{"id":492,"date":"2014-01-30T21:32:10","date_gmt":"2014-01-30T21:32:10","guid":{"rendered":"http:\/\/lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=492"},"modified":"2014-03-03T06:53:22","modified_gmt":"2014-03-03T06:53:22","slug":"1972-the-concert-for-bangla-desh","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=492","title":{"rendered":"1972 &#8211; &#8222;The Concert For Bangla Desh&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" style=\"width: 302px; height: 302px;\" alt=\"Bangla Desh - Original\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/bangladesh.jpg\" \/>LP-Original 1971<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" style=\"width: 307px; height: 302px;\" alt=\"Bangla Desh - 1991 Reissue\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/bangla_1991.jpg\" \/>CD-Erstausgabe 1991<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>The Concert For Bangla Desh<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ver\u00f6ffentlicht: 10. Januar 1972<br \/>\nLP: Apple STCX 3385 (England)<br \/>\nCD: Capitol CDP 7 93265 2<br \/>\nLP (Reissue): Sony\/Epic EPC 468835 1<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Titel:<br \/>\n<\/strong><\/em><strong>CD 1:<br \/>\n<\/strong><em><strong>George Harrison &#8211; Ravi Shankar Introduction \/ Bangla Dhun (Ravi Shankar) \/ Wah-Wah \/ My Sweet Lord \/ Awaiting On You All \/ That&#8217;s The Way God Planned It (Billy Preston) \/ It Don&#8217;t Come Easy (Ringo Starr) \/ Beware Of Darkness &#8211; Introduction Of The Band \/ While My Guitar Gently Weeps<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>CD 2:<br \/>\n<\/strong><em><strong>Medley: Jumpin&#8216; Jack Flash &#8211; Youngblood (Leon Russell) \/ Here Comes The Sun \/ A Hard Rain&#8217;s Gonna Fall (Bob Dylan) \/ It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry (Bob Dylan) \/ Blowin&#8216; In The Wind (Bob Dylan) \/ Mr. Tambourine Man (Bob Dylan) \/ Just Like A Woman (Bob Dylan) \/ Something \/ Bangla Desh<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Tod seiner Mutter traf George Harrison im Sommer 1970 schwer &#8211; er verarbeitete diese Erfahrung sofort im Song &#8222;Deep Blue&#8220; (siehe Rezension &#8222;Living In The Material Word &#8211; Remastered&#8220;). In diese Tage fiel aber auch eine erfreuliche Nachricht. Mit Genugtuung konnte George zur Kenntnis nehmen, dass sein Song &#8222;Something&#8220; den Ivor Award f\u00fcr den \u201eBesten Song des Jahres\u201c gewann. Dies war nur ein kleiner Vorgeschmack f\u00fcr den Ruhm, den &#8222;All Things Must Pass&#8220; nach seiner Ver\u00f6ffentlichung Ende November 1970 einbringen sollte. Wenige Tage sp\u00e4ter war das Album das zentrale Thema in der Fernsehsendung der BBC &#8222;Top Of The Pops&#8220;. Im Amerika wurde die Single &#8222;My Sweet Lord&#8220; \/ &#8222;Isn\u2019t It A Pity&#8220; schon eine knappe Woche vorher als Appetizer f\u00fcr das kommende Album ver\u00f6ffentlicht. Weihnachten erreichte die Single schlie\u00dflich Platz 1. Am 2. Januar 1971 gelang es auch dem Album, die Spitzenposition der US-Charts zu erklimmen. George Harrison war in aller Munde, doch auch das Thema Beatles war f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit keineswegs abgehakt. Die Differenzen mit Paul McCartney und dessen gesch\u00e4ftlichen Vertretern waren bekannt, so dass sogar der renommierte &#8222;Melody Maker&#8220; meldete, die Beatles seien auf der Suche nach einem Ersatz-Bassisten f\u00fcr Paul und Klaus Voormann w\u00fcrde die Liste der potenziellen Kandidaten anf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In England h\u00f6rten die Radiostationen nicht auf &#8222;My Sweet Lord&#8220; zu spielen. Die ungeheure Nachfrage f\u00fchrte letztlich auch dazu, dass der Song auch in England ausgekoppelt wurde. &#8222;My Sweet Lord&#8220; war allgegenw\u00e4rtig und auch George Harrison selbst bezog Anfang 1971 zur Aussage des Songs Stellung: &#8222;Der einzige Sinn des Lebens besteht darin, mit sich ins Reine zu kommen. In jeder einzelne Seele ist Gott. Das Ziel ist es, das G\u00f6ttliche zu zeigen und diese Befreiung ist das, woran ich glaube. Das ist es, was ich unbedingt will: mich selbst von allem Chaos und K\u00f6rperlichkeit befreien und mir Gott bewusst sein. Das ist mein pers\u00f6nlicher Ehrgeiz und alles andere ist zweitrangig.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Welle des Erfolgs war auch in der Londoner Tageszeitung &#8222;The Times&#8220; eine Rezension von &#8222;All Things Must Pass\u201c&#8220; zu lesen. Zu dieser Zeit hatten auch George Harrisons ehemalige Bandkollegen ihre ersten Soloalben ver\u00f6ffentlicht und so kam der Autor des Artikels, Richard Williams, zu dem Schluss, dass sich &#8222;All Things Must Pass&#8220; als bestes aller bisher erschienenen Soloalben der Ex-Beatles auszeichne, da es vermutlich das Album sei, welches am ehesten in der Tradition st\u00fcnde, in die Beatles ihre Karriere starteten. Williams beendete seine Einsch\u00e4tzung mit einer These, die wohl viele schon dachten, die nun aber ganz offensichtlich war: &#8222;Harrison stand st\u00e4ndig im Schatten der Egos von McCartney und Lennon. Aber von Zeit zu Zeit gab es Hinweise auf etlichen ihren Alben, dass er mehr war, als das, was ihm zugestanden wurde.