{"id":275,"date":"2014-01-30T17:57:43","date_gmt":"2014-01-30T17:57:43","guid":{"rendered":"http:\/\/lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=275"},"modified":"2014-03-03T06:57:01","modified_gmt":"2014-03-03T06:57:01","slug":"1983-pipes-of-peace","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=275","title":{"rendered":"1983 &#8211; &#8222;Pipes Of Peace&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 300px; height: 300px;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/pipes.jpg\" \/><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Pipes Of Peace<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 31. Oktober 1983<br \/>\nLP: EMI \/ Odeon 1C 064 &#8211; 1652301 (Deutschland)<br \/>\nCD: EMI 0777 7 89226 6 7 (Digitally Remastered)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Titel:<br \/>\nPipes Of Peace \/ Say Say Say \/ The Other Me \/ Keep Under Cover \/ So Bad \/ The Man \/ Sweetest Little Show \/ Average Person \/ Hey Hey \/ Tug Of Peace \/ Through Our Love<br \/>\nBonus Tracks auf der remasterten CD: Twice In A Lifetime \/ We All Stand Together (Full Version) \/ Simple As That<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade mal anderthalb Jahre waren nach &#8222;Tug Of War&#8220; verstrichen und schon stand mit &#8222;Pipes Of Peace&#8220; ein neues McCartney-Album in den Regalen. Das &#8222;Pipes Of Peace&#8220;-Album ist im Wesentlichen f\u00fcr zwei Dinge bekannt: Es enth\u00e4lt mit dem Titelsong und &#8222;Say Say Say&#8220; nicht weniger als zwei Nummer Eins-Hits und gilt dennoch neben &#8222;McCartney II&#8220; als das schw\u00e4chste Album McCartneys in den Achtziger Jahren. Doch eins nach dem anderen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 1980 gab es Ger\u00fcchte um eine m\u00f6gliche Kollaboration von Paul McCartney und Michael Jackson. Beide trafen sich erstmals 1975. Weitere Kontakte gab es nicht. Vier Jahre sp\u00e4ter kam Jacksons &#8222;Off The Wall&#8220;-Album auf den Markt, das eine Coverversion des McCartney-Titels &#8222;Girlfriend&#8220; (siehe &#8222;London Town&#8220;, 1978) enthielt. 1980 kam Jackson wieder in den Fokus des McCartneyschen Interesses, als dieser eine Goldene Schallplatte des &#8222;Off The Wall&#8220;-Albums \u00fcberreicht bekam. Wenig sp\u00e4ter rief Michael Jackson den &#8222;Girlfriend&#8220;-Komponisten an mit dem Vorschlag, gemeinsam ein &#8222;paar Hits&#8220; zu schreiben. Beide kamen nach den &#8222;Tug Of War&#8220;-Aufnahmen von Montserrat im Mai 1981 tats\u00e4chlich zusammen und arbeitet an zwei Titeln: &#8222;Say Say Say&#8220; und &#8222;The Man&#8220;. Beide Songs landeten auf &#8222;Pipes Of Peace&#8220;. Ein gutes Jahr sp\u00e4ter traf man sich wieder und nahm im Gegenzug f\u00fcr Jacksons Magnus Opus &#8222;Thriller&#8220; das bekannte Hit-Duett &#8222;The Girl Is Mine&#8220; auf (mehr dazu zuk\u00fcnftig unter &#8222;Bits And Pieces&#8220;).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Songs, die zur Zusammenstellung von &#8222;Tug Of War&#8220; zur Verf\u00fcgung standen, h\u00e4tten f\u00fcr ein Doppellabum ausgereicht. Gl\u00fccklicherweise beschr\u00e4nkte man sich auf eine Einzel-LP, denn die aussortierten Songs standen qualitativ in jeder Hinsicht auf einer niedrigeren Stufe. Die Zusammenarbeit mit einem Mega-Star wie Michael Jackson legte es nahe, nach dem gepriesenen und erfolgreichen Album &#8222;Tug Of War&#8220; einen Langspieler nachzulegen. Mit den Outtakes von &#8222;Tug Of War&#8220; und den neuen Aufnahmen mit Jackson war nur wenig Arbeit erforderlich, um in kurzer Zeit ein neues Album pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. So begann Paul McCartney im September 1982 in seinem Studio in Sussex an der \u00dcberarbeitung der geplanten Songs f\u00fcr &#8222;Pipes Of Peace&#8220;. Z\u00e4hlt man jedoch alle Aufnahmesessions mit, die am Ende f\u00fcr &#8222;Pipes Of Peace&#8220; relevant waren, so erh\u00e4lt man die Zeitspanne Dezember 1980 bis Juli 1983.