{"id":489,"date":"2014-01-30T21:30:55","date_gmt":"2014-01-30T21:30:55","guid":{"rendered":"http:\/\/lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=489"},"modified":"2014-03-03T06:53:37","modified_gmt":"2014-03-03T06:53:37","slug":"1973-living-in-the-material-world","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=489","title":{"rendered":"1973 &#8211; &#8222;Living In The Material World&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 300px; height: 300px;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/material.jpg\" \/><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Living In The Material World<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 29. Mai 1973<br \/>\nLP: Apple 1C 062 &#8211; 05 370 (Deutschland)<br \/>\nCD: Capitol 7 94110 2 (USA)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Titel:<br \/>\nGive Me Love (Give Me Peace On Earth) \/ Sue Me, Sue You Blues \/ The Light That Has Lighted The World \/ Don&#8217;t Let Me Wait Too Long \/ Who Can See It \/ Living In The Material World \/ The Lord Loves The One (That Loves The Lord) \/ Be Here Now \/ Try Some Buy Some \/ The Day The World Gets &#8218;Round \/ That Is All<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Oktober des Jahres 1972 begann George mit den Aufnahmen f\u00fcr sein n\u00e4chstes Studioalbum, welches auch vorl\u00e4ufige Titel wie &#8222;The Light That Has Lightened [sic!] The World&#8220; oder &#8222;The Magic Is Here Again&#8220;\u00a0 trug, sp\u00e4ter ge\u00e4ndert in &#8222;Living In The Material World&#8220;. Die Arbeiten am Album zogen sich bis M\u00e4rz 1973 hin. Die Zusammenarbeit mit Phil Spector hatte f\u00fcr Harrison in den vergangenen Jahren stets zu guten Ergebnissen gef\u00fchrt. So wollte er Spector auch f\u00fcr dieses Album als Produzent verpflichten. Mit Ausnahme eines Songs \u00fcbernahm George die Produktion dann aber doch selbst, da Spectors Unzuverl\u00e4ssigkeit und Alkoholkonsum eine ad\u00e4quate Betreuung der Aufnahmen unm\u00f6glich machten. Der Sound des sp\u00e4teren Albums war ein anderer als bei &#8222;All Things Must Pass&#8220;, was allerdings bei K\u00fcnstlern auch nicht weiter verwunderlich ist. Es verbietet sich gewisserma\u00dfen. Schlie\u00dflich hat Picasso sein &#8222;Guernica&#8220; oder Beethoven seine &#8222;Mondscheinsonate&#8220; auch nicht wiederholt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ersten zwei eingespielten St\u00fccke waren &#8222;Give Me Love (Give Me Peace On Earth)&#8220; und &#8222;Miss O\u2019Dell&#8220;. Mit dem weitgehend akustischen &#8222;Give Me Love&#8220; stellte George Harrison abermals unter Beweis, wie gut es ihm mittlerweile gelang, sch\u00f6ne, eing\u00e4ngige Melodien zu schreiben. Der Titel wurde sp\u00e4ter ein weiterer gro\u00dfer Erfolg in den Singlecharts. Ungeachtet dessen wurden die Stimmen der Kritiker lauter, die meinten, Georges Stimme sei zu weinerlich, sein musikalisches Auftreten inhaltlich zu missionarisch. Stimmt man in diesen Kanon ein, so l\u00e4sst es sich nicht von der Hand weisen, dass &#8222;Living In The Material World&#8220; weitaus mehr predigenden Charakter hat als noch &#8222;All Things Must Pass&#8220;. Weder vorher noch nachher zeigte sich George Harrison auf einer Schallplattenaufnahme so introspektiv, spirituell und aufrichtig &#8211; und sein Ziel war es, auch anderen Menschen zu zeigen, dass es im Hinblick auf das n\u00e4chste Leben am wichtigsten ist, sich im Diesseits Gott zuzuwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Material World&#8220; \u2013 damit bringt der H\u00f6rer als erstes Geld in Verbindung. Es ist aber alles, was das Individuum mit seinen Augen sieht und erlebt, ob es nun ein Wald ist, B\u00f6rsenberichte, Autos, Geb\u00e4ude, der Arbeitsplatz oder die eigene Leidenschaft und sensorische Wahrnehmung ist (\u00e4hnlich der als &#8222;Maya&#8220; beschriebenen Illusion in &#8222;Beware Of Darkness&#8220;).