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Single und Album gelangten am 30. Januar 1971 gleichzeitig auf den ersten Platz der britischen Hitlisten. Auch in Deutschland erreichte &#8222;My Sweet Lord&#8220; im gleichen Monat Platz 1. In England sickerten Zahlen durch, dass die Single die Marke von 200.000 hinter sich gelassen hatte und t\u00e4glich um die 30.000 St\u00fcck absetzte. In den USA wurden bis dahin satte zwei Millionen Exemplare verkauft. Das 3-fach-Album stand diesem Erfolg in nichts nach. Es belegte sieben Wochen hintereinander die Spitzenposition.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beinahe im Handumdrehen war George Harrison nun als Musiker, Komponist, Texter und Produzent anerkannt. Er hatte mit &#8222;All Things Must Pass&#8220; eine Fusion von kompositorischer Meisterschaft, instrumentaler Eleganz, Atmosph\u00e4re und thematischer Geschlossenheit erreicht, die im Bereich der Rockmusik bis heute nur ganz selten \u00fcbertroffen wurde. Dabei war der Sch\u00f6pfer dieses Epos im Vorfeld in h\u00f6chstem Ma\u00dfe unsicher, wie das Album von der breiten Masse aufgenommen werden w\u00fcrde. Gleichsam war er \u00fcberzeugt eine gute Platte gemacht zu haben, da ihm vergleichsweise Unmengen an Liedern zur Verf\u00fcgung standen und dazu \u00fcbersch\u00e4umende Energie um die schlummernden Songjuwelen umzusetzen. Endlich alleinverantwortlich die eigene Musik aufzunehmen \u2013 das war f\u00fcr ihn die befreiende Erf\u00fcllung eines Traums.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ende Februar war &#8222;My Sweet Lord&#8220; auch in England die Nummer Eins. Harrisons Management und die Medienlandschaft wurden derart vom Erfolg des Song \u00fcberrollt, dass gar kein unterst\u00fctzender Promotion-Film gedreht wurde. Als &#8222;Top Of The Pops&#8220; den Spitzenreiter der Charts in ihrer Sendung pr\u00e4sentierte, lie\u00df man schlichtweg das Studiopublikum zum Playback des Songs tanzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gerichtsprozess, den die Ex-Beatles gegeneinander f\u00fchrten, hatte nun schon zehn Verhandlungstage hinter sich. Im M\u00e4rz verk\u00fcndete das Gericht, dass der Business Manager der Beatles, Allen Klein, mit sofortiger Wirkung nicht mehr im Namen der Beatles handeln d\u00fcrfe, sondern lediglich stellvertretend f\u00fcr John Lennon, Ringo Starr und George Harrison. Paul McCartney hatte drei Monate zuvor ein Verfahren gegen Klein er\u00f6ffnet, welches Jahre sp\u00e4ter auch erfolgreich war. Nach Bekanntgabe der neuen Sachlage kam es zu unsch\u00f6nen Szenen. Wutentbrannt fuhr John mit Ringo und George zu Pauls Wohnung in der Londoner Cavendish Avenue, kletterte (m\u00f6glicherweise mithilfe der anderen Beiden) auf die umgrenzende Mauer und warf zwei Steine durch ein Fenster des Hauses.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Tage darauf kochte wieder das Ger\u00fccht, Klaus Voormann w\u00fcrde der Bassist bei den neu formierten Beatles (die aber nun &#8222;The Ladders&#8220; hei\u00dfen sollten). Der &#8222;Daily Mirror&#8220; meldete, dass es am 19. M\u00e4rz im Apple-B\u00fcro ein Gesch\u00e4ftstreffen von John, George, Ringo und Klaus gegeben habe, bei dem die gemeinsame Zukunft diskutiert worden sei. Apple Pressesprecher Les Perrin dementierte postwendend. Voormann entfloh dem medialen Zugriff und zog\u00a0 von Hampstead ins ruhige Henley an der Themse, wo er auf George Harrisons Anwesen Friar Park f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit ein neues Zuhause fand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab aber tats\u00e4chlich neue gemeinsame Aufnahmen von Lennon, Harrison und Voormann. Nach einer ungezwungenen Jam Session in New York im Juni wurde George von John eingeladen, ab der kommenden Woche an den Aufnahmen zu Lennons sp\u00e4ter &#8222;Imagine&#8220; genannten LP teilzunehmen. George sagte zu und bat seinerseits Klaus Voormann telefonisch darum, auch an dem Projekt mitzuwirken. Die Drei spielten gemeinsam den Anti-McCartney-Song &#8222;How Do You Sleep?&#8220; ein, der in seiner Ursprungsfassung mehrfach unter die G\u00fcrtellinie zielt. Auf Allen Kleins Anraten bez\u00fcglich m\u00f6glicher rechtlicher Schwierigkeiten entsch\u00e4rfte Lennon den Text. Dennoch bleibt der Text mehr als bissig: McCartney wird als Fahrstuhlmusik produzierendes Mutters\u00f6hnchen tituliert, dessen einziger Verdienst die Komposition &#8222;Yesterday&#8220; sei. Es macht den Anschein, als habe George Harrison an der Aufnahme seine stille Freude gehabt, der er steuert eines seiner gro\u00dfartigsten Slidegitarren-Soli bei. Auch beim Film &#8222;Gimme Some Truth&#8220;, der die &#8222;Imagine&#8220;-Aufnahmen dokumentiert ist dieser Eindruck nicht von der Hand zu weisen. Beim gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck machen sich Lennon und Harrison \u00fcber die (noch) relativ bescheidenen Erfolge ihres ehemaligen engen Freundes Paul McCartney lustig: Beatle Ed (Paul) w\u00fcrde sich ja ganz gut in der schwedischen Hitparade machen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im vergangenen Dreivierteljahr traf George nach l\u00e4ngerer Pause zwei Mal wieder mit seinem v\u00e4terlichen Freund und Mentor Ravi Shankar zusammen. Die Verbindung zwischen den beiden Musikern war mittlerweile sehr stark. In einem 1973 gef\u00fchrten Interview erkl\u00e4rte Shankar &#8222;F\u00fcr mich ist er wie ein Sohn, wie ein j\u00fcngerer Bruder, wie ein Sch\u00fcler \u2013 alles in einem.