{"id":272,"date":"2014-01-30T17:56:56","date_gmt":"2014-01-30T17:56:56","guid":{"rendered":"http:\/\/lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=272"},"modified":"2014-03-03T14:47:46","modified_gmt":"2014-03-03T14:47:46","slug":"1984-give-my-regards-to-broad-street","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=272","title":{"rendered":"1984 &#8211; &#8222;Give My Regards To Broad Street&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 300px; height: 300px;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/broadstreet.jpg\" \/><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Give My Regards To Broad Street<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 22. Oktober 1984<br \/>\nLP: EMI \/ Parlophone 1C 064 &#8211; 2602781 (Deutschland)<br \/>\nCD: EMI 0777 7 89268 2 5 (Digitally Remastered)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Titel:<br \/>\nNo More Lonely Nights (Ballad) \/ Good Day Sunshine &#8211; Corridor Music \/ Yesterday \/ Here, There And Everywhere \/ Wanderlust \/ Ballroom Dancing \/ Silly Love Songs\/Reprise \/ Not Such A Bad Boy \/ So Bad \/ No Values\/No More Lonely Nights \/ For No One \/ Eleanor Rigby &#8211; Eleanor&#8217;s Dream \/ The Long And Winding Road \/ No More Lonely Nights (Playout Version) \/ Goodnight Princess<br \/>\nBonus Tracks auf der remasterten CD: No More Lonely Nights (Extended Version) \/ No More Lonely Nights (Special Dance Mix)<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erneut verging bis zum n\u00e4chsten McCartney-Album nur eine sehr kurze Zeitspanne. H\u00e4tte er mal lieber l\u00e4ngere Pausen gemacht, denn nach den durchwachsenen &#8222;Pipes Of Peace&#8220; brachen im Orwell-Jahr 1984 endg\u00fcltig kommerziell und mitunter auch k\u00fcnstlerisch magere Zeiten an. Wirtschaftlich konnte ein Verkaufsdebakel dem Ex-Beatle nicht das Geringste anhaben, aber der Schaden, den sein Ruf als Komponist und K\u00fcnstler nach &#8222;Give My Regards To Broad Street&#8220; nahm, blieb nicht ganz ohne Wirkung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paul McCartneys Idee, seine Musik mit der Handlung eines abendf\u00fcllenden Films zu kombinieren, geht zur\u00fcck bis ins Jahr 1979. Der britische Dramaturg William Martin Russell (der schon in der Vergangenheit ein St\u00fcck \u00fcber die Beatles namens &#8222;John, Paul, George, Ringo&#8230;&amp; Bert&#8220; schrieb) bekam den Auftrag, ein Drehbuch f\u00fcr einen Fernsehfilm zu schreiben, der einige Songs von Paul McCartney enthalten sollte. Mit dem Ergebnis Russells und den Versuchen weiterer Autoren war Paul unzufrieden, so dass er kurzerhand selbst das Drehbuch verfasste. &#8222;Nicht kleckern, sondern klotzen!&#8220; &#8211; Getreu diesem Motto wurde der Gedanke einer Fernsehproduktion ad acta gelegt: Die Kinoleinwand war das Ziel. An sich keine schlechte Idee, doch der Kardinalfehler bestand darin, dass McCartney bis zum Schluss alle F\u00e4den selbst in der Hand hielt. Offiziell f\u00fchrte Peter Webb Regie, doch es kann als sicher angenommen werden, dass sich McCartney auch in dieses Metier einmischte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paul McCartney ist ein ganz ungew\u00f6hnlich gesegneter K\u00fcnstler, kann aber nat\u00fcrlich nicht zu allen Fragen der Filmkunst eine professionelle und geschmackvolle Einstellung haben. Ruhm und Geschichte Paul McCartneys verliehen sp\u00e4testens nach dem globalen Erfolg der Wings eine Aura der Legende, des Unantastbaren, was dazu f\u00fchrte, dass er stets von vielen Ja-Sagern umgeben war. Niemand wagte es, angebrachte Kritik zu \u00fcben oder andersherum: Paul sah