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Titelsong macht den Anfang. Aus dem Nichts erklingen expressive Orchesterpassagen [die sehr an Teile von McCartneys &#8222;Standing Stone&#8220;-Symphonie (1997) erinnern] und f\u00fchren die Soundlandschaft im Crescendo aus scheinbarem Chaos zu einem gemeinsamen gewaltigen Akkord aller Instrumente. Nachdem dieser sachte ausklingt, sind McCartney-typische Klavierakkorde zu vernehmen. Dazu ein gesangliches Intro, das melodisch eigentlich nicht zum Rest des Songs passt, aber geschickt konstruiert und erg\u00e4nzt durch indische Tablas am Ende wiederkehrt und so dem Ganzen einen interessanten Rahmen gibt. Damit sind dann aber auch schon fast alle positiven Elemente des Titels genannt, denn Strophen und Refrain sind zwar eing\u00e4ngig, aber leiden an der Naivit\u00e4t und Oberfl\u00e4chlichkeit, die man McCartney allgemein vorwirft. Dieses stereotype Vorurteil verfolgt Paul McCartney bis heute und ist begr\u00fcndet in Songs wie &#8222;Pipes Of Peace&#8220;. Der Friedensappell ist ehrenwert, aber die Umsetzung treibt so manchem Rockfan die Sorgenfalten auf die Stirn. Da tr\u00e4llern Kinderch\u00f6re und der Komponist reiht sich ein mit einem Text, der dem H\u00f6rer weismachen will, dass die Liebe alle Probleme der Welt ausradieren k\u00f6nne. Sicher alles richtig, doch hier fehlt der vielbeschworene Biss und die Tiefe, die Lennons friedensbewegte Songs ausmachen. Dennoch konnte Paul McCartney mit der Singleauskopplung in England wieder eine Nummer 1 verbuchen. F\u00fcr den Singlemix wurde \u00fcbrigens auf das orchestrale Intro verzichtet. Um McCartney nicht unrecht zu tun, sollte vielleicht noch erw\u00e4hnt werden, dass &#8222;Pipes Of Peace&#8220; nicht ohne Grund ein solches Leichtgewicht wurde: Der Jazzmusiker George Melly bat den Ex-Beatle, f\u00fcr ein Kinderhilfswerk einen positiven Song zu schreiben, der Hoffung auf eine Zukunft macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">War es beim Vorg\u00e4ngeralbum noch Stevie Wonder, der durch sein Zutun Paul McCartney zu gro\u00dfem kommerziellen Erfolg verhalf, so arbeitete Paul McCartney auf &#8222;Pipes Of Peace&#8220; abermals mit einem Superstar zusammen: Michael Jackson. Um die Geschichte dieser ungew\u00f6hnlichen Fusion ranken sich mittlerweile Legenden, insbesondere um die sp\u00e4tere &#8222;Feindschaft&#8220; zwischen den Beiden, da Michael Jackson 1985 die Beatles-Songrechte Paul McCartney und Yoko Ono vor der Nase wegschnappte und McCartney selbst derjenige war, der Jackson empfahl, ins Verlagsgesch\u00e4ft einzusteigen. Wie auch immer: F\u00fcr &#8222;Say Say Say&#8220; existierte bereits ein Grundger\u00fcst und McCartney erhoffte sich von Jackson einen Songwriting-Prozess, wie er mit John Lennon in den fr\u00fchen Beatles-Jahren gang und g\u00e4be war: Einer wirft eine Idee ein, der andere nimmt den Faden auf, gibt seinen Input, auf den wiederum der Partner anspringt &#8230; und so weiter. Tas\u00e4chlich war der Song schnell geschrieben, doch die Aufnahmen zogen sich hin bis in den Februar 1983. Musikalisch trieb es &#8222;Say Say Say&#8220; auf die Tanzfl\u00e4chen der Welt. F\u00fcr McCartney g\u00e4ngige Instrumente wie Gitarre und