&#8220; Im September 1970 unterst\u00fctzte George Ravi Shankars Konzertreihe &#8222;Festival Of Arts Of India&#8220;. Beim Konzert in der Londoner Festival Hall kam es zu einem der seltenen \u00f6ffentlichen Auftritte von Ravi Shankar und George Harrison, bei dem Letzterer allerdings nicht als ausf\u00fchrender Musiker in Erscheinung trat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Juni 1971 nun besuchte George Ravi Shankar in Los Angeles, als dieser mit den Aufnahmen zu seinem neuen Album besch\u00e4ftigt war. Bedr\u00fcckende Nachrichten in Presse Fernsehen \u00fcber das Elend der Fl\u00fcchtlinge in Bangla Desh sind auch George Harrison nicht entgangen. Allerdings war es erst das pers\u00f6nliche Schicksal Ravi Shankars, der Teile seiner Familie in den Fl\u00fcchtlingswirren verlor, das ausl\u00f6sende Moment, welches George bewegte, der Bitte seines Freundes um Hilfe nachzukommen. Erst danach informierte er sich \u00fcber die Hintergr\u00fcnde: Ost-Pakistan wolle die Unabh\u00e4ngigkeit von westlichen Teil des Landes (von dem ein hohes Ma\u00df an Unterdr\u00fcckung ausging) und sich k\u00fcnftig Bangladesch nennen. Letzter Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Unruhen war ein Sprachproblem. Bengali ist seit jeher die Muttersprache des heutigen Bangladesch. 1971 beschloss nun die Regierung in Islamabad Urdu als Landessprache f\u00fcr beide Teile Pakistans festzulegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ravi Shankar, selbst Bengali, bat um Rat, wie man den Blick der \u00d6ffentlichkeit auf den dort w\u00fctenden B\u00fcrgerkrieg und gleichzeitig Geldmittel sammeln k\u00f6nnte um wenigstens zu einem Teil die Not zu lindern. Tausende von Fl\u00fcchtlingen fielen t\u00e4glich den Unruhen zum Opfer. George Harrison kam gemeinsam mit Ravi Shankar auf den Gedanken, ein Wohlt\u00e4tigkeitskonzert f\u00fcr Bangladesch zu organisieren. Flankierend zum Konzert nahm George in den ersten Julitagen die Single &#8222;Bangla Desh&#8220; auf, die eindringlich um Hilfe f\u00fcr das leidende Volk von Bangladesch bittet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eMy friend came to me<br \/>\nWith sadness in his eyes<br \/>\nTold me that he wanted help<br \/>\nBefore his country dies [&#8230;]\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Mein Freund kam zu mir \/ Traurigkeit in seinen Augen \/ Bat mich um Hilfe \/ Bevor sein Land stirbt)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und im sp\u00e4teren Verlauf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eBangla Desh, Bangla Desh<br \/>\nSuch a great disaster<br \/>\nI don&#8217;t understand<br \/>\nBut it sure looks like a mess<br \/>\nI never known such distress<br \/>\nPlease don&#8217;t turn away<br \/>\nI wanna hear you say<br \/>\nRelieve the people of Bangla Desh (\u2026)\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Bangladesch, Bangladesch \/ Was f\u00fcr ein gewaltige Katastrophe \/ Die ich kaum fassen kann \/ Aber dort sieht\u2019s furchtbar aus \/ Solch ein Elend habe ich noch nie gesehen \/ Bitte wendet euch nicht ab \/ Ich m\u00f6chte euch rufen h\u00f6ren \/ Unterst\u00fctzt das Volk von Bangladesch.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eile war geboten, nachdem Harrison erfuhr, dass die Amerikaner Waffen an die Pakistanis schickten, die letztlich nur daran interessiert waren, die verhassten Bengalis abzuschlachten. Mittlerweile hatte sich George mit Patti f\u00fcr mehrere Monate in Los Angeles eingemietet. Die meiste Zeit hielt sich George jedoch in New York auf, denn nun brachen arbeitsreiche Wochen an. Nachdem George Harrison letzte Hand an die &#8222;Bangla Desh&#8220;-Single und den Soundtrack des Apple-Films &#8222;Raga&#8220; gelegt hatte, ging es nun um die Organisation des Konzerts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Harrison legte als Veranstaltungsort relativ schnell den New Yorker Madison Square Garden fest. In seinen Erinnerungen schw\u00e4rmt Ravi Shankar von Georges spontanen und uneigenn\u00fctzigen Einsatzwillen und der Leichtigkeit, wie dieser seine musikalischen Mitstreiter zusammenbrachte: &#8222;Er sagte: Kein Problem. Wir machen etwas ganz Gro\u00dfes daraus (&#8230;) Umgehend \u2013 wie Zauberei \u2013 h\u00e4ngte er sich ans Telefon, buchte den Madison Square Garden, telefonierte mit seinen Freunden, Eric Clapton, Bob Dylan &#8230; es war wirklich wie Zauberei. George rief Ringo in Spanien an, der dort gerade den Film &#8222;Blindman&#8220; drehte, sprach mit Leon Russell und nahm mit Allen Klein Kontakt auf, der sich um die gesch\u00e4ftliche Seite k\u00fcmmern sollte.