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Give Me Love&#8220; ist ein einziges Gebet, eine Anrufung Gottes. \u00c4hnlich wie bei &#8222;My Sweet Lord&#8220; steht hier der sehnliche Wunsch nach der Offenbarung Gottes im Vordergrund:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Give me light<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nTrying to touch and reach you<br \/>\nWith heart and soul.<br \/>\n(\u2026)<br \/>\nPlease take hold of my hand<br \/>\nThat I might understand you.\u201d<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(\u201cGib mir Erleuchtung [\u2026] Mit Leib und Seele versuche ich Dich zu erfassen [\u2026] Bitte nimm mich bei der Hand, damit ich Dich vielleicht dann verstehe.\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen den Strophen dann ein lang gezogenes OM, welches nahtlos \u00fcbergeht in \u201eMy Lord\u201c. Harrison bittet nicht nur um Segen f\u00fcr sich selbst, sondern auch f\u00fcr die Welt, in der er sich befindet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eHelp me cope with this heavy load<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nGive me love<br \/>\nGive me peace on earth.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(\u201eHilf mir, mit dieser schweren Last fertig zu werden [&#8230;] Gib mir Liebe \/ Gib mir Frieden auf Erden\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im &#8222;Sue Me, Sue You Blues&#8220; geht es allerdings \u00e4u\u00dferst irdisch weiter. Hier verarbeitete Harrison die unangenehmen juristischen Begleiterscheinungen, die zun\u00e4chst die Managementfrage der Beatles und sp\u00e4ter dann die Trennung der Gruppe mit sich brachten. Der mit einer markanten Slidegitarre unterlegte Song verdeutlicht, wie schwer es im Alltag manchmal ist, die Gegenwart Gottes zu erkennen. Ungef\u00e4hr so, als w\u00fcrde man in einem Intercity sitzen und versuchen w\u00e4hrend der Durchfahrt am Bahnhof eines Provinznestes zu erkennen, ob da eine Frau oder ein Mann im Schalterhaus sitzt. George Harrison war von den gerichtlichen Vorg\u00e4ngen um den Beatles-Split angewidert und kam zu dem Schluss, dass man leider nicht zum Vergn\u00fcgen zusammenkommt, sondern am Ende lediglich der Anwalt lacht, und zwar mit einem gef\u00fcllten Geldbeutel in der Tasche:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eBring your lawyer<br \/>\nAnd I&#8217;ll bring mine<br \/>\nGet together, and we could have a bad time<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nBut in the end<br \/>\nWe just pay those lawyers their bills<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nI&#8217;m tired of playing the<br \/>\nSue Me, Sue You Blues.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Bring du deinen Anwalt \/ Und ich bringe meinen \/ Lass uns zusammen eine schlechte Zeit haben [&#8230;] Am Ende stopfen wir nur den Anw\u00e4lten das Geld in den Rachen [&#8230;] Ich bin\u2019s Leid, den \u2018Verklagst-du-mich, verklag-ich-dich-Blues\u2019 zu spielen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Harrison spricht da zuletzt \u2013 w\u00f6rtlich genommen \u2013 f\u00fcr sich, doch schaut man sich den Text genauer an, so bezieht er alle Ex-Beatles mit ein. Alle machen die gleichen deprimierenden Erfahrungen. John Lennon hingegen attackierte seinem Ego entsprechend bei &#8222;How Do You Sleep?