{"id":399,"date":"2014-01-30T19:11:21","date_gmt":"2014-01-30T19:11:21","guid":{"rendered":"http:\/\/lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=399"},"modified":"2014-03-03T06:48:38","modified_gmt":"2014-03-03T06:48:38","slug":"1971-imagine","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=399","title":{"rendered":"1971 &#8211; &#8222;Imagine&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 300px; height: 300px;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/imagine.jpg\" \/><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Imagine<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 08. Oktober 1971<br \/>\nLP: Apple 1C 062 &#8211; 04 714 (Deutschland)<br \/>\nCD: EMI 7243 5 24858 2 6 (Digitally remixed and remastered)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Titel:<br \/>\nImagine \/ Crippled Inside \/ Jealous Guy \/ It&#8217;s So Hard \/ I Don&#8217;t Wanna Be A Soldier Mama \/ Gimme Some Truth \/ Oh My Love \/ How Do You Sleep? \/ How? \/ Oh Yoko!<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur ganz selten gelingt es, nach einem k\u00fcnstlerisch mehr als \u00fcberzeugenden Werk noch eine Schippe draufzulegen. John Lennon schaffte das mit &#8222;Imagine&#8220;, erreichte allerdings in den letzten neun Jahren seines Lebens nie wieder dieses Niveau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Seelenstrip von &#8222;John Lennon \/ Plastic Ono Band&#8220; (1970) legte John Lennon wie gewohnt ein sehr pers\u00f6nliches Album vor, das aber trotzdem einen gro\u00dfen Unterschied vorweist: Es ist &#8211; ganz im positiven Sinne &#8211; viel kommerzieller. W\u00e4hrend es der Vorg\u00e4nger gerade mal bis auf Platz 6 der US-Charts schaffte (lediglich Platz 11 in England), belegte &#8222;Imagine&#8220; auf beiden Seiten des Atlantiks die Spitzenposition. Die Songs wirken in der Mehrheit nicht so sperrig und vermitteln eine vertr\u00e4umte Atmosph\u00e4re. &#8222;Imagine&#8220; besteht aus nicht weniger als vier reinen, sehr melodi\u00f6sen Balladen\u00a0 &#8211; ein Gebiet, auf das eher Paul McCartney spezialisiert ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Song &#8222;Imagine&#8220; war John Lennon so wichtig, dass er das ganze Album danach benannte und auch dadurch er\u00f6ffnen lie\u00df. &#8222;Imagine&#8220; entwirft eine utopische Welt, in der keine Landesgrenzen, keine Religion oder materieller Besitz das friedliche Zusammenleben gef\u00e4hrden. Oft genug f\u00fcr seine Ideen bel\u00e4chelt, gesteht sich Lennon ein, dass er ein Tr\u00e4umer sein mag, sich aber gewiss sein kann, dass er damit nicht alleine steht und darauf hoffen kann, dass sich ihm und Yoko immer mehr Menschen anschlie\u00dfen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;You may say I&#8217;m a dreamer<br \/>\nBut I&#8217;m not the only one.<br \/>\nI hope someday you&#8217;ll join us<br \/>\nAnd the world will be as one.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die h\u00fcbsche, sanfte Melodie wird getragen vom simplen Klavierspiel Lennons. Dezenter Streicher-Zuckerguss machte &#8222;Imagine&#8220; radiotauglich und bescherte John Lennon seine erste richtige Hitsingle, vielleicht gerade wegen der unschuldigen Naivit\u00e4t und kindlichen Einfachheit der Grundidee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz im Gegensatz dazu kommt &#8222;Crippled Inside&#8220; recht fr\u00f6hlich daher und verbreitet eine country &amp; westernartige Stimmung, die haupts\u00e4chlich durch das Honky-Tonk-Piano und die von George Harrison gespielte Dobro erzeugt wird. Der Text ist allerdings bissig und ist Lennons Kommentar zum Thema Selbstbetrug. Auch wenn der Adressat nicht explizit genannt wird, so kann gemutma\u00dft werden, dass sich diese Attacke gegen Paul McCartney richtet. In diesem Zusammenhang l\u00e4sst &#8222;How Do You Sleep?&#8220; allerdings keinerlei Zweifel. Hier greift John Lennon seinen ehemaligen Songwriting-Partner mehr als deutlich an. Lennon wirft McCartney vor, sich nur mit Ja-Sagern zu umgeben, bezeichnet dessen Songs abf\u00e4llig als &#8222;Muzak&#8220;, meint, dass McCartney unter der Fuchtel seiner Frau steht und stellt fest, dass sein einziger Verdienst &#8222;Yesterday&#8220; sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;You live with straights who tell you<br \/>\nYou was king<br \/>\nJump when your mamma tell you anything.