in niemanden eine Herausforderung \u00e0 la Lennon. Es war kein Korrektiv vorhanden, so dass er mehr und mehr in seinem eigenen Kosmos lebte. H\u00e4tte zur rechten Zeit ein Profi (oder besser gleich mehrere) eingegriffen, so w\u00e4re sowohl an den Kinokassen als auch bei der Kritik der Schuss nicht derma\u00dfen nach hinten losgegangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dreharbeiten und Aufnahmesessions f\u00fcr den Soundtrack begannen Ende 1982. Der namhafteste Schauspieler, der f\u00fcr &#8222;Broad Street&#8220; verpflichtet wurde, war der Brite Sir Ralph Richardson, der schon in &#8222;Vier Federn&#8220;, &#8222;Doktor Schiwago&#8220; oder auch in dem von George Harrison produzierten Film &#8222;Time Bandits&#8220; spielte. &#8222;Give My Regards To Broad Street&#8220; sollte sein letzter Film werden, er starb im Oktober 1983. Hingegen gab die Pops\u00e4ngerin Tracy Ullman in &#8222;Broad Street&#8220; ihr Schauspieldeb\u00fct und wirkte sp\u00e4ter sogar in mehreren erfolgreichen Kinofilmen mit, so z.B. &#8222;Jumpin&#8216; Jack Flash&#8220; und &#8222;Schmalspurganoven&#8220;. Dazu kam der Australier Bryan Brown, bekannt durch &#8222;Cocktail&#8220; oder auch &#8222;Gorillas im Nebel&#8220;. Das Kinoplakat listete schlie\u00dflich noch vier weitere &#8222;Schauspieler&#8220; auf: Paul und Linda McCartney sowie Ringo Starr und Barbara Bach. Der Filmtitel ist angelehnt an &#8222;Give My Regards to Broadway&#8220;, ein Song von George M. Cohan aus dessen Musical &#8222;Little Johnny Jones&#8220; von 1904 und an die Londoner Bahnstation &#8222;Broad Street&#8220; (die 1986 geschlossen wurde). Ein konkreter Bezug zur Filmhandlung l\u00e4sst sich nicht erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Handlung ist an die &#8222;A Hard Day&#8217;s Night&#8220;-Story angelehnt &#8211; ein Tag im Leben eines Musik-Superstars: Paul McCartney spielt also sich selbst. Es geht um das Mastertape f\u00fcr ein neues Album, das ein (am Ende bemitleidenswerter) B\u00f6sewicht stiehlt. Die wertvolle Aufnahme muss bis Mitternacht wiederbeschafft werden, da sonst ein skrupelloser Gesch\u00e4ftsmann McCartneys Millionen einsackt. So weit, so wenig spektakul\u00e4r. W\u00e4hrend Ringo Starr in seinen Filmrollen immer eine gute Portion Talent in die Waagschale werfen konnte, wirkt McCartneys Schauspiel unnat\u00fcrlich und aufgesetzt. Die H\u00f6hepunkte des Films sind demzufolge die Musikeinlagen, denn das ist Pauls Profession, hier kann ihm niemand ein X f\u00fcr ein U vormachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vorab im September 1984 ver\u00f6ffentlichte Single &#8222;No More Lonely Nights&#8220; sch\u00fcrte Hoffnungen auf einen gro\u00dfartigen Soundtrack. Immerhin war in Pr\u00e4-Internet-Zeiten l\u00e4ngst noch nicht klar, welche Titel auf dem kommenden Album enthalten sein w\u00fcrden. Allgemeine Entt\u00e4uschung machte sich breit, als durchsickerte, dass &#8222;Give My Regards To Broad Street&#8220; im Wesentlichen Neuaufnahmen von Beatles-Klassikern und einiger Wings- und Solo-Songs enthalten w\u00fcrde. Dazu kamen nur drei wirklich neue St\u00fccke, die einen weitaus positiveren Eindruck hinterlassen als die schon bekannten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erste fl\u00fcchtige Melodieans\u00e4tze f\u00fcr &#8222;No More Lonely Nights&#8220; entstanden, als Paul McCartney in George Martins Londoner AIR Studios zwanglos auf seinem Bass improvisierte. Paul lie\u00df die Grundidee aufnehmen, dachte aber noch nicht daran, daraus einen Song zu machen, sondern Begleitmusik, die die Stimmungs- bzw. Gef\u00fchlsebene und Handlungsf\u00fchrung