrer Verbl\u00fcffung als Harrison selbst herausstellte. Die Situation entspannte sich allerdings schnell und als Trost f\u00fcr den erlittenen Schreck schenkte George dem in v\u00f6llige Verz\u00fcckung geratenen Fan eine Ausgabe von Yoganadas &#8222;Autobiographie eines Yogi&#8220;. Sein Kommentar, er habe das Buch bisher siebenmal gelesen und w\u00fcrde es nur an Freunde verschenken, die es ihm wirklich wert seien, \u00fcbertraf alles, was sich Carol Bedford jemals ertr\u00e4umte. Die erstmals 1946 ver\u00f6ffentlichte Schrift gilt als ein Klassiker der spirituellen Literatur. Der aus Indien stammende Verfasser, Paramhansa Yogananda (1893 \u2013 1952), lebte die letzten 32 Jahre seines Lebens in den USA, wo er wesentlich dazu betrug, dass Yoga und Meditation in die westliche Welt eingef\u00fchrt wurden. In seinem Buch offenbarte Yogananda die Existenz Babajis, eines christus\u00e4hnlichen Heiligen, der nach vielen Lehr- und Wanderjahren Unsterblichkeit erlangte und \u00fcber Jahrhunderte hinweg viele spirituelle Lehrer aus der Ferne anleitete. Yogananda, dem Babaji selbst erschien, unterstrich die zugrunde liegende Einheit der Religionen und hatte das Ziel, allen ernsthaften Suchern, ungeachtet des jeweiligen religi\u00f6sen Hintergrunds, eine pers\u00f6nliche, direkte Erfahrung mit Gott m\u00f6glich zu machen. Es war keine Frage, dass eine solche Publikation George Harrison schnell in ihren Bann zog.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Sommer 1970 kam George h\u00e4ufig nachts aus dem Studio und unterhielt sich mit den Scruffs. Phil Spector hingegen wurde krank und musste immer \u00f6fter nach Hause gefahren werden. George erz\u00e4hlte vom selbstzerst\u00f6rerischen Umgang Spectors mit Drogen und dessen Trauma, dass sich sein Vater vor seinen Augen erschoss. Speziell seit den durch angebliche Botschaften in Beatlessongs wie McCartneys &#8222;Helter Skelter&#8220; oder Harrisons &#8222;Piggies&#8220; motivierten Morden von Charles Manson und seiner so genannten &#8222;Family&#8220; litt Phil Spector unter Angst und Verfolgungswahn. Besucher empfing er in seinem durch elektrische Z\u00e4une gesicherten Anwesen nicht selten mit einem Messer in der Hand. Dass auch der Revolver bei Spector inmer locker sa\u00df, musste ebenfalls John Lennon bei seinen von Phil Spector betreuten Aufnahmen zum 1975er Album &#8222;Rock\u2019n\u2019Roll&#8220; erfahren. Im Fr\u00fchjahr 2003 geriet Spector sogar unter Mordanklage, als die Leiche einer Schauspielerin in seinem Haus in Beverly Hills gefunden wurde. Im Mai 2009 wurde der legend\u00e4re Musikproduzent f\u00fcr schuldig befunden und zu 19 Jahren bis Lebenslang verurteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Glaubt man den Aussagen Carol Bedfords, so zeigte sich George Harrison sehr offen und f\u00fchrte mit ihr Gespr\u00e4che, die erstaunlicherweise weit \u00fcber Smalltalk hinausgingen. So sprach er davon, wie sehr ihn der Tod seiner Mutter traf und unter welchen \u00c4ngsten und Depressionen er litt. Einer der Beatles zu sein, war f\u00fcr ihn zu diesem Zeitpunkt eine Last, er f\u00fcrchtete, die an ihn gerichteten Erwartungen nicht erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Stimmt all das, was durch Carol Bedford \u00fcberliefert ist, so ist George Harrison der einzige Beatle gewesen, der einen derart engen und aufrichtigen Umgang mit seinen Fans pflegte. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, denn sp\u00e4ter im Londoner Soho-Distrikt die Arbeiten an &#8222;All Things Must Pass&#8220; im Trident Studio fortgesetzt wurden, wurden die anwesenden Apple Scruffs sogar ins Studio gebeten, wo ihnen das Playback des Songs pr\u00e4sentiert wurde, der zeigt, wie hoch Harrison diese Gruppe von Fans wertsch\u00e4tzte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eYou\u2019ve been stood around for years<br \/>\nSeen my smiles and touched my tears<br \/>\nHow it\u2019s been a long long time<br \/>\nAnd how you\u2019ve been a long time<br \/>\nAnd how you\u2019ve been on my mind<br \/>\nMy Apple Scruffs\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Seit Jahren steht ihr hier \/ Habt mein Lachen gesehen, meine Tr\u00e4nen ber\u00fchrt \/ Wie lange es schon her ist \/ Wie lange ihr schon da seid \/ Wie sehr ihr in meinen Gedanken seid \/ Meine Apple Scruffs).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Instrumentierung angeht, so stand hier einmal mehr Bob Dylan Pate: Mundharmonika, akustische Gitarre und minimale Percussion-Begleitung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem urspr\u00fcnglichen Eigent\u00fcmer von Friar Park, Sir Frank Crisp, widmete Harrison die &#8222;Ballad Of Sir Frankie Crisp (Let It Roll)&#8220;. Der als Exzentriker und Gartennarr bekannte Anwalt lie\u00df 1896 auf dem Grundst\u00fcck eines ehemaligen Klosters Friar Park erbauen. Ganz stilecht verwendete Harrison im Songtext altes, an Shakespeare erinnerndes Vokabular und l\u00e4sst darin den H\u00f6rer durch Friar Park und seine Anlagen lustwandeln:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eLet it roll across the floor<br \/>\nThrough the hall and out the door<br \/>\nTo the fountain of perpetual mirth.<\/em><\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Let it roll down through the caves<br \/>\nYe long walks of coole and shades<br \/>\nThrough ye woode, here may you rest a while\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[Lass dich treiben \u00fcber den Boden \/ Durch die Halle und aus der T\u00fcr \/ Hin zum Brunnen der immerw\u00e4hrenden Freude (&#8230;) Lass dich treiben hinunter durch die H\u00f6hlen \/ Euch weite Wege der K\u00fchle und des Schattens \/ Durch euch W\u00e4lder, wo du ein wenig verweilen kannst].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1968 erwarb Harrison f\u00fcr eine Summe von 200.000 \u00a3 das bauf\u00e4llige, mit einer Unmenge von T\u00fcrmchen und Wasserspeiern besetzte 120-Zimmer-Anwesen und lie\u00df es von Grund auf sanieren. Keine Arbeit, die von heute auf morgen getan war, denn ein 13 Mann starkes Team brauchte gut zwanzig Jahre um die Vision Frank Crisps wiederherzustellen. Dazu geh\u00f6rte die Restaurierung eines unterirdischen Kabinetts von Kuriosit\u00e4ten: ein Labyrinth, H\u00f6hlen, Seen und Wasserf\u00e4lle &#8211; allesamt durch einen unterirdischen Fluss verbunden. Nur wenigen Menschen ist bisher Einblick gew\u00e4hrt worden, jedoch ist verschiedenen Beschreibungen zu entnehmen, dass in einer H\u00f6hle Skelette und Spiegel untergebracht sind, in einer anderen Weinst\u00f6cke mit illuminierten Beeren, weiterhin eine Eisgrotte und eine Zwergenh\u00f6hle, denn Frank Crisp besa\u00df eine der gr\u00f6\u00dften Sammlungen von Gartenzwergen. Vier \u00fcberdimensionale Vertreter davon, George Harrison umringend, sind auf dem Plattencover von &#8222;All Things Must Pass&#8220; zu