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(&#8230;)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;The only thing you done was yesterday<br \/>\nAnd since you&#8217;ve gone you&#8217;re<br \/>\nJust another day.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(&#8230;)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;The sound you make is muzak to my ears<br \/>\nYou must have learned<br \/>\nSomething in all those years.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der &#8222;Imagine&#8220;-Sessions w\u00fcrzte Lennon den Text noch zus\u00e4tzlich durch Schimpfw\u00f6rter unter der G\u00fcrtellinie und war gut beraten, diese im Endprodukt zu entfernen. Die der Schallplatte beigelegte Postkarte zeigt Lennon, wie er ein Schwein an den Ohren packt &#8211; ebenfalls ein unmissverst\u00e4ndlicher Seitenhieb in Richtung McCartney, der in gleicher Pose (allerdings mit einem Schafbock) auf dem Cover seiner zuvor erschienenen LP &#8222;Ram&#8220; zu sehen war. Zudem richtete McCartney auf &#8222;Ram&#8220; seinerseits einige eher verschl\u00fcsselte Textstellen an John Lennon, die diesen zu Antworten wie &#8222;How Do You Sleep?&#8220; veranlasste. Es war schlichtweg eine schwierige Zeit f\u00fcr die verletzten K\u00fcnstlerseelen der beiden ehemals engen Freunde. In sp\u00e4teren Interviews relativierte Lennon die Hasstiraden. Er wusste selbst genau, das die &#8222;Yesterday&#8220;-Aussage jeglicher Grundlage entbehrte und auch die &#8222;Jump when your mamma tell you anything&#8220;-Zeile ist Humbug, trifft sie doch vielmehr auf Lennon selbst zu. Musikalisch betrachtet ist &#8222;How Do You Sleep?&#8220; eines der Highlights des Albums und besticht durch ein orientalisch\/asiatisch anmutendes Streicherarrangement, das mit einem blueslastigen Slidegitarrensolo von George Harrison korrespondiert &#8211; sicher eines der besten Slide-Soli, die er jemals einspielte. Ein ungew\u00f6hnliches Streicherarrangement, f\u00fcr die ein gewisser Torrie Zito verantwortlich zeichnete, enth\u00e4lt auch der eher gew\u00f6hnliche Blues &#8222;It&#8217;s So Hard&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Jealous Guy&#8220; ist ein ganz zauberhaftes, beinahe zerbrechlich wirkendes St\u00fcck, das auf eine Lennon-Komposition aus dem Jahr 1968 zur\u00fcckgeht. Damals hie\u00df es allerdings &#8222;Child Of Nature&#8220;, hatte einen anderen Text und stand in der engeren Auswahl f\u00fcr das Wei\u00dfe Album der Beatles. John Lennon tat gut daran, den Song noch reifen zu lassen und ihn f\u00fcr &#8222;Imagine&#8220; neu zu \u00fcberarbeiten. Hier pr\u00e4sentiert er sich als reum\u00fctiger Lebenspartner Yoko Onos. In anr\u00fchrender Weise reflektiert er sein besitzergreifendes Verhalten Yoko gegen\u00fcber, das sich oft in fast krankhafter Eifersucht und Angst \u00e4u\u00dferte, sie zu verlieren. In besonderer Erinnerung bleibt der Song auch durch das geschmackvoll gespielte Piano von Nicky Hopkins und den Einfall, die Melodie zum Schluss gepfiffen zum Vortrag zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G\u00e4nsehaut beschert der Bombast-Sound von &#8222;I Don&#8217;t Wanna Be A Soldier Mama&#8220;, obwohl der Song musikalisch eher monoton ist (basierend auf zwei Akkorden), doch von seiner d\u00fcsteren Atmosph\u00e4re lebt. Doch dieser Titel bleibt nicht bei diesem pazifistischen Inhalt, auch m\u00f6chte Lennon (?) weder reich noch arm sein und ebenso auch kein Mann der Kirche, kein Mann des Gesetzes oder gar ein Seemann. Zwei Kompositionen \u00e4lteren Datums sind &#8222;Oh My Love&#8220; (1968) und &#8222;Gimme Some Truth&#8220;, das bereits von den Beatles im Januar 1969 (&#8222;Get Back&#8220;-Sessions) geprobt wurde. Nichts als die Wahrheit ist das, worauf John Lennon aus ist und z\u00e4hlt stakkatoartig eine ganze Reihe von Personen auf, die die Wahrheit nur heucheln:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;uptight-short-sighted-narrow-minded hypocritics&#8220;<br \/>\n&#8222;neurotic-psychotic-pig-headed politicians&#8220;<br \/>\n&#8222;short-haired-yellow-bellied-son-of-tricky-dicky&#8220;<br \/>\n&#8222;tight-lipped-condescending-mommies little chauvinists&#8220;<br \/>\n&#8222;schizophrenic-ego-centric-paranoic-prima-donnas&#8220;.