unterst\u00fctzt. Teile dieser &#8222;Incidental Music&#8220; nebst Dialogausschnitte h\u00f6rt man auch auf dem Soundtrack-Album. Das n\u00e4chste Problem war es, einen Song mit dem Titel &#8222;Give My Regards To Broad Street&#8220; zu schreiben. Als nichts Z\u00e4hlbares dabei herauskam, entschloss sich McCartney zu einer Ballade, die zwar nichts mit dem Filmtitel zu tun hatte, wohl aber ganz gut zur Szene passte, f\u00fcr die sie gebraucht wurde. Der Song z\u00e4hlt zu Paul McCartneys bestem Solomaterial &#8211; nicht zuletzt dank der prominenten Unterst\u00fctzung von Pink Floyds David Gilmour, der hier ein unglaublich packendes und langes Gitarrensolo spielt. &#8222;No More Lonely Nights&#8220; beginnt verhalten mit McCartneys sanfter Stimme und sparsamer instrumentaler Begleitung. Ein vom Komponisten immer mal wieder gern eingesetztes Streicher-Stakkato beschleunigt das Tempo ein wenig und leitet zum Refrain \u00fcber. Im Mittelteil hat Gilmour sein erstes &#8211; vergleichsweise kurzes &#8211; Solo, doch bevor &#8222;No More Lonely Nights&#8220; die f\u00fcr Pop-Songs \u00fcbliche Maximallaufzeit von vier Minuten erreicht hat, setzt er zu einem fast anderthalbmin\u00fctigen Solo an, das in punkto Ausdruck und Intensit\u00e4t an seine besten Soli f\u00fcr Pink Floyd heranreicht. Exzessive Ausfl\u00fcge der Leadgitarre k\u00f6nnen erm\u00fcden, in diesem Fall jedoch h\u00e4lt Gilmour die Spannung hoch; langweilig wird es zu keinem Zeitpunkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinsichtlich der Songauswahl f\u00fcr &#8222;Broad Street&#8220; erkl\u00e4rte Paul McCartney in einem Interview, dass er sich den Film wie ein Live-Konzert vorstellte. Er suchte demnach St\u00fccke aus, bei denen er davon ausging, dass das Publikum sie bei einem Auftritt h\u00f6ren m\u00f6chte. &#8222;Good Day Sunshine&#8220;, die erste Neuaufnahme eines Beatles-Klassikers auf diesem Album, sollte da seiner Meinung nach nicht fehlen. Der Song stammt vom 1966er-Werk &#8222;Revolver&#8220;, wobei sich McCartney seinerzeit von Lovin&#8216; Spoonfuls &#8222;Daydream&#8220; zu dieser Komposition inspirieren lie\u00df. Es ist \u00fcberhaupt auffallend, dass vier der sechs Beatles-Songs auf &#8222;Give My Regards To Broad Street&#8220; von jenem legend\u00e4ren Album &#8222;Revolver&#8220; stammen. &#8222;Good Day Sunshine&#8220;, bei dem George Martin das Piano spielt, erreicht wie alle anderen hier enthaltenen Neuaufnahmen nicht die Ausstrahlung und Qualit\u00e4t des Originals. Man orientierte sich eng am urspr\u00fcnglichen Arrangement, doch das Ergebnis klingt zu steril und flach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als n\u00e4chstes folgt der am h\u00e4ufigsten gecoverte Song der Rockgeschichte: &#8222;Yesterday&#8220; bildet den Anfang dreier miteinander verwobenen Titel. Als Paul McCartney Mitte der 70er Jahre mit den Wings auf Tour war, spielte er diesen Song erstmals wieder live. Da ein mitreisendes Streicherquartett eher umst\u00e4ndlich gewesen w\u00e4re, wurde ein Arrangement f\u00fcr ein Bl\u00e4serensemble geschrieben. Auch auf &#8222;Broad Street&#8220; wurden die Streicher durch Bl\u00e4ser ersetzt. Ansonsten ist diese (leicht verlangsamte) Version von &#8222;Yesterday&#8220; nicht weiter erw\u00e4hnenswert. Das Philip Jones Brass Ensemble begleitet ebenfalls &#8222;Here, There And Everywhere&#8220;, die zweite Nummer von &#8222;Revolver&#8220;. Das Original wird getragen durch den sch\u00f6nen dreistimmigen Harmoniegesang von John Lennon, Paul McCartney und George Harrison. Diese Aufgabe \u00fcbernimmt hier das Philip Jones Brass Ensemble. Nicht mehr als