&#8220; (1971) eine Person direkt, n\u00e4mlich Paul McCartney. George Harrisons Spiritualit\u00e4t mag es verhindert haben, dass er ausweglos in den juristischen und pers\u00f6nlichen Gefechten gefangen blieb. Wie bereits erw\u00e4hnt, erscheint die Gegenwart Gottes weit entfernt, je tiefer man in der materiellen Welt versinkt. Doch George Harrison war stets \u00fcberzeugt, dass Gott doch da ist und war in der Lage, derartige Vorg\u00e4nge als l\u00e4cherlich zu betrachten. Sie geben uns auf den ersten Blick zwar ein schlechtes Gef\u00fchl und scheinen kaum \u00fcberwindbar zu sein. Der Glaube an Gott allerdings erlaubt es, wie auf einem hohen Felsen stehend, das Chaos und die Verr\u00fccktheit zu \u00fcberblicken und dar\u00fcber zu lachen (der l\u00e4cherliche, ironische Ton \u00fcberwiegt im Text vom &#8222;Sue Me, Sue You Blues&#8220;).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;The Light That Has Lighted The World&#8220;, der auf dem Album folgende Song, wurde von George unmittelbar nach dem Konzert f\u00fcr Bangladesch geschrieben. &#8222;Maya&#8220;, die Illusion, ist hier erneut zentrales Thema. Unsere Wahrnehmung der materiellen Welt ist nur so lange Wahrheit, bis sie durch die tats\u00e4chliche Bedeutung entlarvt wird. Dahinter zu kommen, ist allerdings nicht einfach. Viele leben in den Tag hinein, ohne diese Wirklichkeit, die sich wie ein geheimer Schatz verbirgt, erkennen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr sich nimmt Harrison diese F\u00e4higkeit in Anspruch. Er sieht das Licht, das die Welt erhellte und stellt fest, dass nicht alle akzeptieren k\u00f6nnen, dass und wie er sich ver\u00e4ndert hat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eI&#8217;ve heard how some people, have said that I&#8217;ve changed<br \/>\nThat I&#8217;m not what I was<br \/>\nHow it really is a shame.\u201d<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Ich habe von einigen Leuten sagen geh\u00f6rt, dass ich mich ver\u00e4ndert habe \/ Dass ich nicht mehr der bin, der ich war \/ Dass es wirklich eine Schande sei).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erkenntnis ist schwer:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eSo hard to move on<br \/>\nWhen you&#8217;re down in a hole<br \/>\nWhere there&#8217;s so little chance, to experience soul.<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Es ist schwierig voranzukommen \/ Wenn man in der Dunkelheit gefangen ist \/ Und es kaum m\u00f6glich ist, die eigene Seele zu erfahren).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Haltung wie diese brachte Harrison viel Kritik ein. Wann immer Aussagen \u00fcber George Harrisons Solojahre gemacht werden, so kann man sich fast sicher sein, dass Attribute wie \u201cpredigend\u201d, \u201cbelehrend\u201d und \u201cmissionarisch\u201d in diesem Zusammenhang auftreten. Auch Scheinheiligkeit wurde George vorgeworfen, da er doch offensichtlich das mond\u00e4ne Leben eines Weltstars f\u00fchrte und mit seiner Musik ordentlich abkassierte. Harrison heizte Diskussionen wie diese noch an, indem er auf das Innencover der LP ein Foto drucken lie\u00df, auf dem er mit seinen Begleitmusikern auf feinstem englischen Rasen an einer \u00fcppig gedeckten Tafel speist, w\u00e4hrend im Hintergrund eine Stretch-Limousine wartet. Wie ist das m\u00f6glich? Das spricht einerseits f\u00fcr George Harrisons besonderen Humor. Andererseits griff er zu einem solch drastischen Mittel um auf seine Art zu unterstreichen, dass er sich seines Wohlstandes nicht sch\u00e4mt und auch der Ansicht ist, diesen verdient zu haben. Abgesehen davon entstand das genannte Foto auf dem weitl\u00e4ufigen Gel\u00e4nde des Bhaktivedanta Manor in Hertfordshire, der britischen Hare Krishna-Zentrale. George Harrison erwarb dieses Anwesen 1972 und \u00fcberlie\u00df es der Hare Krishna-Bewegung. In diese Kerbe schl\u00e4gt auch der Song &#8222;Who Can See It&#8220; &#8211; interpretiert man ihn in diese Richtung. Harrison singt in dieser gro\u00dfartigen Komposition davon, in der Vergangenheit der Illusion erlegen zu sein, nun aber diese Verfehlungen klar zu durchschauen. Jetzt sollte man aber auch akzeptieren, dass er seinen Glauben gefunden hat ohne dass er nun gleichzeitig dem Reichtum abschw\u00f6ren muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eI only ask, that what I feel<br \/>\nShould not be denied me now<br \/>\nAs it&#8217;s been earned<br \/>\nAnd I have seen my life belongs to me<br \/>\nMy love belongs to who can see it.