Klavier spielten bei diesem Song nur eine sehr untergeordnete bzw. gar keine Rolle &#8211; statt einer ausgefeilten Melodie erh\u00e4lt der Rhythmus den Vorzug. Die eing\u00e4ngige Nummer wird von einer Bl\u00e4sergruppe vorangetrieben, wobei sich McCartney und Jackson den Gesang gleichm\u00e4\u00dfig aufteilen. Wohl kaum vorher und nachher hat jemals ein musikalischer Mitstreiter auf einem McCartney-Album einem Song so konsequent seinen Stempel aufgedr\u00fcckt. Nat\u00fcrlich wurde &#8222;Say Say Say&#8220; als Single ausgekoppelt und im Windschatten von Jacksons weltweitem Erfolg war es ebenso selbstverst\u00e4ndlich, dass der Song die Spitzen der Charts erklomm: Platz 1 in den USA und Platz 2 in England war schon ein gro\u00dfer Wurf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;The Other Me&#8220; l\u00e4sst auf den ersten Blick den Schluss zu, hier k\u00f6nne es sich um einen spannenden Text handeln, in dem Paul McCartney Geheimnisse \u00fcber sein anderes Ich offenbart. Doch auch dieser Song bleibt eher allgemein und an der Oberfl\u00e4che. Gesetzt den Fall, dass es hier um die Eheleute McCartney geht, so beschreibt Paul sich selbst als Romantiker, der zwar gerne anders w\u00e4re, aber von Linda (als Realistin) stets auf den Boden der Tatsachen zur\u00fcckgeholt werden muss, wenn er sich mal wieder nicht \u00fcber die Konsequenzen seines Handelns bewusst war. Der Text sorgt f\u00fcr den einen oder anderen Schmunzler, weil McCartney (nicht zum ersten Mal) nach dem &#8222;Reim-dich-oder-ich-fress-dich&#8220;-Prinzip vorgeht (wie verh\u00e4lt sich eigentlich ein M\u00fclleimer-Deckel?):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eI know I was a crazy fool<br \/>\nFor treating you the way I did<br \/>\nBut something took a hold of me<br \/>\nAnd I acted like a dustbin lid.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch der Song hat durchaus seine Attraktivit\u00e4t. Im Gegensatz zu anderen St\u00fccken des Albums, die ein wenig gek\u00fcnstelt wirken, wei\u00df &#8222;The Other Me&#8220; durch seine Unbek\u00fcmmertheit, durch \u00fcberzeugenden Gesang und einen beschwingten Refrain zu gefallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Zweifel ist &#8222;Keep Under Cover&#8220; ein Highlight des Albums. Schon w\u00e4hrend der letzten Wings-Sessions 1980 entstanden erste Demos dieser Komposition. F\u00fcr &#8222;Tug Of War&#8220; nahm Paul McCartney im heimischen &#8222;Rude Studio&#8220; ein weiteres Solo-Demo auf, das dann aber offenbar den Anspr\u00fcchen nicht gen\u00fcgte. Doch die Wartezeit tat dem Song gut, denn er enth\u00e4lt viele Spannungsmomente und wirkt wie ein klassischer, rockiger Popsong aus einem Gu\u00df. \u00c4hnlich wie beim Titelst\u00fcck erh\u00e4lt &#8222;Keep Under Cover&#8220; eine in sich geschlossene gesangliche Einleitung, bevor dann pl\u00f6tzlich das Stakkato mehrerer Streicher den Song ins Rollen bringen. Immer wieder unterbrechen die Streicher den Fluss und leiten raffiniert in die n\u00e4chste Strophe. Im Mittelteil dann schlie\u00dflich eine kurze, aber m\u00e4chtige Orchester-Breitseite, die in ein schneidendes Gitarrensolo McCartneys \u00fcbergeleitet wird. Dann zieht das Tempo an; Streicher und E-Gitarre treiben unisono voran, und verstummen schlagartig &#8211; zugunsten eines \u00fcberraschenden Schlusspunkts. Eine runde Sache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einem ordentlichen und einem guten Song stellt &#8222;So Bad&#8220; wieder einen Tiefpunkt dar. Diese Ballade, als B-Seite von &#8222;Pipes Of Peace&#8220; erschienen (in den USA sogar als A-Seite), zeigt McCartney von seiner seichtesten Seite. Gr\u00f6\u00dftenteils im Falsett vorgetragen, strotzt der Text vor Banalit\u00e4ten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eGirl, I love you, yes, I love you so bad<br \/>\nAnd she said, boy, I love you<br \/>\nBoy, I love you so bad.