&#8220; Ganz so einfach schien es aber nicht zu sein, zieht man \u00c4u\u00dferungen George Harrisons von 1987 heran, als er sagte, dass er w\u00e4hrend der zweimonatigen Vorbereitungsphase Tag und Nacht am Telefon hing um f\u00fcr dieses Ereignis Musiker zu verpflichten. Aber Harrison schaffte es in rekordverd\u00e4chtiger Zeit. War es Anfangs noch schwierig Musiker zu rekrutieren, so hatte George, je n\u00e4her der Tag des Konzerts r\u00fcckte, sp\u00e4ter die Bereitschaft so Vieler, dass sogar Absagen erteilt werden mussten. Etliche Musiker flogen Tausende von Kilometern und sahen keinen einzigen Cent daf\u00fcr. Mitunter sagten Einige sogar andere Auftritte ab, nur um beim Konzert f\u00fcr Bangladesch dabei sein zu k\u00f6nnen. Jeder Teilnehmer waren mit ganzem Herzen bei der Sache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die schnell auf den Markt gebrachte Single &#8222;Bangla Desh&#8220; erreichte im September Platz 10 in England. Die B-Seite enthielt im Andenken an Georges Mutter den Song &#8222;Deep Blue&#8220;. Wichtiger war jedoch, die Aufmerksamkeit auf Bangladesch zu lenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 12. Juli 1971 traf sich Harrison im Londoner Savile Row mit Mitgliedern der Apple-Band Badfinger und informierte sie \u00fcber Einzelheiten des Konzerts, bei dem sie George und \u00fcbrigen Musiker begleiten sollten. Wieder in New York angekommen, verabredet sich George mit John Lennon. Als Gegenangebot f\u00fcr seine Mitwirkung am &#8222;Imagine&#8220;-Album lud George John ein, beim Konzert teilzunehmen. John bat sich Zeit zum \u00dcberlegen aus, nahm aber schlie\u00dflich nicht am Konzert teil. Darauf angesprochen, kommentierte er sp\u00e4ter lakonisch: &#8222;Bangladesch war Kacke.&#8220; Viel ist \u00fcber Lennons Absage spekuliert worden. Der gemeinsame Nenner, die gr\u00f6\u00dfte Wahrscheinlichkeit scheint zu sein, dass George irgendwann unmissverst\u00e4ndlich klar machte, dass er Yoko nicht dabei haben m\u00f6chte. Er war der Ansicht, Yoko passe nicht zum restlichen Aufgebot und h\u00e4tte eine Zugkraft gleich Null. John trotzte und erkl\u00e4rte, dass er auch nicht k\u00e4me, wenn Yoko nicht auftreten d\u00fcrfe. Auch zwischen dem als unzertrennlich geltenden Paar soll es im Zuge dieser Entscheidung zum Streit gekommen sein: Yoko reiste zur\u00fcck nach England, w\u00e4hrend John nach Paris flog.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Georges Hingabe zur Sache ging soweit, dass er, alle Animosit\u00e4ten vergessend, sogar Paul McCartney bat, das Konzert zu verst\u00e4rken. McCartney, 1971 noch tief getroffen vom Beatles-Bruch und allem damit verbundenen \u00c4rger, erinnerte sich drei Jahre sp\u00e4ter mit diesen Worten: &#8222;George kam auf mich zu und fragte, ob ich beim Konzert spielen wolle. Ich dachte nur: Verflucht, was soll das? Wir haben uns gerade getrennt und nun vertragen wir uns wieder? Das war alles ein bisschen verr\u00fcckt.&#8220; McCartneys Absage erscheint heute halbwegs plausibel und nachvollziehbar. Schlie\u00dflich verb\u00fcndeten sich die anderen drei Beatles vor allem juristisch gegen ihn\u00a0 &#8211; und nun war er pl\u00f6tzlich erw\u00fcnscht. Im Gegensatz dazu war Lennons Verhalten kindisch. Gerade er, der politisch aktive Beatle, war zu stolz um dem Not leidenden Volk von Bangladesch zu helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungeachtet dieser zwei kapitalen Absagen blieb die Besetzung hochkar\u00e4tig genug: Ravi Shankar, Ringo Starr, Eric Clapton, Bob Dylan (dessen Auftritt vor lauter Nervosit\u00e4t bis zuletzt auf der Kippe stand), Billy Preston, Leon Russell (bekannt durch Joe Cockers &#8222;Mad Dogs And Englishmen&#8220;-Tour), die &#8222;Apple&#8220;-Band Badfinger, Klaus Voormann und Sessionmusiker erster G\u00fcte. George Harrison beschrieb die Vorbereitungen zum Konzert als &#8222;pures Adrenalin&#8220;. Ehrgeizig, mit viel Spontaneit\u00e4t und Selbstvertrauen ging er das Projekt an. Eine Sache, die er von John Lennon gelernt hatte: &#8220; [&#8230;] wenn er hinter einer Sache stand, dann machte er es einfach. Und als ein Freund von John habe ich selbst viel von dieser Eigenschaft mitbekommen. Gem\u00e4\u00df der Einstellung &#8218;Wir probieren es einfach \u2013 wir packen\u2019s an!