sehen (die Anzahl bot \u00fcbrigens Anlass f\u00fcr Interpretationen, die Zwerge st\u00fcnden f\u00fcr John, Paul, George und Ringo). Es ist \u00fcberliefert, dass Crisp G\u00e4ste auf Bootstouren einlud, die am oberen Ufer eines Sees begannen, der auf drei verschiedene Ebenen angelegt war. Ab und zu lie\u00df Crisp einen G\u00e4rtner nicht weit vom eigenen Boot entfernt mitrudern. Auf ein abgesprochenes Signal hin ruderte der F\u00e4hrmann von Crisp und seinen G\u00e4sten auf eine tiefer gelegene Ebene des Sees. Der G\u00e4rtner im anderen Boot duckte sich und Frank Crisp freute sich dann wie ein Schneek\u00f6nig, wenn seine G\u00e4ste glaubten, der Ruderer habe sich in Luft aufgel\u00f6st. Unter- und \u00fcberirdisch befanden sich zudem Trittsteine, auf denen, einem Glockengel\u00e4ut gehorchend, ein Butler mit einem Tablett Drinks herannahte. Dabei machte es den Eindruck, als liefe der Mann auf der Wasseroberfl\u00e4che. Der spektakul\u00e4rste Bestandteil des Friar Park-Gartens ist jedoch eine Nachbildung des Schweizer Matterhorns. Fast 10 Meter hoch, umgeben von 40.000 Pflanzen, errichtet aus 7.000 Tonnen Yorkshire-Gestein und gekr\u00f6nt von einem Felsst\u00fcck vom Gipfel des echten Matterhorns. Das Haus selbst, eine Mischung aus franz\u00f6sischer Renaissance und Sp\u00e4tgotik, hat etliche T\u00fcrgriffe und Lichtschalter in Form von M\u00f6nchsk\u00f6pfen aus Messing, welche m\u00f6glicherweise auf den Ursprung von Friar Park Bezug nehmen. Au\u00dfen am Geb\u00e4ude ist eine Statue platziert, die einen M\u00f6nch darstellt, der eine v\u00f6llig durchl\u00f6cherte Bratpfanne in der Hand h\u00e4lt (abgebildet im Innencover des 1976er Soloalbums &#8222;Thirty Three And A Third&#8220;). George Harrison gefiel Crisps Sinn f\u00fcr Humor und Schrulligkeit und er erwies sich auch als w\u00fcrdiger moderner Nachfolger. So lie\u00df er beispielsweise Formel 1-Reifen als T\u00fcrstopper einbauen. Dem Henley-Besucher bleibt all dies verborgen. Vom Ortskern ist Harrisons Toreinfahrt vielleicht nur 400 oder 500 Meter entfernt, dennoch ist das gro\u00dfe Portal von Friar Park nicht ganz so leicht zu finden. Steht man dann doch davor, so f\u00e4llt der Blick auf ein vorgelagertes, direkt links hinter der Toreinfahrt befindliches kleinerer Geb\u00e4ude, welches erahnen l\u00e4sst, welche Pracht sich irgendwo dahinter befindet. Es w\u00e4re zu begr\u00fc\u00dfen, wenn dieses Anwesen, zumindest die Au\u00dfenanlagen, irgendwann der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Phil Spector war von &#8222;Ballad Of Sir Frankie Crisp (Let It Roll)&#8220; sehr angetan und erw\u00e4hnte gegen\u00fcber Harrison, dass er eine Menge Coverversionen erwarten k\u00f6nne, sollte er den Text \u00e4ndern. George Harrison lie\u00df sich nicht \u00fcberreden und vielleicht ist es auch gerade dieser Beharrlichkeit zu verdanken, dass der Song zu den Glanzlichtern des Albums z\u00e4hlt, wenn auch bei diesem Titel der Einsatz der Pedal Steel Guitar f\u00fcr Rock-Puristen leicht gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig sein mag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Phil Spectors Bombast-Sound ist beim n\u00e4chsten Song &#8222;Awaiting On You All&#8220; einmal mehr auff\u00e4llig. Nach Harrisons eigenen Worten geht es in diesem durchaus singletauglichen und flotten Titel um Kraft und Freude des Chantens, die Japa Yoga Meditation. Dies ist die rosenkranz\u00e4hnliche