{"id":306,"date":"2014-01-30T18:06:31","date_gmt":"2014-01-30T18:06:31","guid":{"rendered":"http:\/\/lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=306"},"modified":"2014-03-14T17:54:18","modified_gmt":"2014-03-14T17:54:18","slug":"1973-band-on-the-run","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=306","title":{"rendered":"1973 &#8211; &#8222;Band On The Run&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 300px; height: 300px;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/botr.jpg\" \/><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Band On The Run<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 03. Dezember 1973<br \/>\nLP: Capitol 1C 062 &#8211; 05503 (Deutschland)<br \/>\nCD: EMI 0777 7 89240 2 9 (Digitally Remastered)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Titel:<br \/>\nBand On The Run \/ Jet \/ Bluebird \/ Mrs.Vandebilt \/ Let Me Roll It \/ Mamunia \/ No Words \/ Picasso&#8217;s Last Words (Drink To Me) \/ Nineteen Hundred And Eighty Five<br \/>\nBonus Tracks auf der remasterten CD: Helen Wheels \/ Country Dreamer<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fall von Paul McCartneys Schaffen als Ex-Beatle gibt es sowohl unter Fans als auch Kritikern kaum gr\u00f6\u00dfere \u00dcbereinstimmung: &#8222;Band On The Run&#8220; stellt die endg\u00fcltige R\u00fcckkehr zu Pauls legend\u00e4ren Songschreiber-Qualit\u00e4ten dar und wird als das Meisterwerk seiner Karriere nach den Beatles angesehen. 1973 war ein \u00fcberaus aktives Jahr f\u00fcr die McCartneys, die ja nebenbei noch ihren Verpflichtungen als Eltern nachkommen mussten. Doch Musik und Privates brachten sie stets souver\u00e4n unter einen Hut. Nach dem aufw\u00e4ndigen Fernseh-Special &#8222;James Paul McCartney&#8220;, der England-Tour 1973 und dem enormen Erfolg mit dem James Bond-Song &#8222;Live And Let Die&#8220; zogen sich Paul und Linda auf ihre schottische Farm zur\u00fcck und begannen sogleich mit der Weiterarbeit an neuen Songs. Schon w\u00e4hrend der Tour hatte die Band neues Material geprobt. F\u00fcr die Aufnahmen zum neuen Album w\u00fcnschte sich Paul McCartney einen exotischen Ort und informierte sich daher, in welchen L\u00e4ndern bzw. St\u00e4dten die EMI \u00fcber Studios verf\u00fcgt. In engerer Auswahl standen Bombay, Rio de Janeiro, Peking und Lagos. Die Entscheidung fiel schlie\u00dflich auf Lagos in Nigeria, denn Paul McCartney hatte die Erwartung, dort einfach nur den Sonnenschein zu genie\u00dfen, fremde Kl\u00e4nge und Rhythmen in sich aufzunehmen und sich abends mit den Wings f\u00fcr Aufnahmen ins Studio zu begeben. Doch es sollte anders kommen. V\u00f6llig anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenige Tage vor der Abreise nach Lagos erkl\u00e4rte Henry McCullough seinen Abschied von der Band. Ausl\u00f6ser war ein Gitarrenpart f\u00fcr einen unbekannten Song von Denny Laine, den er sich weigerte zu spielen. Insgesamt unzufrieden mit der musikalischen Ausrichtung der Wings hielt er es f\u00fcr besser, der Band den R\u00fccken zu kehren.\u00a0 Zu allem \u00dcberfluss teilte Schlagzeuger Denny Seiwell am Abend vor dem Start nach Lagos mit, dass auch er nicht gewillt sei mitzukommen. Dass die Wings innerhalb k\u00fcrzester Zeit vom Quintett zum Trio schrumpften, lie\u00df Paul McCartney nicht verzweifeln. Er verk\u00fcndete kurzerhand, dass er den Schlagzeugpart \u00fcbernehmen w\u00fcrde und machte sich zusammen mit Linda, Denny Laine und dem langj\u00e4hrigen Toningenieur Geoff Emerick auf den Weg Richtung Zentralafrika. Die Gruppe wurde in dem von einem Milit\u00e4rregime regierten Nigeria keineswegs mit offenen Armen empfangen. \u00dcberall bewaffnete Regierungstruppen und auch die nigerianischen