&#8216; &#8222;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Innerhalb von sechs Stunden waren die 40.000 Karten f\u00fcr die Nachmittags- und Abendvorstellung am 1. August 1971 ausverkauft. Auf dem Schwarzmarkt wurden f\u00fcr die 7.50 $-Tickets bis zu 600 $ geboten. George nutzte s\u00e4mtliche mediale M\u00f6glichkeiten um den Erl\u00f6s zu erh\u00f6hen. So verpflichtete er Phil Spector, das Konzert f\u00fcr eine sp\u00e4tere Ver\u00f6ffentlichung aufzuzeichnen und auch ein Kamerateam wurde angeheuert um diese denkw\u00fcrdige Veranstaltung zu konservieren. In seiner einleitenden Ansprache fand George die richtigen Worte um den ernsten Anlass des Konzerts zu unterstreichen. Ummittelbar darauf er\u00f6ffnete Ravi Shankar das Konzert mit einem &#8222;Bangla Dhun&#8220; betitelten St\u00fcck. Shankar war sich bewusst, dass nicht er die Massen anzog, sondern die gro\u00dfen Namen der Rockmusik. Doch das Publikum blieb h\u00f6flich und spendete (aus Unwissenheit) bereits nach dem Stimmen der Instrumente Applaus. Ravi Shankar nahm dies gelassen: &#8222;Wenn euch das Stimmen schon so gef\u00e4llt, werdet ihr von der Performance begeistert sein.&#8220; Heute allerdings wird der durchschnittliche Musik-Konsument wahrscheinlich die Skip-Funktion des CD-Players nutzen und den indischen Teil des Konzerts \u00fcberspringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch 1971 war der Jubel um ein Vielfaches gr\u00f6\u00dfer, als die westlichen Musiker die B\u00fchne betraten und das Set mit einer packenden Version von Harrisons &#8222;Wah Wah&#8220; er\u00f6ffneten. Die Zeit f\u00fcr Proben war im Vorfeld der beiden Konzerte \u00e4u\u00dferst begrenzt. Dennoch waren die Livefassungen der bekannten Songs bemerkenswert authentisch und energiegeladen. Zwei Schlagzeuger, zwei Keyboarder und eine wahre Armada von Gitarristen waren ganz nach dem Geschmack von Phil Spector, der Mann, der den Begriff &#8222;Wall Of Sound&#8220; pr\u00e4gte. Es gab im Konzert jedoch auch kontemplative Momente, so z.B. bei &#8222;My Sweet Lord&#8220;, das lediglich von George Harrisons akustischer Gitarre, Eric Claptons Solo und den Stimmen der vielen Backgrounds\u00e4nger getragen wird. Man braucht kein Harrison-Experte zu sein um entweder beim H\u00f6ren der Aufnahmen oder Betrachten des Konzertfilms zu erkennen, wie ernst er die Zeilen meint, die er in &#8222;My Sweet Lord&#8220; sang. Zwischendurch standen zwei Musiker im Rampenlicht, deren Instrumente \u00fcblicherweise nur in zweiter Reihe standen: der Organist Billy Preston, der mit einer mitrei\u00dfenden Version seines Songs &#8222;That\u2019s The Way God Planned It&#8220; inklusive spontaner Tanzeinlage \u00fcberzeugen konnte, bevor dann unter ohrenbet\u00e4ubenden Ovationen Ringo Starr f\u00fcr seinen aktuellen Hit &#8222;It Don\u2019t Come Easy&#8220; (Nr. 1 in den USA und in Deutschland immerhin Platz 5) das Mikrofon \u00fcbernahm. Allein zwei Beatles gemeinsam auf der B\u00fchne zu sehen, setzte schon ein Jahr nach der Trennung der Gruppe ungeheure Emotionen frei \u2013 auch wenn Ringo Starrs Intonationssicherheit deutliche Schw\u00e4chen zeigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leon Russell sang eine starke Version des Stones-Klassikers &#8222;Jumping Jack Flash&#8220;, der im Medley mit &#8222;Youngblood&#8220; (welches \u00fcbrigens zu George Harrisons Repertoire in fr\u00fchen Beatles-Tagen z\u00e4hlte) verbunden war. Im Duett mit George Harrison bei &#8222;Beware Of Darkness&#8220; wirkte Russell mit seinem breiten amerikanischen Akzent jedoch leicht fehl am Platz. Sehr reizvoll pr\u00e4sentierte sich &#8222;Here Comes The Sun&#8220; in einer rein akustischen Fassung, bei der George vom Badfinger-Gitarristen Pete Ham begleitet wurde. W\u00e4hrenddessen leerte sich die B\u00fchne um f\u00fcr den folgenden Gast Platz zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das &#8222;Concert For Bangla Desh&#8220; bot \u00dcberraschungen in mehrfacher Hinsicht: zun\u00e4chst war dies der bereits erw\u00e4hnte gemeinsame Auftritt von George Harrison und Ringo Starr. Dar\u00fcber hinaus wurde Eric Clapton frenetisch bejubelt. Die Mehrheit wusste von dessen Heroin-Abh\u00e4ngigkeit, aber niemand wusste, ob es jemals wieder eine Gelegenheit geben w\u00fcrde, Clapton auf einer B\u00fchne sehen zu k\u00f6nnen. Bis zu den Proben war v\u00f6llig unklar, ob Clapton es schaffen w\u00fcrde. Die gr\u00f6\u00dfte Begeisterung entfachte allerdings Bob Dylan. Nach seiner Ank\u00fcndigung brauchte das Publikum Minuten, um wieder zur Ruhe zu kommen. Warum diese Hysterie? Der amerikanische &#8222;Sprecher seiner Generation&#8220; hatte es satt, als solcher bezeichnet zu werden und lebte seit Jahren zur\u00fcckgezogen vom Musikgesch\u00e4ft. Nur ein Auftritt auf der Isle Of Wight (1969) lag in dieser selbstgew\u00e4hlten Auszeit. Selbst George Harrison war bis zum Schluss unsicher, ob Dylan tats\u00e4chlich die B\u00fchne betreten w\u00fcrde: George hatte eine handschriftliche Namensliste auf seine Gitarre geklebt \u2013 hinter dem Namen &#8222;Bob&#8220; stand ein Fragezeichen. Noch am Abend vor dem Konzert reagierte Dylan beim Anblick des Medienaufmarsches beinahe hysterisch und erkl\u00e4rte, dass das nicht seine Sache sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es kam eben doch so, wie George Harrison gehofft hatte. Bob Dylan, dezent begleitet von George auf seiner cremewei\u00dfen Fender Stratocaster, Ringo am Schellenring und dem allgegenw\u00e4rtigen