Wiederholung von Mantras. Das auf unterschiedliche Weise \u00fcbersetzbare Wort Mantra steht f\u00fcr einen Gedanken, welcher von einem Wort umschlossen wird und von tiefer spiritueller Bedeutung ist. Gerade der Klang des Worts spielt in der Gedankenwelt der Hindus eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund ist die Wortbedeutung sekund\u00e4r, wichtig ist der Klang. Am bekanntesten ist das Grundmantra &#8222;Om&#8220; [m\u00e4chtigstes Mantra der Buddhisten ist \u00fcbrigens &#8222;Om Mani Padme Hum&#8220; (Om! Du Juwel in der Lotusbl\u00fcte)]. Nach deren Auffassung wurde durch die Schwingung dieses Klangs das All erschaffen &#8211; &#8222;Om&#8220; ist die Keimsilbe des Universums. Gl\u00e4ubige, die dieses Mantra rezitieren, haben Teil an der Macht der Sch\u00f6pfung. In &#8222;Awaiting On You All&#8220; appelliert Harrison, dass es keine Kirche und keinen Tempel braucht um zu erwachen und sich von allem Materiellen zu befreien. Typisch f\u00fcr Harrisons Glaubensauffassung ist die Betonung auf innere Einkehr und die Gleichwertigkeit der Religionen bzw. ihrer Erl\u00f6ser:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eYou don\u2019t need no passport<br \/>\nYou don\u2019t need no visas<br \/>\nYou don\u2019t need to designate or to emigrate<br \/>\nBefore you can see Jesus.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(&#8230;)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>By chanting the names of the Lord<br \/>\nAnd you\u2019ll be free<br \/>\nThe Lord is awaiting on you all to awaken and see.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Du brauchst keinen Ausweis \/ Du brauchst kein Visa \/ Du brauchst keinen Titel und auch nicht emigrieren \/ Bevor du Jesus sehen kannst (\u2026) Indem du die Namen des Herrn chantest \/ Wirst du frei sein \/ Der Herr erwartet euch alle um zu erwachen und zu erkennen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter Umst\u00e4nden war der Text zu belehrend und zu missionarisch, um als Single ausgekoppelt zu werden. Musikalisch h\u00e4tte er sicherlich das Potenzial gehabt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;All Things Must Pass&#8220;, das Titelst\u00fcck des Albums, nahm w\u00e4hrend der unerfreulichen &#8222;Get Back&#8220;-Sessions der Beatles Formen an. Eine recht manierliche Version ist auf der Beatles \u201eAnthology 3\u201c zu h\u00f6ren. George Harrison nahm aber schon im Februar 1969, genauer an seinem 26. Geburtstag, eine Solo-Demoversion auf. Die von Harrison selbst ver\u00f6ffentlichte Aufnahme dieser hochklassigen Komposition kann als definitive Fassung des Songs betrachtet werden. Phil Spector trug bei der Abmischung nicht zu dick auf und \u00fcber allem schwebt, insbesondere nach dem schwungvollen &#8222;Awaiting On You All&#8220;, eine ruhige, beinahe vers\u00f6hnliche Grundstimmung. Pete Drakes Steel Guitar klingt weniger nach Country wie z.B. in &#8222;Ballad Of Sir Frankie Crisp (Let It Roll)&#8220;, hinterl\u00e4sst jedoch einen \u00fcberaus pr\u00e4gnanten Eindruck. Die Qualit\u00e4t des Songs erkannte auch Paul McCartney, der, f\u00fcr ihn un\u00fcblich, den Titel z.B. 2003 bei seinem Konzert im Colosseum von Rom spielte &#8211; als Tribut an den verstorbenen Freund. Zwar schreibt George Harrison in &#8222;I Me Mine&#8220;, dass sein Antrieb war, einen Song in der Art des The Band-Gitarristen Robbie Robertson zu schreiben. M\u00f6glich ist aber auch, dass der Text die Harrisons Psyche belastende Beatles-Sp\u00e4tphase reflektiert und ein hoffnungsvoller Neuanfang eingel\u00e4utet wird:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eNow the darkness only stays at night time<br \/>\nIn the morning it will fade away<br \/>\nDaylight is good at arriving at the right time<br \/>\nIt&#8217;s not always going to be this grey<br \/>\nAll things must pass, all things must pass away.