Musiker begegneten Paul McCartney mit Argwohn. Sie bef\u00fcrchteten, er sei gekommen um ihnen ihre Kultur und Ideen zu rauben. Als R\u00e4delsf\u00fchrer entpuppte sich dabei Fela Kuti, ein nigerianischer Saxophonist und Bandleader und dar\u00fcber hinaus Mitbegr\u00fcnder des Afrobeats. Es dauerte lange, bis McCartney ihn vom Gegenteil \u00fcberzeugen konnte. Auch der ehemalige Cream-Schlagzeuger Ginger Baker war angefressen, als er erfuhr, dass McCartney nicht plante, das komplette Album in Bakers nigerianischen ARC-Studio in Ikeja aufzunehmen. Dar\u00fcber hinaus war das EMI-Studio selbst leider nicht auf dem technisch aktuellsten Stand. Genug der Widrigkeiten? Mitnichten. Als die Wings-Sessions gerade anliefen, beschlossen Paul und Linda entgegen entsprechender Warnungen, einen abendlichen Spaziergang zu unternehmen. Sie wurden von einem Wagen verfolgt, aus dem eine Weile sp\u00e4ter f\u00fcnf M\u00e4nner sprangen und das prominente Paar \u00fcberfielen. Sie setzten Paul ein Messer an den Hals und in Lebensangst r\u00fcckten die McCartneys alles heraus, was sie bei sich trugen: Geld, Schmuck, Kamera und leider auch Kassetten mit Demo-Aufnahmen der neuen Songs. Offenbar wussten die Gangster nicht, wen sie da am Wickel hatten, denn die B\u00e4nder tauchten nie wieder auf.\u00a0 Pech f\u00fcr McCartney, denn die Tapes enthielten u.a. Aufnahmen von &#8222;Jet&#8220;, &#8222;Let Me Roll It&#8220; und die bis heute nur von Rod Stewart ver\u00f6ffentlichte McCartney-Komposition &#8222;Mine For Me&#8220;. So musste Paul versuchen, alles genau zu rekonstruieren, was auf diesen B\u00e4ndern aufgenommen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen ersten Vorgeschmack auf das Album bekam das Publikum mit der Single &#8222;Helen Wheels&#8220;. Dieses unspektakul\u00e4re St\u00fcck in der Tradition von &#8222;Hi, Hi, Hi&#8220; oder auch &#8222;Get Back&#8220; ist kurioserweise benannt nach einem Auto. Paul McCartneys Land Rover, um pr\u00e4zise zu sein. In einem Wortspiel auf &#8222;Hell On Wheels&#8220; taufte Paul den Wagen &#8222;Helen Wheels&#8220; und beschreibt im Song die Fahrt von Schottland nach London. In England und den USA erreichte der Song die Top 10, doch nur der US-Ausgabe des &#8222;Band On The Run&#8220;-Albums ist &#8222;Helen Wheels&#8220; zugef\u00fcgt worden. Erst f\u00fcr die remasterte CD wurde der Song auch f\u00fcr den Rest der Welt dem Album hinzugef\u00fcgt. Er\u00f6ffnet aber wird das Album durch den Titelsong &#8222;Band On The Run&#8220;. Dieser majest\u00e4tische, komplex arrangierte Song geht inhaltlich zur\u00fcck auf die juristischen Querelen im Zuge der Aufl\u00f6sung der Beatles, als sich Paul McCartney w\u00fcnschte, am liebsten so schnell wie m\u00f6glich den \u00c4rger hinter sich zu lassen. Dabei griff McCartney eine \u00c4u\u00dferung George Harrisons auf (&#8222;&#8230; if I ever get out of here&#8220;) und schrieb den Song um dieses Zitat herum. Dabei w\u00e4hlte er, wie f\u00fcr ihn typisch, zus\u00e4tzlich auch eine fiktive Figur wie Sailor Sam (der \u00fcbrigens auch in &#8222;Helen Wheels&#8220; auftaucht). Vom Aufbau her ist &#8222;Band On The Run&#8220; geschickt in drei Teile gegliedert: Zun\u00e4chst beklagt das lyrische Ich &#8211; zu verhaltener musikalischer Begleitung &#8211; die Gefangenschaft und die damit verbundene Trennung von den Lieben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Stuck inside these four walls<br \/>\nSent inside for ever<br \/>\nNever seeing no one, nice again<br \/>\nLike you, mama<br \/>\nYou, mama &#8230; you &#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann wird die Musik aggressiver. Schwere Gitarren kommen dazu, der Wille auszubrechen und dem Ganzen zu entkommen, nimmt immer klarere Formen an:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;If I ever get out of here<br \/>\nThought of giving it all away.