nett, wobei allerdings das variierte Ende zu erw\u00e4hnen ist, das einen guten \u00dcbergang zu &#8222;Wanderlust&#8220; bildet. Im Film befinden wir uns mittlerweile in einer Szene, die bei Studioaufnahmen des Hauptdarstellers Paul McCartney spielt. Ringo Starr ist mit von der Partie und sucht schon w\u00e4hrend &#8222;Yesterday&#8220; und &#8222;Here, There And Everywhere&#8220; nach seinen Drumsticks. Bei der verzweifelten Suche danach wirft er versehentlich ein Becken um, findet aber rechtzeitig zum Einsatz von &#8222;Wanderlust&#8220; sein Arbeitsmaterial. &#8222;Wanderlust&#8220;, nun also mit Ringo Starr am Schlagzeug, stammt vom gerade mal zwei Jahre alten Album &#8222;Tug Of War&#8220; (was auch auf den folgenden Song &#8222;Ballroom Dancing&#8220; zutrifft). Diese Fassung von &#8222;Wanderlust&#8220; ist nahezu deckungsgleich mit dem Original, nur am Ende nimmt Paul McCartney einen Melodiebogen von &#8222;Here, There And Everywhere&#8220; wieder auf. Mit &#8222;Ballroom Dancing&#8220; verh\u00e4lt es sich ein wenig anders. Zun\u00e4chst einmal ist die Auswahl der McCartney begleitenden Musiker beeindruckend, vor allen Dingen wegen der Gitarristen Dave Edmunds und Chris Spedding, sowie Ex-Led Zeppelin John Paul Jones, der hier den Bass spielt, w\u00e4hrend Paul McCartney das Piano bedient. Dieses Remake hat durchaus seine Reize, da es ein wenig rockiger geraten ist als das Original. Zus\u00e4tzlich eingeflochtene Gitarrenlicks und ein l\u00e4ngeres, vermutlich von Spedding gespieltes Solo, sollen die Dramatik der dazugeh\u00f6rigen Filmszene unterst\u00fctzen. Leider ist gerade diese Sequenz ein Tiefpunkt des Films. Schauplatz ist folglich ein &#8222;Ballroom&#8220;, in dem adrett gekleidete junge Menschen ihrer Tanzleidenschaft fr\u00f6nen. Es st\u00f6\u00dft eine Gruppe rebellischer jugendlicher Rocker dazu, die eine Schl\u00e4gerei anzettelt und f\u00fcr absolutes Chaos im Saal sorgt. Doch die weder die Figuren noch die Handlung wirken authentisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter geht es mit &#8222;Silly Love Songs&#8220;, dem einzigen St\u00fcck aus den Wings-Jahren &#8211; und hier deutet sich schon an, dass Paul McCartney dieser Phase seines Musikerlebens zu wenig (verdiente) Beachtung schenkt. Unerkl\u00e4rlicherweise hat Paul McCartney den gro\u00dfen Erfolg &#8222;Silly Love Songs&#8220; zuletzt 1976 live dargeboten. Acht Jahre sp\u00e4ter nimmt er diese Nummer jedoch f\u00fcr &#8222;Give My Regards To Broad Street&#8220; neu auf. Aber auch dieser Song erreicht keinen qualitativen Zugewinn. Das vielleicht sch\u00f6nste Beispiel stimmlicher Harmonie von Paul und Linda McCartney leidet vor allem an der glatten Produktion. Das verwundert nicht weiter, wenn man sieht, dass mit Steve Lukather und Jeff Porcaro zwei Mitglieder der stets nach allergr\u00f6\u00dfter Perfektion strebenden Band &#8222;Toto&#8220; bei dieser Aufnahme mit an Bord waren. Auch das gegen Ende gespielte Slap&#8211;Solo des legend\u00e4ren &#8222;Brothers Johnson&#8220;-Bassisten Louis Johnson passt nicht so recht zu &#8222;Silly Love Songs&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben &#8222;No More Lonely Nights&#8220; gab es zwei weitere neue Songs, die f\u00fcr das Filmprojekt geschrieben wurden: &#8222;Not Such A Bad Boy&#8220; und &#8222;No Values&#8220;. Ausgerechnet diese Titel heben sich angenehm von den Remakes der bekannten Songs ab. Insbesondere die beiden letztgenannten Titel geh\u00f6ren zu den Gewinnern des Albums, weil sie nicht \u00fcberproduziert wurden, sondern \u00fcberaus frisch daherkommen. Wie bei einem Livekonzert (oder wie einst bei der