{"id":396,"date":"2014-01-30T19:10:18","date_gmt":"2014-01-30T19:10:18","guid":{"rendered":"http:\/\/lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=396"},"modified":"2014-03-03T06:53:14","modified_gmt":"2014-03-03T06:53:14","slug":"1972-some-time-in-new-york-city","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=396","title":{"rendered":"1972 &#8211; &#8222;Some Time In New York City&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 300px; height: 300px;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/nyc.jpg\" \/><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Some Time In New York City<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 15. Juni 1972<br \/>\nLP: Apple 1C 148 &#8211; 05 137\/38 (Deutschland)<br \/>\nCD: EMI 0946 3 40976 2 8 (Digitally remixed and remastered)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Titel:<br \/>\nWoman Is The Nigger Of The World \/ Sisters, Oh Sisters \/ Attica State \/ Born In A Prison \/ New York City \/ Sunday Bloody Sunday \/ The Luck Of The Irish \/ John Sinclair \/ Angela \/ We&#8217;re All Water \/ LIVE JAM: Cold Turkey \/ Don&#8217;t Worry Kyoko \/ Well \/ Jam Rag \/ Scumbag \/ Au<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was f\u00fcr ein Verlust an Qualit\u00e4t! &#8222;Au&#8220;, so hei\u00dft der letzte Track dieses Albums und genau dieser Ausruf mag dem H\u00f6rer in den Sinn kommen, wenn er nach dem Genuss der letzten beiden Alben &#8222;Some Time In New York City&#8220; auflegt. Lennon hatte seinen Texten stets gro\u00dfe Bedeutung beigemessen, wobei gleichzeitig ein hohes musikalisches Niveau erhalten blieb. Bei &#8222;Some Time&#8220; war das anders. &#8222;I Don&#8217;t Wanna Be A Soldier&#8220; und &#8222;Gimme Some Truth&#8220; vom Vorg\u00e4ngeralbum waren bereits Vorboten politischen Liedguts, doch nun ging es vordergr\u00fcndig um politische Statements &#8211; auf Kosten der musikalische Substanz. Wie kam es dazu?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">England war das Zentrum der &#8222;Swinging Sixties&#8220;. Das sah gewiss auch John Lennon so. Anfang der 70er Jahre sp\u00fcrte er hingegen instinktiv, dass Amerika das Zepter \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Speziell New York &#8211; die niemals schlafende Stadt &#8211; hatte es ihm angetan. So traten John und Yoko ihr eigenes Anwesen Tittenhurst Park kurzerhand an Ringo ab und zogen selbst ins New Yorker K\u00fcnstlerviertel Greenwich Village. Bob Dylan pers\u00f6nlich machte auf Fremdenf\u00fchrer und es dauerte nicht lange, bis Polit-Aktivisten mit John Lennon Kontakt aufnahmen. Schlie\u00dflich hatte Lennon selbst nie eine Hehl aus seiner Sympathie f\u00fcr die politische Linke gemacht. Lebten John und Yoko in England noch luxuri\u00f6s und feudal, begn\u00fcgten sie sich nun mit einer kleinen Zweizimmer-Wohnung, in der sie Rebellen wie Jerry Rubin, David Peel (der dann sogar auf Apple eine LP ver\u00f6ffentlichen durfte: &#8222;The Pope Smokes Dope&#8220;) oder auch Abbie Hoffman empfingen. Pl\u00f6tzlich wurde John Lennon zum Sprachrohr verschiedener, oft radikaler Bewegungen. Ein wahrer &#8222;Working Class Hero&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies alles schlug sich auf &#8222;Some Time In New York City&#8220; nieder. So gut wie jede Problematik wurde aufgegriffen und vertont. Wie bei &#8222;Imagine&#8220; steht auch hier der st\u00e4rkste Titel am Anfang. Das von einem dominanten Saxophon gepr\u00e4gte &#8222;Woman Is The Nigger Of The World&#8220; ergreift Partei f\u00fcr die Gleichberechtigung der Frau. Sp\u00e4ter wurde Lennon sowohl von Frauenrechtlerinnen kritisiert, die bem\u00e4ngelten, dass ihre