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lichtjahre von lyrischen Meisterleistungen wie &#8222;Here, There And Everywhere&#8220;, &#8222;Eleanor Rigby&#8220; oder sp\u00e4ter auch &#8222;Cafe On The Left Bank&#8220; entfernt, bietet Paul McCartney seinen Kritikern wieder massig Angriffsfl\u00e4che. Auch gekonnte Bassfills und ein Promotionvideo, in dem auch Ringo Starr mitwirkte, k\u00f6nnen nicht dar\u00fcber hinwegtr\u00f6sten: &#8222;So Bad&#8220; zieht das Niveau von &#8222;Pipes Of Peace&#8220; merklich herunter. Eine interessante Coverversion gibt es allerdings von der amerikanischen S\u00e4ngerin Lindsay Pagano, an der auch Paul McCartney beteiligt gewesen sein soll. In der Tat passt der Song eher zu einer weiblichen Stimme oder eben zu &#8211; Michael Jackson.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau mit diesem geht es auf &#8222;The Man&#8220; weiter. Auch wenn es Aussagen von McCartney gibt, dass er den Song praktisch fertig hatte und nur noch ein wenig Unterst\u00fctzung beim Text brauchte: Die Strophen tragen klar erkennbar Paul McCartneys Handschrift, w\u00e4hrend der Refrain auf jedem Michael Jackson-Album vorstellbar w\u00e4re. &#8222;The Man&#8220; ist durchdachter als &#8222;Say Say Say&#8220; und diese nette Nummer h\u00e4tte sicherlich gro\u00dfe M\u00f6glichkeiten in den Charts gehabt. Die geplante Single wurde jedoch zur\u00fcckgezogen (und erschien auch danach nicht), als im Januar 1984 Paul und Linda McCartney wieder einmal durch den Besitz von Cannabis in die Negativschlagzeilen gerieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Sweetest Little Show&#8220; stammt ebenso wie der medleyartig damit verbundene Song &#8222;Average Person&#8220; aus den Reservoir der &#8222;Rude Studio Demos&#8220;. Recht komplex arrangiert kommt &#8222;Sweetest Little Show&#8220; daher und wird wie eine Countryrock-Ballade eingeleitet. Nach diesem kurzen Moment folgt allerdings typische McCartney-Midtempo-Tondichtung. Sehr sch\u00f6n ist hier der instrumentale Mittelteil, ganz von akustischen Gitarren getragen. Hinzugemischter Applaus verbindet diesen Einschub mit dem Rest des Songs.\u00a0 Bemerkenswert ist diese Textpassage:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eYou&#8217;ve been around a long time<br \/>\nBut you&#8217;re still good for a while<br \/>\nAnd if they try to criticise you<br \/>\nMake them smile, make them smile.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz sicher eine autobiographische Aussage, denn schon Anfang der Achtziger Jahre hatte Paul McCartney eine unglaubliche Karriere hinter sich. Kritik an ihm lie\u00df trotz (oder gerade wegen?) des Erfolgs nicht nach. Aber anstatt sich davon einsch\u00fcchtern zu lassen, schaut McCartney l\u00e4chelnd nach vorn, weil er wei\u00df, dass sein kreatives Feuer l\u00e4ngst noch nicht erloschen ist. Das unersch\u00fctterliche Selbstvertrauen macht einen wichtigen Teil der Pers\u00f6nlichkeit McCartneys aus. Als ihm 1986 der Ehrenpreis der American Music Awards verliehen wurde, sprach ihm Pete Townshend in einem Gru\u00dfwort genau daf\u00fcr seine Bewunderung aus. Egal, ob Paul McCartney erfolgreich ist oder versagt: Er macht sein Ding.