Leon Russell am Bass, legte einen gro\u00dfartigen Auftritt hin. Er griff dabei auf seine fr\u00fcheren Erfolge wie &#8222;Blowing In The Wind&#8220;, &#8222;Mr. Tambourine Man&#8220; oder &#8222;Just Like A Woman&#8220; zur\u00fcck. Verzichtet wurde auf &#8222;If Not For You&#8220;, das w\u00e4hrend der Proben noch gespielt wurde. Der Song h\u00e4tte beim Konzert selbst \u2013 m\u00f6glicherweise mit zwischen Harrison und Dylan aufgeteilten Strophen \u2013 \u00e4u\u00dferst interessant werden k\u00f6nnen. In der Nachmittagsvorstellung stand auch &#8222;Love Minus Zero \/ No Limit&#8220; mit auf dem Programm. Dieser Titel fand nicht den Weg auf das sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte 3-LP-Boxset. Ebenso davon betroffen war Harrisons Live-Version von &#8222;Hear Me Lord&#8220;. Dies war dann auch verst\u00e4ndlicherweise ein Kritikpunkt im Zuge des Erscheinens der LP-Box. W\u00e4hrend man auf den lang anhaltenden Begr\u00fc\u00dfungsapplaus f\u00fcr Bob Dylan scheinbar nicht verzichten konnte und auch sonst etwas geschickter h\u00e4tte editieren k\u00f6nnen, blieben die beiden o.g. Songs auf der Strecke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie auch immer: Die komplette Band kehrte f\u00fcr die letzten beiden St\u00fccke &#8222;Something&#8220; und &#8222;Bangla Desh&#8220; zur\u00fcck. M\u00f6glicherweise ist es auf Harrisons bescheidene Art zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass er die B\u00fchne verlie\u00df, bevor der letzte Takt von &#8222;Bangla Desh&#8220; erklang. Es lag ihm insbesondere bei diesem Benefizkonzert wenig daran, bejubelt zu werden und im \u00fcbertriebenen Ma\u00dfe im Mittelpunkt zu stehen. Noch sp\u00e4ter betonte George in Interviews, dass alles Ravi Shankars Idee gewesen sein und dass er das Ganze lediglich mit ein wenig Hilfe seiner Freunde organisiert habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am selben Abend fand noch ein Feier f\u00fcr alle Mitwirkenden im New Yorker Club &#8222;Ungano\u2019s&#8220; statt. Auch andere Prominente gesellten sich dazu, so auch The Who, die sich gerade f\u00fcr zwei Auftritte in der Stadt befanden. Am\u00fcsanter H\u00f6hepunkt war eine Version von &#8222;Da Do Ron Ron&#8220; \u2013 dargeboten von George Harrison und Billy Preston. Sp\u00e4ter kam Phil Spector dazu und sang eine sehr eigenwillige Interpretation des Songs. Am Schlagzeug sa\u00df Keith Moon, und nach bew\u00e4hrter Who-Manier bef\u00f6rderte er das Schlagzeug (welches der Band Badfinger geh\u00f6rte) mit Fu\u00dftritten ins Publikum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">George Harrison war voller Enthusiasmus und schrieb am Tag nach den beiden Konzerten &#8222;The Day The World Gets Round&#8220;, welches damit den Anfang der Arbeit an seinem kommenden Studioalbum &#8222;Living In The Material World&#8220; darstellte (siehe Rezension). Auch die Presse sparte nicht mit Lob. So pries beispielsweise der New Musical Express das Konzert als &#8222;das gr\u00f6\u00dfte Rockspektakel des Jahrzehnts&#8220;. Zugleich begannen George und Phil Spector mit der Produktion des Konzertmitschnitts. Die beiden waren eine Woche lang Tag und Nacht damit besch\u00e4ftigt und hatten sich \u00e4hnlich der Turbo-Produktion von Lennons &#8222;Instant Karma!&#8220; vorgestellt, das Album bereits Mitte August ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen. Doch oft kommt es anders als man denkt. Capitol Records stellten sich als Quertreiber par excellence heraus. Die Plattenfirma verlangte f\u00fcr anfallende Herstellungs- und Marketingkosten ein nicht unerhebliches Entgeld. Der ver\u00e4rgerte George argumentierte zu Recht, dass Spector das Album kostenlos abmischte, Apple das aufw\u00e4ndige Booklet zur Verf\u00fcgung stellte und dass die verschiedenen Plattengesellschaften ihren K\u00fcnstlern gestatteten, auf dem Album zu erscheinen. Harrison, vertreten von Allen Klein, sogar so weit, dass er androhte, mit dem Projekt zur Konkurrenz von CBS (heute Sony Music) zu gehen. Capitol Records f\u00fcgten sich im letzten Moment und waren zu einer Vorschusszahlung von 3,75 Mill. US-Dollar bereit. Der Sorgen war Harrison damit aber nicht entledigt. Nun stritt man sich dar\u00fcber, zu welchem Verkaufspreis das Box-Set auf den Markt kommen sollte, wobei Allen Klein auf einem m\u00f6glichst niedrigen Preis bei maximaler Aussch\u00f6pfung des Benefiz-Beitrags und gleichzeitiger Gew\u00e4hrleistung der Integrit\u00e4t der K\u00fcnstler bestand. Seiner Ver\u00e4rgerung machte George Harrison in einem Interview in der amerikanischen Dick Cavett-Show Luft: &#8222;Da hat man nun eine Menge Geld zur Verf\u00fcgung, dann kommt das n\u00e4chste Problem: Wohin damit? Das Album h\u00e4tte schon vor einem Monat drau\u00dfen sein sollen.