Geschlechtsgenossinnen hier als zu passiv beschrieben werden, als auch von der afroamerikanischen Community, die sich am Wort &#8222;Nigger&#8220; stie\u00df. Feministisch geht es weiter in &#8222;Sisters, Oh Sisters&#8220;, das von Yoko Ono geschrieben und gesungen wurde. Der musikalisch banale &#8222;Tralala&#8220;-Song, so wie auch das Album an sich markiert den Beginn einer Trilogie von Alben (fortgesetzt durch &#8222;Double Fantasy&#8220; und &#8222;Milk And Honey&#8220;), auf denen sich Songs von John Lennon und Yoko Ono abwechseln. Viele Beatles- und Lennon-Fans geraten \u00fcber die Beteiligung von Yoko Ono an John Lennon-Alben nicht gerade in Verz\u00fcckung, so dass im Zeitalter digitaler Tontr\u00e4ger nicht selten die Yoko-Titel \u00fcbersprungen werden. Auch auf &#8222;Some Time In New York City&#8220; wirkt Yoko Ono als Interpretin von Rock- bzw. Popsongs oft sehr gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, auch wenn manchmal ganz reizvoll westliche Melodien mit asiatischen vermengt werden wie beispielsweise in der Ono-Ballade &#8222;Born In A Prison&#8220;. &#8222;We&#8217;re All Water&#8220;, ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Gleichheit der Menschen, ist der dritte reine Yoko-Beitrag zu den Studio-Aufnahmen von &#8222;Some Time In New York City&#8220; und ist ein sich auf knapp \u00fcber sieben Minuten erstreckender Song vom Charakter einer Jam-Session (inklusive der mittlerweile bekannten Vokalakrobatik Yoko Onos).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Single &#8222;Woman Is The Nigger Of The World&#8220; gibt es vier weitere Songs, die als Gemeinschaftkompositionen von Lennon und Ono angegeben sind: &#8222;Attica State&#8220; ist ein blueslastiger Titel \u00fcber einen Aufstand vorwiegend schwarzer H\u00e4ftlinge f\u00fcr bessere Lebensbedingungen im gleichnamigen New Yorker Staatsgef\u00e4ngnis (in dem heute \u00fcbrigens der Lennon-M\u00f6rder seine Strafe verb\u00fc\u00dft). Das St\u00fcck &#8222;Sunday Bloody Sunday&#8220;, musikalisch \u00fcbrigens nicht verwandt mit dem U2-Song gleichen Namens, kommentiert das Massaker, das britische Soldaten Anfang 1972 in der nordirischen Stadt Derry bei einer Demonstration f\u00fcr B\u00fcrgerrechte an 13 Zivilisten ver\u00fcbten. In die gleiche Kerbe hieb &#8222;The Luck Of The Irish&#8220;, ein Folksong im Dreiviertel-Takt. Schlie\u00dflich ist noch &#8222;Angela&#8220; zu nennen, eine Lennon-Ono-Komposition \u00fcber die Black Panther-Aktivistin Angela Davis. Dieser musikalisch orientierungslos umher irrende Song wird von John und Yoko unisono gesungen, ohne dabei harmonisch zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;New York City&#8220; ist ein kerniger, typischer Lennon-Rock&#8217;n&#8217;Roll. Er erinnert musikalisch und durch seinen tagebuchartigen Text ein wenig an &#8222;The Ballad Of John &amp; Yoko&#8220;, ohne allerdings dessen Qualit\u00e4t zu erreichen. In Blues-Gefilde begab sich Lennon wieder mit &#8222;John\u00a0 Sinclair&#8220;. Sinclair war ein im Untergrund t\u00e4tiger Schriftsteller und Dichter (und sp\u00e4ter Manager der Band MC5), der zu 10 Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt wurde, weil er verdeckten Ermittlern der Polizei zwei Joints verkaufte. Der ganz von einer im Slide-Stil gespielten Dobro-Gitarre gepr\u00e4gte Song m\u00fcndet in der monoton wiederholten und aufgrund dessen nervigen Forderung, Sinclair endlich freizulassen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Gotta, gotta, gotta, gotta, gotta, gotta, gotta, gotta, gotta, gotta, gotta, gotta, gotta, gotta set him free.