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Ich bitte nur darum, dass das was ich f\u00fchle, mir jetzt nicht verweigert wird \/ Da ich es mir erworben habe \/ Und ich habe eingesehen, dass mein Leben mir geh\u00f6rt \/ Meine Liebe geh\u00f6rt dem, der dies versteht).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Song haben wir \u00fcbersprungen: &#8222;Don\u2019t Let Me Wait Too Long&#8220;. Ein Titel, von klassischer Beatles-Laufzeit: knapp unter drei Minuten. Auch verf\u00fcgt das eing\u00e4ngige &#8222;Don\u2019t Let Me Wait Too Long&#8220; \u00fcber eine sch\u00f6ne Melodie, lediglich Harrisons stimmlichen Ausfl\u00fcge ins hohe Register sind ein wenig gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Diese flotte Nummer w\u00e4re im Falle einer Singleauskopplung sicheres Chartsfutter gewesen. Beim ersten Hinh\u00f6ren pr\u00e4sentiert sich &#8222;Don\u2019t Let Me Wait Too Long&#8220; als einfaches Liebeslied. Aber auch hier gibt es spirituelle Zwischent\u00f6ne:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eNow only you know how to dry eye up<br \/>\nAll of those tears that I&#8217;ve cried<br \/>\nHere with your love<br \/>\nNow only you know how to lay it there<br \/>\nLike it came from above<br \/>\nYou know that it&#8217;s you that I love.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Nur du verstehst all die Tr\u00e4nen zu trocknen, die ich vergossen habe \/ Durch deine Liebe \/ Nur du verstehst sie mir zu geben \/ als k\u00e4me sie vom Himmel herab \/ Du wei\u00dft, dass du es bist, die [den?] ich liebe).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicherlich wartet das Ich auf seine Liebe, aber Harrison w\u00e4re nicht er selbst, wenn er mit \u201cfrom above\u201d nicht auch die Liebe Gottes bzw. den &#8222;spiritual sky&#8220; meinte. Die irdische und die Gewissheit der g\u00f6ttlichen Liebe in Koexistenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Titelsong &#8222;Living In The Material&#8220; World ist eine sch\u00f6ne Fusion westlicher und fern\u00f6stlicher Musik. Er kommt als bodenst\u00e4ndiger Bluesrocker daher, zwei Mal elegant von Strophen unterbrochen, die von indischen Instrumenten (dominantes Tabla-Spiel von Zakir Hussein) begleitet werden. Der Text ist erneut sehr pers\u00f6nlich gehalten und bezieht sogar die Beatles-Anf\u00e4nge mit ein:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eMet them all there in the material world<br \/>\nJohn and Paul here in the material world<br \/>\nThough we started out quite poor<br \/>\nWe got &#8218;Richie&#8216; on a tour<br \/>\nGot caught up in the material world.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Ich traf sie alle hier in der materiellen Welt \/ John und Paul in der materiellen Welt \/ Obgleich wir zu Anfang ziemlich arm waren \/ Ringo stie\u00df w\u00e4hrend einer Tour zu uns \/ Verfingen wir uns in der materiellen Welt).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der materiellen Welt k\u00f6nnen die Sinne nicht zufriedengestellt werden, das Verlangen w\u00e4chst im Gegenteil flutartig an und das Individuum l\u00e4uft Gefahr, in dieser Illusion zu versinken. Dessen war auch Harrison sich bewusst:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eTo the Spiritual Sky<br \/>\nHow I pray<br \/>\nYes I pray that I won&#8217;t get lost or go astray<br \/>\nWhile I&#8217;m living in the material world\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Zum spirituellen Himmel bete ich \/ Ja ich bete, dass ich in der materiellen Welt nicht verloren gehe).