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Nun bleibt die Finsternis nur w\u00e4hrend der Nacht \/ Am Morgen wird sie verschwinden \/ Das Tageslicht hat \u00dcbung darin zur rechten Zeit zu kommen \/ Es wird nicht immer so tr\u00fcbe bleiben \/ Alle Dinge m\u00fcssen vergehen, alle Dinge m\u00fcssen einmal zu Ende sein).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein lockeres, Bluesrock-orientiertes St\u00fcck schlie\u00dft sich mit &#8222;I Dig Love&#8220; an. Der Text geht diesmal nicht in die Tiefe, sondern besteht im Wesentlichen nur aus der Wiederholung der Titelzeile.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitaus nachdenklicher ging Harrison bei &#8222;Art Of Dying&#8220; zu Werke. Der leicht \u00fcberproduziert wirkende Song steht f\u00fcr Harrisons lebenslange Suche nach dem Sinn des Lebens hinter seiner Beatle-Existenz. Ein fr\u00fcher Textentwurf enth\u00e4lt sogar eine Referenz an Beatles-Manager Brian Epstein &#8222;Then nothing Mr. Epstein can do \/ to keep me here with you&#8220; (Dann schafft es auch Mr. Epstein nicht \/ Dass ich bei euch bleibe). Eine trotzige, deutliche Absage an die Gruppe Beatles, wohl aber auch gef\u00e4rbt durch die unsch\u00f6nen Erlebnisse der letzten Beatles-Tournee 1966 z.B. auf den Philippinen. Der Name Epsteins wurde f\u00fcr &#8222;All Things Must Pass&#8220; hingegen durch das unverf\u00e4ngliche &#8222;Sister Mary&#8220; und ein allgemeines &#8222;You&#8220; ersetzt.\u00a0 In seiner Autobiographie spricht George Harrison davon, dass wohl jeder \u00fcber das Sterben in Sorge ist. Die Kunst des Sterbens best\u00fcnde jedoch darin \u2013 und Harrison hat dieses bei seinem eigenen Tod unter Beweis gestellt \u2013 bewusst seine irdische H\u00fclle zu verlassen und bereit zu sein f\u00fcr die Reinkarnation. Dies setzt voraus, dass sich das eigene Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung, im Reinen befindet. George Harrison benutzt einen bildhaften Vergleich: &#8222;Wenn du geboren wirst, ist dein Leben (vergangenes Karma) wie eine Schnur voller Knoten und bevor du stirbst, musst du versuchen all diese Knoten zu l\u00f6sen. W\u00e4hrend du aber dabei bist, einen zu l\u00f6sen, schn\u00fcrst du zwanzig weitere.&#8220; Dieses Problem k\u00f6nne nur dann umgangen werden, wenn ein fortgeschrittenes spirituelles Level erreicht wird. Es n\u00fctzt nichts, im Moment des Todes diesem oder jenem (materiellen) Vers\u00e4umnis nachzutrauern. Auf diese Weise bekommt die &#8222;Lebensschnur&#8220; nur weitere Knoten, die gel\u00f6st werden m\u00fcssen. Im letzten Vers des Songs wird schlie\u00dflich die Wiedergeburt angesprochen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eThere&#8217;ll come a time<br \/>\nWhen most of us return here<br \/>\nBrought back by our desire to be<br \/>\nA perfect entity<br \/>\nLiving through a million years of crying<br \/>\nUntil you&#8217;ve realized the art of dying.