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Some Time In New York City&#8220; bot neben der Studio-LP noch ein Bonus-Album, das Liveaufnahmen aus dem Londoner Lyceum und aus dem New Yorker Fillmore East enthielt. Beim Londoner Auftritt der Plastic Ono Band (der damals u.a. George Harrison, Eric Clapton, Billy Preston und Klaus Voormann angeh\u00f6rten) am 15. Dezember 1969 wurde eine packende Version von &#8222;Cold Turkey&#8220; und eine weitere &#8222;Don&#8217;t Worry, Kyoko&#8220;-Tortur gespielt. &#8222;Well&#8220;, &#8222;Jamrag&#8220;, &#8222;Scumbag&#8220; und &#8222;Au&#8220; stammen von einem Gastauftritt von John und Yoko bei einem Konzert von Frank Zappa im Fillmore East am 6. Juni 1971. Allenfalls Johns Version von &#8222;Well (Baby, Please Don&#8217;t Go)&#8220; ist ertr\u00e4glich. Der Rest ist das \u00fcbliche Gem\u00e4he und Gekr\u00e4he.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kritik ging mit dem Album hart ins Gericht. Der &#8222;Musikexpress&#8220; schildert es r\u00fcckblickend als &#8222;bestenfalls unbeholfen, h\u00f6lzern und schw\u00fclstig, getr\u00e4nkt von einer aus zweiter Hand bezogenen, halb verdauten Emp\u00f6rung, die seine Songs sperrig und ungeschickt wirken l\u00e4sst statt schneidend und leidenschaftlich&#8220;. Mehr ist dem kaum hinzuzuf\u00fcgen, au\u00dfer vielleicht, dass Lennon sich zu allem \u00dcberfluss mit den Nobodys von &#8222;Elephant&#8217;s Memory&#8220; von einer Band begleiten lie\u00df, die mit ihm \u00fcberhaupt nicht harmonierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Backkatalog Lennons wird nach und nach remastert und in liebevoll gemachten Editionen neu auf den Markt gebracht. Was sich Yoko Ono bzw. EMI \/ Capitol dabei gedacht haben, im Falle von &#8222;Some Time In New York City&#8220; auf &#8222;Jamrag&#8220;, &#8222;Scumbag&#8220; und &#8222;Au&#8220; zu verzichten und statt dessen &#8222;Happy Xmas (War Is Over&#8220;) und &#8222;Listen The Snow Is Fallig&#8220; hinzuzuf\u00fcgen &#8211; das bleibt ein R\u00e4tsel. Wenn auch &#8222;Some Time In New York City&#8220; alles andere als ein Ruhmesblatt in Lennons Solokarriere darstellt, so sind Sammler doch an Vollst\u00e4ndigkeit interessiert. So muss im Zweifelsfall nach der CD-Erstauflage Ausschau gehalten werden, weil diese noch alle Tracks des Doppelalbums enthielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anspieltipps:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woman Is The Nigger Of The World, New York City, Cold Turkey<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bewertung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><small><span style=\"font-family: Arial;\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 16px; height: 16px;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/john.gif\" \/><img decoding=\"async\" style=\"width: 16px; height: 16px;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/john.gif\" \/><\/span><\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pressestimmen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Lennon, you&#8217;re a pathetic, ageing revolutionary&#8220;\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; New Musical Express<br \/>\n&#8222;Dense, shambolic, strident &#8211; but at least he cared. The critics didn&#8217;t.&#8220;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; MOJO<br \/>\n&#8222;Weniger Pop als vertonte Agitation. Und die ist &#8230; naturgem\u00e4\u00df platt, auch wenn ein Beatle sie ausbr\u00fctet.&#8220;\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; Good Times<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Some Time In New York City Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 15. 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