Beatles-Studioaufnahme von &#8222;I Saw Her Standing There&#8220;) z\u00e4hlt Paul McCartney &#8222;Not Such A Bad Boy&#8220; an und auch der Schluss wird nicht ausgeblendet, sondern endet mit einem Schlussakkord und instrumentalem Gepl\u00e4nkel der Band. Diese besteht erneut aus Paul, Ringo, Linda, den Gitarristen Dave Edmunds und Chris Spedding sowie der Percussionistin Jody Linscott. Diese Aufnahme erweckt den Eindruck, als w\u00e4re sie nach schon einem Take &#8222;im Kasten&#8220; gewesen. Der Text handelt von einer reum\u00fctigen Person, die einige Episoden aus ihrem Leben erz\u00e4hlt. Wie so oft bei McCartney ist v\u00f6llig offen, ob der Songtext autobiografische Z\u00fcge enth\u00e4lt. Dennoch mag sich Paul im letzten Vers auf seinen Gef\u00e4ngnisaufenthalt in Japan (1980) bezogen haben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201cI talked to my lawer, he picked up my bail<br \/>\nWon&#8217;t someone get me out of this lousy jail<br \/>\nWe&#8217;re both in agreement that crime never pays<br \/>\nAnd I should be out in a couple of days.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohl jeder Beatles-Fan kennt Paul McCartneys Erz\u00e4hlung zur Entstehung seines Klassikers &#8222;Yesterday&#8220;. Doch diese Komposition war nicht die einzige, die ihm im Traum erschien. Gleiches trifft n\u00e4mlich auch auf &#8222;No Values&#8220; zu, vom dem McCartney sagt, er habe die Melodie und den Text f\u00fcr den Refrain getr\u00e4umt. Die Traumsituation war dergestalt, dass er die Rolling Stones (bei einem Konzert?) bei der Darbietung eines ihm unbekannten Songs beobachtete &#8211; eben &#8222;No Values&#8220;. Nachdem sichergestellt war, dass es keinen Song mit diesem Titel und dieser Melodie gab, machte sich McCartney bereits zu &#8222;Tug Of War&#8220;-Zeiten an die Arbeit, legte die Versuche aber vorerst wieder ad acta. &#8222;No Values&#8220; klingt so gar nicht nach den Rolling Stones, wei\u00df aber durch den vergleichsweise h\u00e4rteren und ungezwungenen Sound zu \u00fcberzeugen. So sind &#8222;Not Such A Bad Boy&#8220; und &#8222;No Values&#8220; keine melodischen Meisterwerke, sondern in erster Linie der Beweis daf\u00fcr, dass der Rocker in McCartney noch existent war. Dave Edmunds und Chris Spedding leisteten hierbei hervorragende Arbeit. Sie dr\u00fcckten den beiden Songs ihren Stempel auf und weckten im geneigten H\u00f6rer den Wunsch, McCartney m\u00f6ge endlich wieder mehr geradlinigen Rock spielen und vor allem wieder Konzerte geben. Doch sein Live-Comeback lag noch ein halbes Jahrzehnt weit entfernt. Warum \u00fcbrigens das blueslastige Ende von &#8222;No Values&#8220; auf dem Cover als &#8222;No More Lonely Nights&#8220; deklariert wird, bleibt unklar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen &#8222;Not Such A Bad Boy&#8220; und &#8222;No Values&#8220; findet sich eine Neueinspielung von &#8222;So Bad&#8220;. Das Recyclen dieser gerade mal ein Jahr alten Aufnahme (vgl. &#8222;Pipes Of Peace&#8220;) war \u00fcberfl\u00fcssig wie ein Kropf. Man kann von dieser Version von &#8222;So Bad&#8220; noch nicht einmal behaupten, sie w\u00fcrde dem Original neue Zutaten hinzuf\u00fcgen. Unterschiede sind daher kaum auszumachen. Vielleicht fehlt &#8222;So Bad&#8220; nicht ohne Grund auf der Vinyl-Version von &#8222;Broad Street&#8220;. Damals erschien sie nur auf der Kassetten- und CD-Ausgabe des Albums.