&#8220; Der Erl\u00f6s der Ticketverk\u00e4ufe \u2013 eine gute Viertelmillion Dollar \u2013 wurde \u00fcbrigens bereits am 12. August 1971 an die UNICEF \u00fcberwiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 6. September, einen Tag nachdem John Lennon sich in einem Interview im New Yorker St. Regis Hotel abf\u00e4llig \u00fcber George \u00e4u\u00dferte (&#8222;Er ist sehr engstirnig und hat nicht wirklich einen weiten Horizont. Paul ist da viel offener [&#8230;]&#8220;), traf er in New York in eben jenem Hotel mit John und Yoko zusammen. Die beiden waren mit Dreharbeiten zu ihrem Film &#8222;Imagine&#8220; besch\u00e4ftigt. George, der von den \u00c4u\u00dferungen vom Vortag offensichtlich nichts wusste, sollte in einer Filmszene Arm in Arm mit Yoko das Hotelzimmer der Lennons betreten und zum Fenster gehen (auch andere Prominente wie Fred Astaire und Jack Palance hatten die gleiche Aufgabe). Schon ein starkes St\u00fcck, sagte Yoko Ono in dem Interview sogar \u00fcber George, er sei intellektuell nicht kultiviert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Oktober traf sich Harrison mit dem britischen Finanzminister Patrick Jenkins in einem erfolglosen Versuch, die Einnahmen aus dem Verkauf des &#8222;Concert For Bangla Desh&#8220;-Albums (damaliger Arbeitstitel &#8222;George Harrison And Friends&#8220;) nicht zu versteuern. Jenkins erkl\u00e4rte: &#8222;Tut mir Leid! Ihr Idealismus in allen Ehren, aber Gro\u00dfbritannien braucht auch das Geld.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den USA tauchten unterdessen schon illegale Mitschnitte des Konzertes auf. George trat die Flucht nach vorn an und k\u00fcndigte die Ver\u00f6ffentlichung des Albums f\u00fcr November an. Umgehend wurden die Plattengesch\u00e4fte mit Postern beliefert, die an das Gewissen der Musikfans appellierten: &#8222;Rette ein hungerndes Kind, kaufe keinen Bootleg!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ende November feierte der Film &#8222;Raga&#8220; in New York Premiere, zu der sowohl George Harrison als auch John Lennon mit ihren Frauen erschienen. Eine im Sommer 1968 gedrehte Szene zeigt dabei eine Sitar-Lehrstunde, die George Harrison von Ravi Shankar erhielt. Eine wohltuende Ablenkung von den \u00e4rgerlichen Auseinandersetzungen um das &#8222;Bangla Desh&#8220;-Album. Auch der November-Termin konnte nicht verwirklicht werden, so dass die LP-Box erst am 20. Dezember 1971 in den USA ver\u00f6ffentlicht wurde. Zur gleichen Zeit unterstrichen verschiedene Auszeichnungen Georges derzeitigen Stellenwert in der Rockmusik (&#8222;My Sweet Lord&#8220; als bestverkaufte Single des Jahres und George als &#8222;Top Male Vocalist 1971&#8220;, dazu drei weitere Verleihungen im folgenden Jahr: zwei f\u00fcr &#8222;My Sweet Lord&#8220; und einen &#8222;Child Is The Father Of The Man&#8220;-Award der UNICEF f\u00fcr sein Bangladesch-Engagement.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit 1972 brach ein vergleichsweise ruhiges Harrison-Jahr an, welches allerdings mit einer faustdicken \u00dcberraschung f\u00fcr George begann: Bei seiner R\u00fcckkehr nach Henley im Januar stellte er fest, dass sich auf dem Gel\u00e4nde von Friar Park ein Filmteam f\u00fcr Dreharbeiten zu einem zweitklassigen Softporno-Streifen niedergelassen hatte. Harrison schien es mit Humor zu nehmen und so kam der &#8222;Au Pair Girls&#8220; genannte Film (mit dem britischen Kom\u00f6dianten Richard O\u2019Sullivan) im Sommer des Jahres in die Kinos. Ende Februar, kurz nach seinem 29. Geburtstag, war George Harrison mit seiner Frau Patti in einen Autounfall verwickelt. Sie fuhren gerade gegen Mitternacht mit ihrem 600er Mercedes in der Umgebung von Maidenhead, als die Stra\u00dfenbeleuchtung ausfiel. Bei einem neu er\u00f6ffneten Kreiselverkehr kollidierten sie mit einer Laterne. George und Patti trugen beide Kopfverletzungen davon, die gen\u00e4ht werden mussten. W\u00e4hrend George das Krankenhaus nach der Behandlung verlassen konnte, wurde Patti zur Beobachtung in ein Schwesternheim \u00fcberwiesen. Zu diesem Zeitpunkt, im verflixten siebten Ehejahr, steckte die Beziehung zwischen dem einstigen Traumpaar in ernsten Schwierigkeiten. Aber davon sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im M\u00e4rz hatte &#8222;The Concert For Bangla Desh&#8220; die Position 2 der amerikanischen und wenig sp\u00e4ter die Nr. 1 der englischen LP-Charts erreicht. 1991, zum zwanzigsten Jahrestag des &#8222;Concert For Bangla Desh&#8220; erschien das Album erstmals auf CD. In einem Promotion-Interview zur Wiederver\u00f6ffentlichung bezifferte George Harrison den Gesamterl\u00f6s auf 13,5 Millionen US-Dollar \u2013 summiert aus Ticketverkauf, dem Einspielergebnis des Konzertfilms im Kino und den abgesetzten Alben. Auf diese Zahl ging George noch genauer ein: &#8222;Ich wei\u00df, dass das heutzutage nicht viel ist \u2013 13,5 Millionen Dollar sind sehr wenig im Vergleich zu Dingen wie Live Aid. Aber man sollte sich daran erinnern, dass das eine Zeit war, in der niemand eine Ahnung von Benefizkonzerten hatte. Etwas in dieser Art gab es bis dahin noch nicht und damals waren 13,5 Millionen sicher mehr wert als heute.