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Es wird eine Zeit kommen \/ Wenn die meisten von uns doch zur\u00fcckkehren \/ Geleitet von unserem Wunsch \/ Ein perfektes Dasein zu f\u00fchren \/ Millionen Jahre des Schmerzes durchleben \/ Bis du endlich die Kunst des Sterbens erkennen wirst).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zweite auf \u201eAll Things Must Pass\u201c enthaltene Version von &#8222;Isn\u2019t It A Pity&#8220; ist textlich mit der ersten identisch. Das Arrangement ist jedoch deutlich sparsamer und zur\u00fcckhaltender. Schon in der Vorproduktionsphase des Albums nahm George Harrison, sich selbst an der elektrischen Gitarre begleitend, einer reizvolle Demofassung von &#8222;Hear Me Lord&#8220; auf. Harrisons in &#8222;My Sweet Lord&#8220; euphorisch ge\u00e4u\u00dferter Wunsch, Gott endlich zu sehen findet seine Entsprechung in &#8222;Hear Me Lord&#8220;. In direkter Anrede des Herrn bittet George Harrison um Nachsicht f\u00fcr all die Jahre, in denen er Gott ignoriert hat und bezieht aber auch die Menschen ein, denen Gott wenig bedeutet. In seinen Notizen zu &#8222;Art Of Dying&#8220; merkt Harrison an, dass es schon in Ordnung sei, durch ein Leben ohne Gott zu gehen, solange man sich im Moment des Todes bewusst zu Ihm bekennt. F\u00fcr Harrison jedoch gab es im Alter von 27 Jahren kein gr\u00f6\u00dferes Verlangen, als Gott zu erfahren, von Ihm erh\u00f6rt zu werden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eAt both ends of the road<br \/>\nTo the left and the right<br \/>\nAbove and below us<br \/>\nThere\u2019s no place that you\u2019re not in<br \/>\nWon\u2019t you hear me Lord.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Am Anfang und Ende des Weges \/ Zur Linken und Rechten \/ \u00dcber und unter uns \/ Drinnen und drau\u00dfen \/ Kein Ort, der nicht von dir erf\u00fcllt ist \/ So erh\u00f6re mich bitte, Herr).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das mit \u00e4u\u00dferster Leidenschaft vorgetragene St\u00fcck bildet einen w\u00fcrdigen Abschluss der regul\u00e4ren Studiosongs von \u201eAll Things Must Pass\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte 3-LP-Box enth\u00e4lt auf der dritten LP eine mit dem sch\u00f6nen Wortspiel \u201eApple Jam\u201c betitelte Sammlung von f\u00fcnf Jam Sessions. &#8222;Out Of\u00a0 The Blue&#8220;, das erste St\u00fcck, ist mit \u00fcber elf Minuten Spielzeit die l\u00e4ngste unter diesen Improvisationen. Unter lauter instrumental gehaltenen Jams ist &#8222;It\u2019s Johnny\u2019s Birthday&#8220; die Ausnahme. Basierend auf dem von Cliff Richard 1968 bekannt gemachten Gassenhauer &#8222;Congratulations&#8220; und aufgenommen am 9. Oktober 1970 war dies Harrisons Art, seinem ehemaligen Bandkollegen John Lennon zum 30. Geburtstag Gl\u00fcck zu w\u00fcnschen. Dieses kurze, an Drehorgel- oder Rummelplatzmusik erinnernden Lied nahm George Harrison, leicht unterst\u00fctzt von Ringo, Ex-Beatles-Roadmanager Mal Evans und Toningenieur Eddie Klein, fast im Alleingang auf. Nahtlos daran anschlie\u00dfend folgt &#8222;Plug Me In&#8220;, das nach viel versprechendem furiosen Anfang doch etwas z\u00e4h wirkt. Das wei\u00dfe Rauschen, welches &#8222;I Remember Jeep&#8220; einleitet, erinnert stark an die Moog Synthesizer-Experimente von &#8222;Electronic Sound&#8220; aus dem Vorjahr. Das Eric Claptons Hund Jeep gewidmete St\u00fcck wartet mit einer kleinen Cream-Reunion auf: Neben Eric Clapton, dessen Gitarrenspiel sich hier hervorragend