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">George Harrison w\u00fcnschte sich diese Erkenntnis auch f\u00fcr andere, so dass seine Mission klar war:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eGot a lot of work to do<br \/>\nTry to get a message through<br \/>\nAnd get back out of this material world.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Habe eine Menge Arbeit vor mir \/ Die Botschaft zu verbreiten \/ Und der materiellen Welt zu entkommen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;The Lord Loves The One (That Loves The Lord)&#8220; ist nicht der letzte Song des Albums, der offenlegt, wie sich der Mensch von materiellen Dingen blenden l\u00e4sst. Er f\u00fchrt sich auf, als geh\u00f6re ihm die Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;But when death comes to claim them<br \/>\nWho will stand, and who will fall?\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Aber wenn der Tod kommt um sie zu holen \/ Wer steht aufrecht, wer wird fallen?)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sollte angestrebt werden, im Diesseits auch bereit sein zu geben, denn:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<em>The Lord loves the one that loves the Lord<br \/>\nAnd the law says if you don&#8217;t give, then you don&#8217;t get loving.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Der Herr liebt den, der Ihn selbst liebt \/ Und das Gebot sagt, dass du keine Liebe empf\u00e4ngst, wenn du keine Liebe gibst).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein zerbrechlich wirkendes Kleinod ist &#8222;Be Here Now&#8220;. Der Song flie\u00dft ruhig und kontemplativ dahin. Der Text repr\u00e4sentiert eine Einstellung, die George Harrison bis zu seinem Lebensende beibehielt: Die Vergangheit liegt hinter uns, es ist nichts wie vorher \u2013 wichtig ist das Hier und Jetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Try Some, Buy Some&#8220; ist einer von zwei Titeln (der zweite war &#8222;Tandoori Chicken&#8220;), die George speziell f\u00fcr Phil Spectors Frau Ronnie geschrieben hatte. Sie wurden bereits im Fr\u00fchjahr 1971 ohne nennenswerten Erfolg als Single ver\u00f6ffentlicht. Ronnie Spector war auch alles andere als angetan von den beiden St\u00fccken und erkl\u00e4rte, sie habe auch gar nicht begriffen, worum es in &#8222;Try Some, Buy Some&#8220; und &#8222;Tandoori Chicken&#8220; ging. Vielleicht war George dar\u00fcber ein wenig entt\u00e4uscht, so dass er w\u00e4hrend der Produktion zu &#8222;Living In The Material World&#8220; einfach Ronnies Gesangsspur entfernte und den originalen Backing Track f\u00fcr seine eigene Stimme verwendete. Der Gegenstand dieses Songs ist abermals Erkenntnis und Erleuchtung. Harrison erz\u00e4hlt in &#8222;Try Some, Buy Some&#8220; davon, wie er zum Konsum von Drogen verf\u00fchrt wurde. Nach einer Weile des Ausprobierens lehnte er sie jedoch ab, auch weil er unter seinen Musikerkollegen mit ansehen musste, wie viele daran zugrunde gingen. Dieser Moment stellt einen Wendepunkt dar:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eAnd when it seemed that I would always be lonely<br \/>\nI opened my eyes and I saw you<br \/>\nNot a thing did I feel<br \/>\nNot a thing did I know<br \/>\nTill I called on your love<br \/>\nAnd your love sure did grow.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Und als es so aussah, dass ich auf ewig einsam sein sollte \/ \u00d6ffnete ich meine Augen und sah dich \/ Ich f\u00fchlte nichts \/ Ich wusste nichts \/ Bis ich deiner Liebe gewahr wurde \/ Und deine Liebe wuchs best\u00e4ndig).