&#8220; Das gr\u00f6\u00dfte Problem bestand damals darin, dass die Finanzbeh\u00f6rden das Geld \u00fcber Jahre hinweg blockierten, weil st\u00e4ndig dar\u00fcber Uneinigkeit herrschte, welcher Betrag der hungernden Bev\u00f6lkerung von Bangladesch zugef\u00fchrt werden und wie hoch der Steuersatz sein sollte. Au\u00dferdem warf George sp\u00e4ter Allen Klein vor, er habe nachhaltige Fehler in der Organisation gemacht. So habe er sich viel zu sp\u00e4t, n\u00e4mlich erst nach den Konzerten, mit der UNICEF in Verbindung gesetzt. Irgendwann war auch die Geduld von George Harrison ersch\u00f6pft und so bezahlte er den Steueranteil im Juli 1973 aus eigener Tasche. Angesprochen darauf, wie sehr ihn die Querelen um die Gelder belasteten, konstatierte er sicherlich mit einem Augenzwinkern, aber ernst genug: &#8222;Yeah, das reicht aus um durchzudrehen und sich umzubringen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bereits erw\u00e4hnt, hat man sich mit der Verpackung des Konzertmitschnitts viel M\u00fche gegeben. Die Box enth\u00e4lt neben den drei Schallplatten ein LP-formatiges Booklet mit 64 Seiten aus schwerem Papier. Dass die K\u00fcnstler sich in den Dienst der Sache stellten, das zeigt auch das Frontcover. Nicht etwa eine Aufnahme vom Konzert ist zu sehen, sondern das Foto eines ausgemergelten Fl\u00fcchtlingskindes. EMI\/Capitol war alles andere als einverstanden damit, da es aus ihrer Sicht eher abschreckend wirken w\u00fcrde. George Harrison setzte sich allerdings durch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beste Hitparadenplatzierung war die Spitzenposition in England und Norwegen, sowie Platz 2 in den USA und Japan. In Deutschland war das Album nur als Import zu bekommen. Bis zur Etablierung von eBay war es hierzulande lange Jahre nur durch einen Gl\u00fccksgriff auf Flohm\u00e4rkten oder f\u00fcr teures Geld per Mailorder-Versand erh\u00e4ltlich. Zwanzig Jahre nach Erstver\u00f6ffentlichung kam die CD-Version mit einem farblich umgestalteten Cover auf den Markt. Die Aufnahme selbst blieb so gut wie unver\u00e4ndert (kleine Editierungen zwischen den Songs) und auch das Booklet war eine 1:1-Umsetzung des Originals &#8211; freilich im CD-Format. Die ebenfalls neu aufgelegte Schallplatte dazu ist heute ein relativ hoch gehandeltes Sammlerst\u00fcck, doch 1991 entt\u00e4uschte sie alle Liebhaber der schwarzen Scheiben. Schon in den 70ern gestattete man Bob Dylans Label CBS\/Columbia, dass es die Kassettenversion des &#8222;Concert for Bangla Desh&#8220; vertreiben durfte, weil Dylan sonst nicht auf dem Album vertreten gewesen w\u00e4re. 1991 durfte Epic (Unterlabel vom CBS-Nachfolger Sony) die Schallplatte des &#8222;Concert for Bangla Desh&#8220; ver\u00f6ffentlichen, wobei die Gestaltung mit einer f\u00fcr drei LPs recht d\u00fcnnen H\u00fclle und als Beilage das Booklet der CD sehr lieblos ausfiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine angemessene digitale W\u00fcrdigung erfuhr das Album in der remasterten Ausgabe von 2005 (siehe entsprechende Rezension).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anspieltipps:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wah-Wah \/ That&#8217;s The Way God Planned It \/ It Don&#8217;t Come Easy \/ While My Guitar Gently Weeps \/ Here Comes The Sun \/ A Hard Rain&#8217;s Gonna Fall \/ Bangla Desh<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bewertung:<\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><small><img decoding=\"async\" alt=\"George\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" \/><\/small><small><img decoding=\"async\" alt=\"George\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" \/><\/small><small><img decoding=\"async\" alt=\"George\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" \/><\/small><small><img decoding=\"async\" alt=\"George\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" \/><\/small> <strong>+<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pressestimmen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;&#8230; this concert really proved what can be attained when top musicians get together for a cause. Musically it was simply brillant!&#8220;\u00a0 &#8211; New Musical Express, 7. August 1971<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;So viel Soul war bis dahin selten im Mainstream-Pop zu h\u00f6ren&#8220;\u00a0 &#8211; stereoplay, 12\/2005<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LP-Original 1971 CD-Erstausgabe 1991 The Concert For Bangla Desh Ver\u00f6ffentlicht: 10. Januar 1972 LP: Apple STCX 3385 (England) CD: Capitol CDP 7 93265 2 LP (Reissue): Sony\/Epic EPC 468835 1 Titel: CD 1: George Harrison &#8211; Ravi Shankar Introduction \/ &hellip; <a href=\"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=492\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-492","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=492"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/492\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":914,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/492\/revisions\/914"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}