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Average Person&#8220; ist zwei Mal aufgenommen worden. Die erste Version &#8211; mit Denny Laine an Gitarre und Harmoniegesang und Schlagzeuger Dave Mattacks &#8211; sollte auf der &#8222;Tug Of War&#8220;-LP dem Titelsong folgen, doch McCartney entschied sich f\u00fcr &#8222;Take It Away&#8220;. Tas\u00e4chlich klingt &#8222;Average Person&#8220; zu Beginn wie ein Ableger von &#8222;Take It Away&#8220;. Diese neue Aufnahme, diesmal mit Ringo Starr am Schlagzeug, kann in Sachen Melodie und Aufbau &#8222;Take It Away&#8220; nicht ganz das Wasser reichen, z\u00e4hlt aber dennoch zu den h\u00f6rbareren St\u00fccken von &#8222;Pipes Of Peace&#8220;. Zu einem flotten Rhythmus, satten Bl\u00e4sern und knackigen Gitarren hat Paul McCartney einen interessanten Text geschrieben, in welchem es darum geht, dass Durchschnittsb\u00fcrger wie ein Fernfahrer oder eine Kellnerin zwar pflichtbewusst ihren Job aus\u00fcben, aber beruflich gerne andere Tr\u00e4ume verwirklicht h\u00e4tten (in diesem Fall Zoow\u00e4rter und Schauspielerin):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWell, I&#8217;m talking to a former engine driver<br \/>\nTrying to find out what he used to do<br \/>\nTells me that he always kept his engine<br \/>\nSpit and polished up as good as new<br \/>\nBut he said his only great ambition<br \/>\nWas to work with lions in a zoo.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der die Strophen verbindende instrumentale Mittelteil ist f\u00fcr sich genommen zwar sch\u00f6n (auch hier ist das Bassspiel hervorzuheben), wirkt aber ein wenig unpassend. Wie fast alle Songs auf &#8222;Pipes Of Peace&#8220; ist auch &#8222;Average Person&#8220; produktionstechnisch zu \u00fcberladen. Weniger Soundeffekte und ein erdiger Sound h\u00e4tten dem Song besser zu Gesicht gestanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Musikalische Meterware folgt mit dem Instrumental &#8222;Hey Hey&#8220;, das auf eine Jam-Session mit dem Jazzbassisten Stanley Clarke zur\u00fcckgeht. Trotz dem Zusammenspiels zweier Ausnahmebassisten kommt &#8222;Hey Hey&#8220; nicht \u00fcber den Status einer durchschnittlichen Improvisation hinaus. Gleiches gilt f\u00fcr das langweilige &#8222;Tug Of Peace&#8220;, das thematisch nat\u00fcrlich mit &#8222;Tug Of War&#8220; korrespondiert. Paul McCartney zitiert hier sogar die &#8222;What with one thing and another \/ It&#8217;s a tug of war&#8220;-Zeile sowie das &#8222;pushing \/ pulling&#8220;, aber man fragt sich wirklich, was Paul und Produzent George Martin sich dabei gedacht hatten, diese beiden Titel in den &#8222;Pipes Of Peace&#8220;-Songzyklus aufzunehmen. Entweder gab es kein besseres Material, oder McCartney fehlten Zeit bzw. Interesse, an hochwertigeren Ideen zu arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vers\u00f6hnlicher stimmt dann wieder die gro\u00dfe Ballade des Albums &#8222;Through Our Love&#8220;. Die Grenzen zum Kitsch werden gef\u00e4hrlich umschifft, ohne Zweifel, doch die Romantik des Songs &#8211; eine erneute aufrichtige Liebeserkl\u00e4rung an Linda &#8211; nimmt den H\u00f6rer f\u00fcr sich ein. Am stimmungsvollsten wird &#8222;Through Our Love&#8220; ab 1:35 Min. mit dem symphonischen Mittelteil. Das Orchester-Arrangement vermittelt eine feierliche, ja majest\u00e4tische Stimmung. Der Song zieht tempom\u00e4\u00dfig ein wenig an und Paul McCartney erreicht stimmliche H\u00f6hen (ohne seine ber\u00fcchtigten, gestelzt wirkenden Falsett-Ausfl\u00fcge), wie er sie danach wohl nie mehr erreichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Bonustracks: &#8222;Twice In A Lifetime&#8220; ist ein ebenfalls von George Martin