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erneut ein Bespiel f\u00fcr den versierten Textdichter Lennon. &#8222;How?&#8220; pr\u00e4sentiert sich als McCartney-\u00e4hnliche Ballade (Anleihen bei &#8222;The Long And Winding Road&#8220;), in der Selbstzweifel im Vordergrund stehen: Angst vor Orientierungslosigkeit, Angst davor, Gef\u00fchle zu zeigen oder auch Angst davor, Liebe zu geben &#8211; und genau das hat direkt mit Lennons Biografie zu tun:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;How can I have feelings when my<br \/>\nFeelings have always been denied.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8230;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;How can I give love when love is something<br \/>\nI ain&#8217;t never had.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Oh My Love&#8220; hingegen kann man sicher zu den sch\u00f6nsten Liebesliedern John Lennons an Yoko Ono z\u00e4hlen. Der Text reflektiert noch einmal, dass John erst durch Yoko zu sich selbst gefunden hat und in der Lage ist, die Dinge klar zu sehen. Der Abschluss des Albums &#8222;Oh Yoko!&#8220; ist gleichfalls ein Liebeslied, jedoch nicht in romantischer, z\u00e4rtlicher Stimmung, sondern ausgelassen und fr\u00f6hlich. Zugleich eine eing\u00e4ngige Melodie, die auch eine erfolgreiche Single h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Es gab sogar Pl\u00e4ne, den Song auszukoppeln, doch John Lennon sprach sich letztlich dagegen aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">John Lennon hatte mit &#8222;Imagine&#8220; alles richtig gemacht und sich endg\u00fcltig von den Beatles und seinen experimentellen, die \u00d6ffentlichkeit verschreckenden Erstlingswerken emanzipiert. Ungeachtet dessen war auch &#8222;Imagine&#8220; eine angedeutete Reunion, denn George Harrison ist auf der H\u00e4lfte der Songs als Gitarrist vertreten. Ringo Starr war erneut Lennons Wunschkandidat am Schlagzeug, konnte wegen Dreharbeiten zum Italo-Western &#8222;Blindman&#8220; aber nicht zur Verf\u00fcgung stehen. Klaus Voormann war abermals eine feste Gr\u00f6\u00dfe am Bass, Alan White ein ordentlicher Ringo-Ersatz und Nicky Hopkins veredelte mit seinem einzigartigen Piano-Stil besonders &#8222;Jealous Guy&#8220;, &#8222;Oh My Love&#8220; und &#8222;Oh Yoko!&#8220;. Die Aufnahmen zum Album sind \u00fcbrigens filmisch hervorragend dokumentiert auf der DVD &#8222;Gimme Some Truth&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anspieltipps:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Imagine \/ Jealous Guy \/ How Do You Sleep? \/ Oh My Love<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bewertung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><big><small><small><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/john.gif\" \/><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/john.gif\" \/><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/john.gif\" \/><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/john.gif\" \/><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/john.gif\" \/><\/small><\/small><\/big><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pressestimmen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;A hymnal vision of Utopia &#8211; and personal failure &#8211; wrapped up in a pop production&#8220;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; MOJO<br \/>\n&#8222;There are no duds on this &#8218;Imagine&#8216; album. Lennon rides high!&#8220;\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; New Musical Express<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Imagine Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 08. 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