<br \/>\nTo a registered charity<br \/>\nAll I need is a pint a day<br \/>\nIf I ever get out of here<br \/>\n(If we ever get out of here).&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuletzt wird betont, dass dies nicht nur der Gedanke eines Einzelnen ist. Das lyrische Ich hat Komplizen und zu befreienden orchestralen T\u00f6nen und m\u00e4chtigen Akkorden der Akustikgitarren beginnt der dritte Abschnitt &#8211; der Ausbruch:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Well the rain exploded with a mighty crash<br \/>\nAs we fell into the sun<br \/>\nAnd the first one said to the second one there<br \/>\nI hope you&#8217;re having fun.<br \/>\nBand on the run, band on the run &#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Flucht schlie\u00dflich gelingt und weder dem Gef\u00e4ngnisw\u00e4chter, der Polizei noch dem Landesrichter gelingt es, den Geflohenen auf die Spur zu kommen. &#8222;Band On The Run&#8220; geh\u00f6rt bis heute zu den bekanntesten Solotiteln Paul McCartneys und schon dieser erste Albumtitel war Beleg daf\u00fcr, dass McCartney endg\u00fcltig zu alter Songschreiber-Form zur\u00fcckgefunden hatte. &#8222;Jet&#8220;, der n\u00e4chste Song, kommt ordentlich rockend daher und wurde an einem sonnigen Tag in Schottlands freier Natur geschrieben. Einige der Welpen von McCartneys Hirtenhund Martha tollten herum. W\u00e4hrend er den Song schrieb, fand er &#8222;Jet&#8220;, den Namen eines Welpen, passend als Songtitel. Doch dar\u00fcber hinaus stellt &#8222;Jet&#8220; einen der McCartney-Texte dar, die sich schwer interpretieren lassen. Die Musik freilich spricht f\u00fcr sich und rei\u00dft den H\u00f6rer mit. Wie auch bei &#8222;Band On The Run&#8220; ist hier das sogenannte Pitch-Bending von Lindas Synthesizer deutlich eingesetzt und kontrastiert reizvoll mit starken Bl\u00e4ser- und Gitarrenpassagen. Als Single ausgekoppelt erreichte &#8222;Jet&#8220; mit Leichtigkeit die Top 10 auf beiden Seiten des Atlantiks und auch Paul McCartney selbst mochte und mag seinen Song. Bis heute setzt er ihn gerne bei Konzerten auf die Setliste &#8211; wegen des aufpeitschenden Charakters bevorzugt f\u00fcr den Anfang seiner Auftritte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eben noch kraftvoll rockend, geht es bei &#8222;Bluebird&#8220; mit einer Art folkigen Nachtclub-Song weiter. \u00c4hnlichkeiten mit McCartneys Beatles-Nummer &#8222;Blackbird&#8220; (&#8222;White Album&#8220;, 1968) liegen auf der Hand, doch zeichnet &#8222;Bluebird&#8220; nicht zuletzt durch den Percussion-Einsatz eine relaxte Atmosph\u00e4re aus, die in der l\u00e4ndlichen Romantik von &#8222;Blackbird&#8220; so nicht vorkommt (mit dem nigerianischen Percussionisten Remi Kabaka ist hier \u00fcbrigens der einzige afrikanische Musiker auf dem Album vertreten). Kurz nach dem coolen Saxophonsolo gibt es eine absteigende Tonfolge auf den tiefen Saiten der Akustik-Gitarren, die merkw\u00fcrdig disharmonisch klingt. Beabsichtigt oder nicht, auf dem wenige Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichten Live-Album &#8222;Wings Over America&#8220; entsteht dieser Eindruck bei &#8222;Bluebird&#8220; nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste Titel, &#8222;Mrs. Vandebilt&#8220; gibt erneut R\u00e4tsel auf. Es bleibt unklar, ob der Song auf ein Mitglied der US-amerikanischen Million\u00e4rsdynastie Vanderbilt (mit &#8222;r&#8220;) anspielt oder ob es sich um eine der vielen McCartneyschen Fantasiefiguren handelt. Das wenig bekannte Wings-St\u00fcck ist aufgrund seiner humorvollen Grundstimmung