mit dem George Harrisons erg\u00e4nzt, ist Ginger Baker am Schlagzeug vertreten. Mit einer Chuck Berry-Anleihe beginnt &#8222;Thanks For The Pepperoni&#8220;, sicherlich einer der ungew\u00f6hnlichsten Songtitel eines Ex-Beatles. Die Begleitband dieser Session bestand aus der bereits bekannten Derek &amp; The Dominos-Besetzung. \u00c4hnlich wie &#8222;Plug Me In&#8220; bietet &#8222;Thanks For The Pepperoni&#8220; eher wenig Aufregendes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige weitere Songs wurden im Rahmen der \u201eAll Things Must Pass\u201c-Sessions aufgenommen, fanden ihren Weg jedoch nicht auf das Album. Entweder befanden sich diese so genannten Outtakes im unfertigen Zustand oder sie waren f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung nicht stark genug. Darunter befand sich allerdings mit &#8222;I Live For You&#8220; doch ein kleines Juwel. Wieder einmal pr\u00e4gt Pete Drakes Steel Guitar eine in der Tradition von &#8222;Behind That Locked Door&#8220; stehende Harrison-Ballade, die dennoch ansatzweise den Eindruck erweckt, als w\u00e4re sie nicht ganz ausgearbeitet. Ungeachtet dessen harmoniert &#8222;I Live For You&#8220; mit den \u00fcbrigen Songs. Harrison selbst mag das erkannt haben, als er sich drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter entschied, den sch\u00f6nen Titel in die CD-Wiederver\u00f6ffentlichung des Albums aufzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erw\u00e4hnenswert ist &#8222;Down To The River&#8220;, dessen Grundmelodie George Harrison f\u00fcr sein letztes, posthum erschienenes Album \u201eBrainwashed\u201c wieder aufgriff. Obwohl von &#8222;Whenever&#8220;\u00a0 (auch bekannt als &#8222;When Every Song Is Sung&#8220;) 1970 \u00fcber 40 Takes aufgenommen wurden, blieb auch dieser Song unvollendet und wanderte in die Schublade, bevor er als &#8222;I\u2019ll Still Love You&#8220; Harrisons Beitrag zu Ringo Starrs 1976er LP \u201eRingo\u2019s Rotogravure\u201c wurde. Ein \u00dcberbleibsel der Indien-Reise von 1968 war &#8222;Dehra Dhun&#8220;. Dieser einfache Song bezieht sich auf eine Ortschaft in der N\u00e4he von Rishikesh. Die Beatles unternahmen keinen Versuch, das St\u00fcck aufzunehmen. Die \u00d6ffentlichkeit nahm in einer Filmszene der Beatles-&#8222;Anthology&#8220; erstmals Notiz von &#8222;Dehra Dhun&#8220;, als George Harrison 1994 in seinem Garten den Song auf der Ukulele anstimmt. Paul McCartneys spontane Liedbegleitung legt jedoch nahe, dass ihm der Titel nicht ganz unbekannt war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war nicht ganz falsch, &#8222;Om Hare Om (Gopala Krishna)&#8220; uver\u00f6ffentlicht zu lassen. Basierend auf dem Sanskrit &#8222;Gopala Krishna&#8220; (\u00fcbersetzbar als &#8222;Der den Sinnen Freude schenkender Oberste Herr&#8220;) wirkt der Song aufgrund seiner chant\u00e4hnlichen Wiederholungen bei mehrmaligem H\u00f6ren leicht erm\u00fcdend. Bemerkenswert ist schlie\u00dflich &#8222;Going Down To Golders Green&#8220;. Dieser Song zeigt \u00e4hnlich wie in &#8222;Down To The River&#8220; einen locker aufgelegten George Harrison. Melodie und Arrangement haben starke \u00c4hnlichkeit mit Elvis Presleys &#8222;Baby Let&#8217;s Play House&#8220;. Einer der ganz wenigen Momente in Harrisons Solokarriere, in denen er traditionell klingenden Rock&#8217;n&#8217;Roll spielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit &#8222;All Things Must