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wahrscheinlichkeit, dass hier die Liebe Patties gemeint war, von der George spricht, ist eher gering. Die problematische Beziehung des Ehepaars zu dieser Zeit l\u00e4sst einen solchen Schluss eigentlich nicht zu. Vielmehr zeigt Harrison hier erneut, dass ihm etwas in seinem Leben fehlte und dass dieses Vakuum durch die Hinwedung zu Gott ausgef\u00fcllt werden konnte. Diese mit einer guten Portion geschmackvollem orchestralem Bombast angereicherte imposante Komposition inspirierte \u00fcbrigens David Bowie auf seinem Album &#8222;Reality&#8220; (2003) zu einer Coverversion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es \u00fcberrascht nicht sonderlich, dass &#8222;The Day The World Gets \u2018Round&#8220; der Euphorie nach den Konzerten f\u00fcr Bangladesch entsprang. Das Ideal ist hiernach eine Welt, die erkennt, woran es ihr mangelt und \u00fcber welche positiven Ressourcen sie verf\u00fcgt. Eine Welt, in der man einander hilft, Hand in Hand. Eine wahrlich idealistische Einstellung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ganz kalt scheint George Harrison die Entfremdung von Pattie dann aber doch nicht gelassen zu haben. Im letzten St\u00fcck des Albums, &#8222;That Is All&#8220;, hei\u00dft es, dass Schweigen oder eine nette Geste oft mehr sagen als tausend Worte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eSilence often says much more<br \/>\nThan trying to say what&#8217;s been said before<br \/>\nThat is all I want from you<br \/>\nA smile when I feel blue<br \/>\nThat is all I&#8217;m waiting for<br \/>\nYour love and nothing more.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Stille sagt h\u00e4ufig viel mehr \/ Als Dinge zu wiederholen, die schon zu oft gesagt wurden \/ Das ist alles, was ich mir von dir w\u00fcnsche \/ Ein L\u00e4cheln, wenn ich mal traurig bin \/ Das ist alles, worauf ich warte \/ Deine Liebe und sonst nichts).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist aber auch im R\u00fcckblick nicht von der Hand zu weisen, dass George Harrison 1972\/73 seinem Glauben ungleich mehr Hingabe entgegenbrachte als seiner Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da Phil Spector nicht produzierte, gaben sich im Studio auch nicht Legionen von Musikern die Klinke in die Hand. Es bleib bei einem \u00fcberschaubaren Kreis von Mitstreitern. Die prominentesten unter ihnen waren Ringo Starr, der treue Freund Klaus Voormann und Ex-Spooky Tooth Gary Wright. George Harrison verzichtete auf die Dienste Claptons und \u00fcbernahm alle Gitarren selbst. Auff\u00e4llig ist der starke Einsatz seines Slidegitarre-Spiels. All das, was Harrisons Gitarrenarbeit auf sp\u00e4teren Ver\u00f6ffentlichungen ausmacht, das, was zu seinem Markenzeichen wurde, hat seinen Ursprung auf dem Album \u201cLiving In The Material World\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schallplatte &#8222;Living In The Material World&#8220; erschien als Klappcover und besteht aus vielen erw\u00e4hnenswerten Details. Die Au\u00dfenh\u00fclle pr\u00e4sentiert den Gegensatz zwischen der spirituellen und der materiellen Welt. Das Frontcover zeigt einen verschwommen wirkenden Handabdruck, in dessen Handfl\u00e4che eine Art Amulett mit einer nicht n\u00e4her zu bestimmenden hinduistischen Darstellung liegt. Dem entgegen steht auf dem r\u00fcckw\u00e4rtigen Cover eine Hand, in der sich drei US-amerikanische M\u00fcnzen befinden. Klappt man das Cover auf, so ist auf der linken Seite das schon erw\u00e4hnte &#8222;Festtafel&#8220;-Foto zu sehen und rechts eine Auflistung der am Album beteiligten Personen. Neben der Schallplatte (die in der Erstausgabe Motivlabel und keinen &#8222;Apple&#8220; enth\u00e4lt) kann man der H\u00fclle eine ebenfalls aufklappbare Textbeilage entnehmen. Auf der Vorderseite prangt vollfl\u00e4chig ein Gem\u00e4lde einer Darstellung von Krishna und der hinduistischen Heldengestalt Arjuna. Krishna zieht als Lenker eines Streitwagens in die Schlacht von Kurukshetra. Direkt hinter Krishna befindet sich Arjuna, der gerade einen Pfeil aus seinem K\u00f6cher zieht. Der Dialog zwischen Krishna und Arjuna ist