und Leichtf\u00fc\u00dfigkeit ein kurzweiliges H\u00f6rvergn\u00fcgen. Insbesondere die immer wieder auftauchenden &#8222;Ho Hey Ho&#8220;-Zwischenrufe verleiten zum spontanen Mittr\u00e4llern. Nur ein Mal tritt in &#8222;Mrs. Vandebilt&#8220; ein Tempowechsel auf, und zwar sehr reizvoll eingesetzt beim kurzen Gitarrensolo. Wenn auch Paul McCartney bei Konzerten sein Solowerk str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt, so kann man ihm dieses im Bezug auf das &#8222;Band On The Run&#8220;-Album nicht vorwerfen. Drei Songs sind fast immer dabei: &#8222;Band On The Run&#8220;, &#8222;Jet&#8220; und &#8222;Let Me Roll It&#8220;. Letzterer l\u00e4sst sich leicht als gut gemeintes Zitat bzw. Parodie auf den Sound von John Lennons &#8222;Plastic Ono Band&#8220;-Phase verstehen: sparsame Instrumentierung, scharfe Gitarrenriffs, verschleppter Rhythmus und eine Menge Echo f\u00fcr den Leadgesang. McCartney hat nie zugegeben, bei diesem brillanten Slow Rock bewusst Lennon imitiert oder damit gar einen Botschaft an ihn \u00fcbermittelt zu haben. Der Text hingegen l\u00e4sst durchaus Freiraum f\u00fcr die Interpretation, dass McCartney eine Vers\u00f6hnung mit seinem ehemaligen musikalischen Partner anstrebte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;I can&#8217;t tell you how I feel<br \/>\nMy heart is like a wheel<br \/>\nLet me roll it<br \/>\nLet me roll it to you.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Mamunia&#8220; mag sich im ersten Moment wie ein Leichtgewicht anh\u00f6ren. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man aber einen recht netten erz\u00e4hlenden Text mit sch\u00f6nen Zeilen wie:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;You&#8217;ve never felt the rain, my friend<br \/>\nTil you&#8217;ve felt it running down your back.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu gesellt sich ein gro\u00dfartig arrangierter Harmoniegesang. Der Songtitel &#8222;Mamunia&#8220; geht \u00fcbrigens zur\u00fcck auf ein immer noch existierendes Nobelhotel gleichen Namens in Marrakesh. Wie f\u00fcr viele Songschreiber typisch reicht oft ein Wort, um die kreativen Hahn aufzudrehen. Genau dieses passierte Anfang 1973 mit Paul McCartney, als die Wings in Marokko Urlaub machten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;No Words&#8220; wird von Denny Laine und Paul McCartney gemeinsam gesungen und repr\u00e4sentiert die einzige Gemeinschaftkomposition der Beiden auf &#8222;Band On The Run&#8220;. Noch nicht einmal drei Minuten w\u00e4hrt dieser Song. Wenn man mit den Arbeiten von Laine und McCartney gut vertraut ist, lassen sich die Autorenanteile bestimmen: McCartney zeichnete mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit f\u00fcr die Strophen und Mittelteil verantwortlich, Laine f\u00fcr Refrain und die karussellartig kreisende Melodie der Leadgitarre. Nach dem Studioalbum wurde &#8222;No Words&#8220; nur ein Mal wiederbelebt, und zwar f\u00fcr die England-Tournee der Wings im Jahr 1979.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine interessante Geschichte verbirgt sich hinter &#8222;Picasso&#8217;s Last Words&#8220;, dem einzigen in Ginger Bakers Studio aufgenommenen Albumtitel: Im &#8222;TIME&#8220;-Magazin erschien Anfang 1973 ein Artikel \u00fcber die letzten Tage im Leben des gro\u00dfen spanischen K\u00fcnstlers Pablo Picasso. Darin waren seine letzten Worte dokumentiert: &#8222;Drink to me, drink to my health &#8230; you know I can&#8217;t drink anymore&#8220;. Im weiteren Verlauf des Jahres 1973 trafen sich die McCartneys auf Jamaica mit dem Schauspieler Dustin Hoffman, der zu dieser Zeit gerade in der N\u00e4he den Klassiker &#8222;Papillon&#8220; drehte. Hoffman fragte