Pass&#8220; erreichte George Harrison einen einzigartigen k\u00fcnstlerischen H\u00f6hepunkt. Auch sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte Harrison gute und auch sehr gute Alben, doch zu keinem sp\u00e4teren Zeitpunkt erreichte der die meisterliche Klasse und atmosph\u00e4rische Dichte seines ersten regul\u00e4ren Soloalbums. Auch kommerziell gesehen war das Album eine Ausnahmeerscheinung. Es war Anfang der 70er Jahre keineswegs \u00fcblich, derart \u00fcppig ausgestattete Alben herauszubringen. Die mit drei LPs und einem gro\u00dfen Poster versehene Hartbox hatte ihren stolzen Preis und trotzdem wurde sie zu einem Verkaufsrenner. In Deutschland reichte es nur zu einem zehnten Platz, doch in den USA, in England, Australien, Kanada, Italien und Norwegen f\u00fchrte &#8222;All Things Must Pass&#8220; die Album-Charts an. Erfolreichste Single wurde &#8222;My Sweet Lord&#8220;: Platz 1 in Deutschland, USA, England, Norwegen, Schweiz, Irland und Australien. Das beste Ergebnis der Single &#8222;What Is Life&#8220; war ein erster Platz in der Schweiz (in Deutschland Platz 3) und eine &#8222;halbe&#8220; Nummer 1 in England, da der Song dort als B-Seite von &#8222;My Sweet Lord&#8220; ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anspieltipps:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">My Sweet Lord \/ What Is Life \/ Isn&#8217;t It A Pity \/ Beware Of Darkness \/ All Things Must Pass \/ Apple Scruffs \/ Ballad Of Sir Frankie Crisp (Let It Roll)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bewertung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><small><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" alt=\"\" \/><\/small><small><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" alt=\"\" \/><\/small><small><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" alt=\"\" \/><\/small><small><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" alt=\"\" \/><\/small><small><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" alt=\"\" \/><\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pressestimmen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Fueled perhaps by songwriting ambition pent up during his long time as the most stellar of sidemen, this six-sided would-be epic sprawls and swoops unevenly, but its very giganticism now seems thrilling.&#8220;\u00a0 &#8211; Rolling Stone Album Guide (****)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;It&#8217;s a beautifully musically-dressed album.&#8220;\u00a0 &#8211; New Musical Express, 5. Dezember 1970<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>All Things Must Pass Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 27. November 1970 LP: 1C 192 &#8211; 04707\/8\/9 (Deutschland) CD: EMI CDS 7 46688 8 Titel: CD 1: I&#8217;d Have You Anytime \/ My Sweet Lord \/ Wah-Wah \/ Isn&#8217;t It A Pity (Version One) &hellip; <a href=\"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=495\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-495","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/495","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=495"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/495\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3416,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/495\/revisions\/3416"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=495"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}