produzierter Song, den McCartney f\u00fcr den gleichnamigen Film mit Gene Hackman und Ann-Margret schrieb (dt. Titel &#8222;Zweimal im Leben&#8220;, 1985). Dieses gute, aber weitgehend unbeachtete Midlife-Crisis-Drama handelt von einem Stahlarbeiter (Hackman) in Seattle, der sich nach 30j\u00e4hriger, scheinbar gl\u00fccklichen Ehe neu verliebt und eine ausgewachsene Krise erlebt. Der Text dieser leicht \u00fcberzuckerten Ballade ist eher allgemein gehalten und l\u00e4sst Interpretationen in diese Richtung offen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201cTwice in a lifetime<br \/>\nIs one of those unspoken dreams<br \/>\nWe usually reserve for fantasy.<br \/>\nWho knows how we find love<br \/>\nStop before you give your answer<br \/>\nWho knows when a mystery begins.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Soundtrack-Song schlie\u00dft sich mit &#8222;We All Stand Together&#8220; an. Paul McCartney ist seit seinen Kindertagen ein Fan des wei\u00dffelligen B\u00e4ren Rupert. Seit 1920 gibt es die &#8222;Rupert The Bear&#8220;-Bildergeschichten, die sich noch heute in England gro\u00dfer Beliebtheit erfreuen. Zusammen mit Paul McCartney wurde der Trickfilm &#8222;Rupert And The Frog Song&#8220; entwickelt, doch schon zu Wings-Zeiten arbeitete Paul McCartney an einem bis heute unver\u00f6ffentlichten &#8222;Rupert&#8220;-Soundtrack-Album. &#8222;We All Stand Together&#8220; hingegen wurde zwischen Oktober und November 1980 aufgenommen. George Martin fungierte als Produzent schuf ein vorz\u00fcgliches Orchester-Arrangement, das von dem St. Paul&#8217;s Boys Choir und den ber\u00fchmten King&#8217;s Singers gesanglich unterst\u00fctzt wurde. Paul McCartney steuerte Keyboards und den Leadgesang hinzu und lie\u00df es sich nicht nehmen, in einigen Passagen wie ein Tenor zu &#8222;kn\u00f6deln&#8220;. Dazu In England als Single ver\u00f6ffentlicht, wurde &#8222;We All Stand Together&#8220; zum gro\u00dfen Hit und erreichte im Dezember 1984 als h\u00f6chste Chartposition Platz 3. Wenn man sich einmal auf diese musicalartige Komposition f\u00fcr kleine und gro\u00dfe Kinder eingelassen hat, so kann man sich genussvoll zur\u00fccklehnen und in den gef\u00fchlvollen Melodien und der gro\u00dfartigen Produktion schwelgen. 1985 wurde &#8222;We All Stand Together&#8220; mit dem Ivor Novello Award f\u00fcr die beste Filmmusik des Jahres 1984 ausgezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch den letzten Bonus-Track von &#8222;Pipes Of Peace&#8220; zeichnet ein kindlicher Charakter aus: &#8222;Simple As That&#8220;. Dieser Titel wurde 1986 dem &#8222;Anti-Heroin-Project&#8220; zur Verf\u00fcgung gestellt, einer Benefizaktion, an der sich auch Ringo Starr beteiligte. McCartney, seit den 60er Jahren selbst drogenerfahren (auch wenn er wohl bis heute dem Cannabiskonsum nicht abgeneigt ist), sah in seinem Song auch eine p\u00e4dagogische Ma\u00dfnahme und lie\u00df seine leiblichen Kinder Mary, Stella und James die Backing Vocals \u00fcbernehmen. Wie fast immer \u00fcblich, wenn Paul McCartney politische oder ernste Themen in Songs verpackt, so ist das musikalische Gewand nicht aggressiv oder getragen, sondern eher fr\u00f6hlich und positiv. Dies gilt auch f\u00fcr die simple Nummer &#8222;Simple As That&#8220;. Die Aussage ist demnach plakativ und positiv: Wenn du am Leben h\u00e4ngst und dies genie\u00dfen m\u00f6chtest, dann sag Nein zu Drogen, auch wenn dies m\u00f6glicherweise schwer f\u00e4llt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eI know it isn&#8217;t easy to refuse<br \/>\nA lot of thoughts are flying thru&#8216; your head<br \/>\nTell me this before you have to choose<br \/>\nWould you rather be alive or dead?