McCartney, wie dieser beim Songschreiben vorginge. Paul McCartney konnte keine auf Logik basierende Anwort geben und meinte, die Lieder seien &#8222;pl\u00f6tzlich da&#8220;. Wenige Augenblicke sp\u00e4ter unterhielten sie sich \u00fcber Picasso und in diesem Zusammenhang erz\u00e4hlte Hoffman vom &#8222;TIME&#8220;-Artikel und die \u00fcberlieferten letzten Worte Picassos, die ihn so faszinierten. Im n\u00e4chsten Moment griff sich der Ex-Beatle Papier, Stift und Gitarre und komponierte drauf los. Dustin Hoffman war sprachlos vor Begeisterung. &#8222;Picasso&#8217;s Last Words&#8220; dreht sich nun tats\u00e4chlich ausschlie\u00dflich um die letzten Stunden Picassos. Die ersten Strophe und der Refrain werden zu gleichen Anteilen vom Trio Paul, Linda und Denny gesungen, dann \u00fcbernimmt Paul den Leadgesang. Wohlige Schunkelstimmung kommt auf, bevor nach anderthalb Minuten ein \u00fcberraschendes Zwischenspiel mit Klarinette und franz\u00f6sischen Gespr\u00e4chsfetzen folgt. Ungew\u00f6hnlich auch der sich anschlie\u00dfende Tempowechsel mit einer zarten Wiederkehr von &#8222;Jet&#8220;, das geschickt in den nun von Streichern untermalten Refrain von &#8222;Picasso&#8217;s Last Words&#8220; \u00fcbergeleitet wird. Dann ein abermaliges Zwischenspiel (die S\u00e4nger &#8211; gewisserma\u00dfen Picassos G\u00e4ste &#8211; scheinen nun ausgelassen und vom Wein angeheitert zu sein), Refrain und Tempowechsel &#8211; dieses Mal allerdings nicht mit einen &#8222;Jet&#8220;-Zitat, sondern dem markanten &#8222;Ho Hey Ho&#8220; aus &#8222;Mrs. Vandebilt&#8220;, das den Song nun langsam ausklingen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den fantastischen Schlusspunkt des Albums setzt &#8222;Nineteen Hundred And Eighty Five&#8220;. Das Klavier ist hier Leitinstrument und wird von McCartney in der f\u00fcr ihn typisch &#8222;pumpenden&#8220; Weise gespielt (vgl. &#8222;Lady Madonna&#8220; (1968), Outro von &#8222;Rock Show&#8220; (1975),&#8220;Flaming Pie&#8220; (1997)). Den recht sinnfreien Text kann man links liegenlassen, doch der Song an sich zieht den H\u00f6rer in den Bann. Immer wieder sorgen instrumentale Einsch\u00fcbe in diversen Tempi f\u00fcr ein spannendes Arrangement. Vor allem: Dieser Song rockt &#8211; auch ohne die obligatorischen Brat-Gitarren. Nach einer Laufzeit von etwa vier Minuten baut der Titel sukzessive ein bombastisches Finale auf. \u00dcberaus gelungen und effektvoll ist hier das orchestrale Arrangement. Nach dem Schlussakkord erklingt noch einmal der &#8222;Band On The Run&#8220;-Refrain und betont damit die Geschlossenheit und den konzeptionellen Charakter des Albums.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Band On The Run&#8220; gilt heute als Meisterst\u00fcck von Paul McCartney &amp; Wings. Ein Album wie &#8222;Venus And Mars&#8220; reicht an das Niveau des Vorg\u00e4ngers heran und wird von nicht wenigen Wings-Fans sogar bevorzugt, doch &#8222;Band On The Run&#8220; klingt noch ein St\u00fcck geschlossener, enth\u00e4lt eine ganze Reihe von McCartney-Klassikern und genie\u00dft aufgrund der Begleitumst\u00e4nde seiner Entstehung und des bis dahin angekratzten Rufs McCartneys einen Sonderstatus. Das Album erschien auch in einer Quadrophonie-Version und zum 100. Geburtstag der EMI wurde das Album als Doppel-LP in schwerem 180g Vinyl neu aufgelegt. Am interessantesten jedoch ist die CD-Sonderedition zum 25. Jahrestag von &#8222;Band On The Run&#8220; (siehe &#8212;&gt; Link).