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es folgen mit &#8222;For No One&#8220; und &#8222;Eleanor Rigby&#8220; zwei der sch\u00f6nsten Paul McCartney-Songs \u00fcberhaupt, beide im Original auf dem Beatles-Album &#8222;Revolver&#8220; (1966) zu finden. Bei beiden St\u00fccken l\u00e4sst sich der Ex-Beatle (Gesang und Akustikgitarre) vom Gabrielli String Quartet begleiten, w\u00e4hrend Jeff Bryant das charakteristische Waldhorn-Solo in &#8222;For No One&#8220; spielt. Bei einem St\u00fcck wie diesen (ebenso zutreffend auf &#8222;Eleanor Rigby&#8220; und &#8222;Yesterday&#8220;) hat sich die Originalfassung so sehr ins Bewusstsein eingepr\u00e4gt, dass eine freiere Interpretation des Komponisten eher verst\u00f6rend und unpassend wirken w\u00fcrde. So sind auch hier wenige Ver\u00e4nderungen, aber auch keine Verbesserungen auszumachen. &#8222;Eleanor Rigby&#8220; geht nahtlos in eine orchestrale Passage \u00fcber, die sich &#8222;Eleanor&#8217;s Dream&#8220; nennt. Die Musik begleitet verschiedene Filmszenen und ist somit auch etlichen rhythmischen und melodischen Wechseln unterworfen. &#8222;Eleanor&#8217;s Dream&#8220; ist gleichzeitig auch als erster ernsthafter Vorsto\u00df McCartneys in die Gefilde der klassischen Musik zu verstehen. Freilich l\u00e4sst er sich hier von George Martin unterst\u00fctzen, dessen Handschrift unverkennbar ist &#8211; man f\u00fchlt sich zuweilen an &#8222;Pepperland&#8220;, die &#8222;Sea Of Holes&#8220; oder etwa die &#8222;Sea of Monsters&#8220; aus dem &#8222;Yellow Submarine&#8220;-Soundtrack erinnert. Auch das Streicherstakkato aus Hitchcocks &#8222;Psycho&#8220;-Duschszene wird aufgegriffen. Doch McCartney gelingen auch ein paar sch\u00f6ne Variationen auf das &#8222;Eleanor Rigby&#8220;-Leitmotiv und eine unglaublich zarte und romantische Passage, die er auf der Akustikgitarre spielt (ca. 3:30 bis 4:10 Min.). F\u00fcr die Schallplattenausgabe hat man &#8222;Eleanor Rigby\/Eleanor&#8217;s Dream&#8220; brutal auf eine Spielzeit von gerade mal knapp \u00fcber drei Minuten gek\u00fcrzt, so dass rund sechs Minuten fehlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann es kaum glauben, dass Paul McCartney hinter der butterweichen und zuweilen kitschigen Version von &#8222;The Long And Winding Road&#8220; steht. Schlie\u00dflich war er es, der den gr\u00f6\u00dften Schrei der Emp\u00f6rung ausstie\u00df, als Phil Spector &#8222;The Long And Winding Road&#8220; f\u00fcr das &#8222;Let It Be&#8220;-Album der Beatles mit Frauench\u00f6ren und Streichern zukleisterte. McCartney hatte nicht ganz unrecht: Die urspr\u00fcngliche schlichte Version der Beatles ist um L\u00e4ngen besser. Auch mit den Wings spielte McCartney in Konzerten ein abgespecktes Arrangement dieser Ballade. Umso mehr verwundert die schwache Fassung auf &#8222;Broad Street&#8220;. Der gr\u00f6\u00dfte Fehler besteht wohl darin, die Einleitung und das sp\u00e4tere Solo von einem Saxophon (Dick Morrisey) spielen zu lassen. Man f\u00fchlt sich unweigerlich an Easy Listening-Orchestermusik aus den 70er Jahren erinnert wie z.B. von James Last oder Ray Conniff. Dieser sch\u00f6ne Song hat Besseres verdient.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht auf die Zielgerade zu. &#8222;No More Lonely Nights&#8220; hat dieses Album er\u00f6ffnet und beendet es auch. Dieses Mal allerdings in einer beschleunigten, discotauglichen &#8222;Playout&#8220;-Version. Im Vordergrund stehen der Rhythmus und sporadisch einsetzende Attacken einer f\u00fcnfk\u00f6pfigen Bl\u00e4sergruppe. Dies alles klingt aber weitgehend kalt, einfalls- und lieblos. F\u00fcr Sammler damals ein hartes Brot: Diese Version gab es in verschiedenen Remixen, so produzierte George Martin einen Remix f\u00fcr die Maxi-Single (8:10 Min.), Arthur Baker einen 6:55-Remix und einen Edit von 3:56 Min. Die remasterte CD-Ausgabe von &#8222;Broad Street&#8220; wartet