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>It&#8217;s as simple as that<br \/>\nWould you rather be alive or dead<br \/>\nIt&#8217;s as simple as that, it&#8217;s so simple<br \/>\nIt makes you wanna cry.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz prominenter Unterst\u00fctzung von Ringo Starr, 10CC-Mann Eric Stewart (der sp\u00e4ter noch eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen sollte), Stanley Clarke, Steve Gadd und nat\u00fcrlich George Martin konnte das Album &#8222;Pipes Of Peace&#8220; in den Charts nicht ganz an den Erfolg der beiden ausgekoppelten Singles ankn\u00fcpfen: Platz 4 in England und Platz 15 in den USA sprangen dabei heraus. Auch die Musikjournalisten reagierten gr\u00f6\u00dftenteils mit Verrissen, nachdem sie zuvor &#8222;Tug Of War&#8220; noch sehr wohlwollend aufgenommen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch ein Wort zum gelungenen Coverdesign. Die Frontseite zeigt (auf einem Foto von Linda McCartney) eine Ansammlung von Orgelpfeifen und einem indianischen Calumet, die sich um die Chromskulptur &#8222;Van Gogh&#8217;s Chair&#8220; (1966) von Clive Baker gruppieren. Baker zitiert damit das Van Gogh-Gem\u00e4lde &#8222;Stuhl und Pfeife&#8220; von 1888. Den ganzen Bildausschnitt erh\u00e4lt man, wenn das Gatefold-Cover (oder &#8211; v\u00f6llig unromantisch &#8211; das CD-Booklet) aufgeklappt wird. Auf dem Innencover befinden sich sechs Polaroid-Aufnahmen mit den beteiligten Musikern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anspieltipps:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keep Under Cover \/ Sweetest Little Show \/ Average Person \/ Through Our Love<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bewertung:<\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><big><small><big><small><small><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/paul.gif\" \/><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/paul.gif\" \/><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/paul.gif\" \/><\/small><\/small><\/big><\/small><\/big><big><small><big><small><small><\/small><\/small><\/big><\/small><\/big> <strong>&#8211;<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pressestimmen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Say Say Say&#8220;, a bit of funk-lite that made &#8218;Pipes of Peace&#8216; a big seller &#8211; although the album, in fact, was hardly mainstream stuff, one of Paul&#8217;s strangest and subtlest, its novel instrumentation (helped out by the presence of stellar jazz bassist Stanley Clarke) sounds at times like extraterrestrial elevator music.&#8220;\u00a0 &#8211; &#8222;Rolling Stone&#8220; Album Guide *** 1\/2<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pipes Of Peace Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 31. Oktober 1983 LP: EMI \/ Odeon 1C 064 &#8211; 1652301 (Deutschland) CD: EMI 0777 7 89226 6 7 (Digitally Remastered) Titel: Pipes Of Peace \/ Say Say Say \/ The Other Me \/ Keep Under &hellip; <a href=\"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=275\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-275","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/275","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=275"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/275\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":984,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/275\/revisions\/984"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}