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Coverfoto wurde von Clive Arrowsmith kreiert, geht allerdings auf eine Idee von Linda McCartney zur\u00fcck. Passend zur Thematik von &#8222;Band On The Run&#8220; zeigt das Bild eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe H\u00e4ftlinge, die offenbar fliehen wollen und nun vom Suchscheinwerfer erfasst werden. In die Rolle der Gefangenen schl\u00fcpften die Wings, &#8222;Dracula&#8220;- und &#8222;Saruman&#8220;-Darsteller Christopher Lee, Schauspielerkollege James Coburn, der britische TV-Moderator Michael Parkinson und verschiedene andere. Es existiert \u00fcbrigens ein interessanter achtmin\u00fctiger Dokumentarfilm zur Entstehung des Covers. Der Schallplatte war ein Poster beigelegt, das 45 Polaroid-Aufnahmen zeigt, die Linda McCartney w\u00e4hrend der Album-Sessions machte. Die Aufnahmen f\u00fcr &#8222;Band On The Run&#8220; fanden von August bis September 1973 in Nigeria statt und wurden von Oktober bis November des gleichen Jahres in London fortgesetzt (A.I.R. Studios und Kingsway Studios). Die Produktion \u00fcbernahm Paul McCartney selbst, der dabei von Geoff Emerick und Tony Visconti unterst\u00fctzt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Charts konnten gro\u00dfe Erfolge verbucht werden. Die &#8222;Band On The Run&#8220;-Single erreichte in den USA Platz 1, in England Platz 3. &#8222;Jet&#8220; kam sowohl in den USA als auch in England auf Rang 7. Das Album selbst verbrachte in den USA vier Wochen und in England sieben Wochen auf Platz 1. Im Jahr 1975 erhielt &#8222;Band On The Run&#8220; einen Grammy f\u00fcr die &#8222;Best Pop Vocal Performance By a Duo, Group or Chorus&#8220; und wurde 1991 in den USA mit dreifach Platin ausgezeichnet. In Deutschland konnten Paul McCartney und Wings weniger triumphieren: zwar Platz 6 f\u00fcr &#8222;Jet&#8220;, doch nur Platz 33 f\u00fcr &#8222;Mrs. Vandebilt&#8220; und &#8222;Helen Wheels&#8220; sowie Platz 15 f\u00fcr das Album &#8222;Band On The Run&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anspieltipps:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Band On The Run \/ Jet \/ Let Me Roll It \/ Bluebird \/ 1985<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bewertung: <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><big><small><big><small><small><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/paul.gif\" \/><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/paul.gif\" \/><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/paul.gif\" \/><\/small><\/small><\/big><\/small><\/big><big><small><big><small><small><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/paul.gif\" \/><\/small><\/small><\/big><\/small><\/big><big><small><big><small><small><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/paul.gif\" \/><\/small><\/small><\/big><\/small><\/big><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pressestimmen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Ein phantasievoll das &#8222;Abbey Road&#8220;-Vorbild variierendes Pop-Meisterwerk, das als k\u00fcnstlerische Wiedergeburt &#8211; die alle Beatles-Fans insgeheim so sehns\u00fcchtig \u00fcber die Jahre erwartet hatten &#8211; enthusiastisch gefeiert wurde.&#8220;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; Stereo 5 \/ 99<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;&#8218;Band On The Run&#8216; comes on as one of the best albums of &#8217;73&#8220;\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; New Musical Express, 19. Januar 1974<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;The finest record yet released by any of the four musicians who were once called The Beatles&#8220;\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; Rolling Stone, 31. Januar 1974<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Band On The Run Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 03. 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