mit einem &#8222;Extended Mix&#8220; und einem &#8222;Special Dance Mix&#8220; auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schallplatten haben naturgem\u00e4\u00df weniger Spielkapazit\u00e4t als CDs. So fehlen der Vinylversion von &#8222;Gve My Regards To Broad Street&#8220; gegen\u00fcber der CD ganze 16 Minuten. Z\u00e4hlt man die Bonus-Tracks dazu, kommt man mit der remasterten CD auf fast 30 Minuten mehr Spielzeit. Auch &#8222;Goodnight Princess&#8220; fehlt auf der Schallplatte, wobei dies auch kein wirklicher Verlust ist. Unbedarfte H\u00f6rer d\u00fcrften sich bei &#8222;Goodnight Princess&#8220; ans Kaffeekr\u00e4nzchen im Seniorenheim erinnert f\u00fchlen. Nachvollziehen und einsch\u00e4tzen kann man das, wenn man McCartneys (durchaus humorvolles) Faible f\u00fcr den Bigband- und Vaudeville-Sound aus der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts kennt. Paul McCartney verabschiedet sich w\u00e4hrend der ersten Takte von &#8222;Goodnight Princess&#8220; mit diesen Worten: &#8222;Thank you for joining us. We hope you&#8217;ve had as much pleasure listening as we&#8217;ve had making it for you.&#8220; &#8212; Nett gemeinte Worte, nur war das Vergn\u00fcgen wohl eher einseitig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die einzige Singleauskopplung &#8222;No More Lonely Nights&#8220; erklomm in England Platz 2 und in den USA Platz 6. In Deutschland reichte es gerade mal f\u00fcr Rang 30. Das Album schaffte in England die Spitzenposition und in den Staaten Platz 21. Was das Coverdesign betrifft, lie\u00df sich Paul McCartney nicht lumpen: Die Schallplatte erschien mit Texten, Motivlabel und sch\u00f6nem Klappcover &#8211; wobei sich \u00fcber Geschmack nat\u00fcrlich streiten l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anspieltipps:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">No More Lonely Nights \/ Not Such A Bad Boy \/ No Values<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bewertung:<\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><big><small><small><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/paul.gif\" \/><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.ewetel.net\/%7Eansgar.bellersen\/bilder\/paul.gif\" \/><\/small><\/small><\/big> <strong>+<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pressestimmen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;There are only three new songs here; the rest of the record is filled out with pointless Beatles remakes and even more meaningless reprises of some of McCartney&#8217;s own solo fluff. This is a shame, because the new tunes are pretty good.&#8220; &#8211; Rolling Stone, 17. Januar 1985<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Give My Regards To Broad Street Ver\u00f6ffentlicht:\u00a0 22. Oktober 1984 LP: EMI \/ Parlophone 1C 064 &#8211; 2602781 (Deutschland) CD: EMI 0777 7 89268 2 5 (Digitally Remastered) Titel: No More Lonely Nights (Ballad) \/ Good Day Sunshine &#8211; Corridor &hellip; <a href=\"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/?page_id=272\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-272","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/272","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=272"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/272\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":985,"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/272\/revisions\/985"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.lmw-28if.de\/exbeatles\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=272"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}