einer der zentralen Bestandteile der heiligen Schrift Bhagavad Gita. Auf Seite 2 und 3 sind alle Songtexte des Albums abgedruckt und auf der R\u00fcckseite erscheint erstmals das Sanskrit-Symbol OM (oder auch AUM), das man nach &#8222;Living In The Material World&#8220; immer wieder auf Ver\u00f6ffentlichungen von George Harrison findet. OM gilt nach der hinduistischen Vorstellung als Urklang, als Keimsilbe des Universums, aus dessen Klang und Vibration das gesamte Universum entstand. In allen Auspr\u00e4gungen des hinduistischen Glaubens gilt OM als heiligstes aller Mantren. Bei aller Ernsthaftigkeit konnte sich George Harrison einen humorvollen Seitenhieb in Richtung Paul McCartneys nicht verkneifen. Er parodierte die auf der R\u00fcckseite der damals aktuellen Paul McCartney &amp; Wings-LP &#8222;Red Rose Speedway&#8220; abgedruckte Fan Club-Adresse: Zwischen zwei dem Wings-Logo entlehnten Fl\u00fcgeln steht der Name des Schagzeugers Jim Keltner. Wenn man seinem Fan Club beitreten m\u00f6chte, so m\u00f6ge man doch bitte einen abgestempelten und entkleidenen Elefanten an die angegebene Adresse schicken. Auf den deutschen Pressungen des Albums erschien dieser Gag leider nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn die Musikpresse eher wenig euphorisch war: Der Erfolg von &#8222;Living In The Material World&#8220; stand &#8222;All Things Must Pass&#8220; zumindest in den USA kaum nach. Die ausgekoppelte Single &#8222;Give Me Loev (Give Me Peace On Earth&#8220; erreichte dort ebenso wie das Album den ersten Platz der Charts. Auch in den Album-Charts von Kanada und Australien wurde die Spitzenposition eingenommen, w\u00e4hrend in England Platz 2 erreicht wurde. In Deutschland langte es nur zu einem 20. Platz und auch die Single d\u00fcmpelte mit eine 28. Rang dort, wo das kommerzielle Mittelfeld beginnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anspieltipps:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Give Me Love (Give Me Peace On Earth) \/ Living In The Material World \/ Don&#8217;t Let Me Wait Too Long \/ Who Can See It \/ Try Some, Buy Some<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bewertung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><small><img decoding=\"async\" alt=\"George\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" \/><\/small><small><img decoding=\"async\" alt=\"George\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" \/><\/small><small><img decoding=\"async\" alt=\"George\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" \/><\/small><small><img decoding=\"async\" alt=\"George\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/george.gif\" \/><\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pressestimmen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;It&#8217;s (&#8230;) breathtakingly unoriginal and &#8211; lyrically at least &#8211; turgid, repetitive and so damn holy I could scream. (&#8230;) There are some heavy names on this album but the sound is flaccid&#8220;\u00a0 &#8211; New Musical Express, 9. Juni 1973<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Living In The Material World Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 29. Mai 1973 LP: Apple 1C 062 &#8211; 05 370 (Deutschland) CD: Capitol 7 94110 2 (USA) Titel: Give Me Love (Give Me Peace On Earth) \/ Sue Me, Sue You Blues \/ The &hellip; <a href=\"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=489\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-489","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/489","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=489"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/489\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1021,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/489\/revisions\/1021"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}